Amnesty: 58 Staaten halten an Hinrichtungen fest

10. Oktober 2009, 09:41
36 Postings

"Immer weniger Staaten richten Menschen hin, einige wenige Staaten richten immer mehr Menschen hin"

Wien - "Immer weniger Staaten richten Menschen hin, doch einige wenige Staaten richten immer mehr Menschen hin." Das ist die Botschaft der Menschenrechtsorganisation Amnesty International anlässlich des "Internationalen Tages gegen die Todesstrafe" am 10. Oktober. Demnach haben 139 Staaten die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. 58 Staaten halten weiterhin an ihr fest. Laut Amnesty wurden im Vorjahr mindestens 2.390 Menschen hingerichtet. 2007 seien es weniger, nämlich 1.252 gewesen. Einen dramatischen Anstieg gab es den Angaben zufolge bei den zum Tode Verurteilten: Mindestens 8.864 im Jahr 2008 stehen hier 3.347 im Jahr 2007 gegenüber. Mehr als 20.000 Menschen weltweit warten der Organisation zufolge derzeit auf ihre Hinrichtung.

An der Spitze der Staaten, die Menschen hinrichten, steht die Volksrepublik China, gefolgt vom Iran und Saudi-Arabien, wo auch Jugendliche hingerichtet werden, sowie Pakistan und die USA. 2008 seien diese fünf Länder für 93 Prozent aller Vollstreckungen von Todesurteilen verantwortlich gewesen. Demgegenüber schafften die afrikanischen Staaten Togo und Burundi die Todesstrafe heuer ab; in Kenia wurden per Generalamnestie sämtliche Todesurteile umgewandelt.

"Der Trend zu einer Welt ohne Todesstrafe ist unumkehrbar. Die Staaten mit Todesstrafe sollten dieses Signal verstehen und endlich Schritte ergreifen, um die Todesstrafe zu überwinden", erklärte Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich, in einer Aussendung. Amnesty gehört mit mehr als 60 weiteren nichtstaatlichen Organisationen der "Weltkoalition gegen die Todesstrafe" an, die diese Form der Bestrafung als grausam, unmenschlich und erniedrigend ablehnt und den Internationalen Tag gegen die Todesstrafe im Jahr 2002 ins Leben gerufen hat. 2007 erklärte auch der Europarat und die EU den 10. Oktober zum "Europäischen Tag gegen die Todesstrafe".

Am 10. Oktober 1789 hatte der Arzt Joseph Guillotin der französischen Nationalversammlung die Anwendung einer Enthauptungsmaschine zum einheitlichen Vollzug der Todesstrafe für alle Stände vorgeschlagen. Diese Fallbeil ging unter dem Namen Guillotine in die Geschichte ein. Bis zur Untersagung der Todesstrafe 1981 wurden in Frankreich Todesurteile durch die Guillotine vollstreckt.

Der erste moderne Staat, der die Todesstrafe ächtete, war die Toskana: 1786 verfügte der damalige Großherzog Pietro Leopoldo (ein Habsburger und Sohn Maria Theresias, der als Leopold II. später römischer Kaiser 1790-92 wurde) die Abschaffung der Todesstrafe. Seit 1976 haben Jahr für Jahr zwischen ein und fünf Staaten weltweit die Todesstrafe ausgesetzt bzw. gänzlich abgeschafft. Österreich strich die Bestrafung mit dem Tod vor gut 40 Jahren aus dem Notstandsrecht. In EU-Europa gibt es die Todesstrafe nicht mehr, seit Griechenland diese im Jahr 2004 für alle Straftaten abschaffte. Die "Charta der Grundrechte der Europäischen Union" untersagt die Todesstrafe ausdrücklich auch in Kriegszeiten. (APA) 

Share if you care.