Weggefährten nehmen am Sonntag Abschied

9. Oktober 2009, 19:34
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Flimm, Peymann, Sander und Lindenberg gestalten Beiträge im Hamburger Schauspielhaus

Hamburg  - Mit einem Fest für Peter Zadek nehmen am Sonntag in Hamburg Freunde und Weggefährten Abschied von dem großen Theaterregisseur. In einer Matinee im Schauspielhaus erinnern unter anderem die Intendanten Jürgen Flimm und Claus Peymann an den Ausnahmeregisseur, der Ende Juli im Alter von 83 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben war. Die Schauspieler Angela Winkler, Eva Mattes, Uwe Bohm, Annett Renneberg, Ben Becker und Otto Sander werden Texte und Lieder vortragen. Die Schauspielerin Hannelore Hoger und Zadeks Lebensgefährtin Elisabeth Plessen werden Gedichte lesen, teilte das St. Pauli-Theater am Freitag mit.

Musikalisch wird die Gedenkfeier vom israelischen Klarinettisten Giora Feidmann, Pianist Charly Wesseler und Sänger Udo Lindenberg umrahmt. Auch Zadeks Enkel Poppy und Felix Zadek-Ewing werden ein A- Capella-Stück vortragen. Außerdem sind Filmausschnitte aus seinen bekanntesten Inszenierungen zu sehen.

Zadek war von 1985 bis 1989 Intendant am Hamburger Schauspielhaus und feierte hier seine größten Erfolge. Darunter waren Shakespeares "Othello" mit Ulrich Wildgruber und Eva Mattes, Wedekinds "Lulu" mit der jungen Susanne Lothar und die Revue "Andi" mit Uwe Bohm und der Musik der Einstürzenden Neubauten. Am St. Pauli-Theater hatte Zadek zuletzt "Der bittere Honig" von Shelagh Delaney (2006) mit Julia Jentsch, Eva Mattes und Uwe Bohm und "Nackt" von Luigi Pirandello (2008) mit Annett Renneberg inszeniert. Seine letzte Ruhe fand Zadek in Italien, wo er in der Toscana hoch über den Bergen von Lucca ein Sommerhaus hatte.

Zadek wurde 1926 in Berlin geboren. Die jüdische Familie musste 1933 nach England emigrieren, 1958 kehrte Zadek nach Deutschland zurück. Der "große Zauberer" und "Anarchist" habe das Theater revolutioniert, hieß es in vielen Reaktionen nach seinem Tod. Mit Ulrich Tukur inszenierte Zadek 1984 in Berlin und Hamburg einen seiner größten Theatererfolge, Joshua Sobols "Ghetto". Sein Versuch, Anfang der 90er Jahre auch im Leitungsteam des Berliner Ensembles mitzuarbeiten, endete allerdings glücklos. Sein Lebenstraum zerplatzte noch im hohen Alter, als er die "Was ihr wollt"- Inszenierung als Einstand einer neuen freien Theaterproduktion krankheitsbedingt absagen musste. (APA)

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