EURO: Massiver Security-Mangel in der City

10. Oktober 2009, 09:07
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Kontrollamtsbericht über die Wiener Fanzonen lässt Fragen über Kosten offen

Wien - Bei der Wiener SPÖ frohlockt man: Lediglich 223,40 Euro kostete jeder Besucher der EURO-Fanzone im Hanappi-Stadion die Steuerzahler. Das errechnete das Kontrollamt der Stadt. Insgesamt kosteten die Fanzonen am Ring und im Rapid-Stadion knapp 18 Millionen Euro.

Der Sportsprecher der Sozialdemokraten, Thomas Reindl, liest aus dem am Freitag veröffentlichten Prüfbericht über die Fanzonen eine Bestätigung: "Das Hanappi-Stadion erwies sich demnach als einzig seriöse Public-Viewing-Alternative", ließ er per Aussendung verbreiten. Ein näherer Blick auf den Bericht zeigt allerdings, dass einige Fragen offenbleiben.

Das beginnt bereits mit der Feststellung, dass es für die Fanzone im Westen der Hauptstadt keine Alternative gab, aufgrund "des Fehlens alternativer Konzepte von privaten Veranstalterinnen bzw. Veranstaltern in relevanter Größenordnung". Während der EURO hatten aber hochrangige Experten aus dem Organisations-Umfeld berichtet, dass es sehr wohl praktikable Vorschläge für die Errichtung einer Fanzone auf der Donauinsel gegeben habe.

60 Securities bewachten leeres Stadion

Auch die Tatsache, dass an die Sicherheitsfirma 1,88 Millionen Euro für 19 Tage Dienst zu zahlen waren, obwohl das Stadion nur an vier Tagen geöffnet war, ist für das Kontrollamt in Ordnung. Schließlich hätten 60 Securities das leere Stadion bewacht, während die anderen 368 Sicherheitskräfte "für dringend notwendig gewordene zusätzliche Sicherheitstätigkeiten" in der Fanzone in der Innenstadt eingesetzt worden seien.

Was die Frage aufwirft, warum in der City offenbar zu wenig Securities vorhanden waren. Auf Seite 76 findet sich die Antwort: "Da ursprünglich angenommene Sicherheitsdienstleistungen der Bundespolizeidirektion Wien nicht wie erwartet zur Verfügung standen." Warum man sich beim Bedarf verrechnet hat, steht allerdings nicht im Bericht.

Bemängelt wird vom Kontrollamt auch, dass die Zahl der Ring-Fanzonen-Besucher nicht genau analysiert wurde: Wenn jemand tagsüber für eine Abkürzung in den achten Bezirk durchspazierte, war er wohl nicht ursächlich Fanzonenbesucher - wurde aber dennoch als solcher gezählt. (Michael Möseneder; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.10.2009)

 

 

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