Hammelbrater und Otternzüchter

10. Oktober 2009, 08:57
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Hammelbraten war gestern - jetzt gibt es einen neuen Indikator für Integrationsunwilligkeit

Integration - das ist zunächst einmal Deutsch lernen und das Einhalten der österreichischen Gesetze. An den heimischen Stammtischen gilt aber seit vielen Jahren ein entscheidendes Kriterium, ob ein "Zuag'raster" integrationswillig ist oder nicht: Das legendäre "Hammelbraten im Hinterhof". Es gab zwar nicht einen Beleg, dass sich in Wien jemals so etwas zugetragen habe - aber klar war: Wer es im Hinterhof am Grill penetrant schafeln lässt, ist kein Unsriger.

Das Hammel-Braten war aber gestern. Denn offensichtlich gibt es in Simmering jetzt einen neuen Indikator für absolute Integrations-Unwilligkeit: Das Otternzüchten. Die Grüne Gemeinderätin Waltraut Antonov berichtete nämlich kürzlich nach einer Diskussionsveranstaltung im "elften Hieb", dass ihr dort vorgeworfen worden sei: "Ich hab eine Stinkwut auf euch Grüne, weil ihr die Wiesenottern unterstützt!"

Kampagne?

Eine Kampagne für Wiesenottern? Davon hatte Antonov bis dato nichts gewusst. Auf Nachfrage erklärte ihr der Diskussionsteilnehmer, für welch unglaubliche Verschwörung diese Tiere missbraucht werden: "Die Ausländer züchten Wiesenottern, setzen sie in Parks aus, und da beißen die Wiesenottern dann die Einheimischen."

Für all jene, die nicht wissen, was Wiesenottern sind: Es handelt sich um die kleinste Giftschlange Europas und das einzige in Österreich bisher ausgestorbene Kriechtier. Zuletzt wurde eine Wiesenotter in Österreich in 1973 in freier Wildbahn gesehen: Ein auf der Straße überfahrenes Jungtier.

Anfang September dieses Jahres sind nun die ersten Exemplare eines ungarisch-österreichischen Artenschutzprojektes präsentiert worden. In einem Freilandterrarium im Tiergarten Schönbrunn. Diese Otternweibchen kamen aus einer ungarischen Zuchtstation. Womit klar ist: Die "heimtückischen Ausländer" - das waren in diesem Fall die Transleithanier.(Roman Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2009)

 

 

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    Die ersten Exemplare eines ungarisch-österreichischen Artenschutzprojektes wurden Anfang September präsentiert.

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