Das Jammern der Pensionistenvertreter

9. Oktober 2009, 18:53
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Das fehlte gerade noch: Die Vertreter der roten und schwarzen Pensionistenverbände, Karl Blecha und Andreas Khol, wollen Sozialpartnertstatus für ihre Organisationen

Das fehlte gerade noch: Die Vertreter der roten und schwarzen Pensionistenverbände, Karl Blecha und Andreas Khol, wollen Sozialpartnertstatus für ihre Organisationen. Außerdem beharren sie auf der Forderung, die Pensionen sollten um 1,9 Prozent erhöht werden, also nach dem sogenannten "Pensionisten-Preisindex" statt nach der allgemeinen Inflationsrate von (voraussichtlich) 1,5 Prozent.

Warum nicht auch Sozialpartnerstatus und Sondererhöhungen für junge Eltern? Oder für "Neue Selbstständige"? Oder für Jugendliche? Die haben auch spezielle Bedürfnisse, sind von den Preiserhöhungen in ihren speziellen Interessen auch betroffen.

Pensionisten sind einfach sehr zahlreich - rund zwei Millionen (Wahlberechtigte insgesamt: sechs Millionen). Und die SPÖ wird zu gut 50 Prozent von Pensionisten gewählt. Sie sind auch relativ leicht politisch anzusprechen und zu mobilisieren - sie haben Zeit. Das Publikum bei politischen Veranstaltungen besteht fast durchgehend aus grauen Häuptern.

Aus alledem beziehen zwei alte Polit-Profis wie Blecha und Khol durchaus legitim die Lizenz zur Pensionistenvertretung (und wohl auch zur Selbstverwirklichung). Kürzlich warf sich auch Bundespräsident Heinz Fischer für die Pensionisten in die Bresche und verurteilte die "völlig inakzeptable Ausdrucksweise" wie "graue Gefahr" oder "Kukident-Generation". Begriffe, die in einer Profil-Titelgeschichte über die Kosten der Pensionen verwendet worden waren. Sicher, jahrzehntelang wurden die Pensionisten nur als "Aufbaugeneration" angesprochen bzw. unmittelbar nach dem Krieg als "Wiederaufbaugeneration".

Dass darunter nicht wenige waren, die sich vorher eifrig daran beteiligten, alles kaputtzumachen - das wurde nicht so sehr angesprochen. Tatsächlich lebten zumindest bis in die Sechzigerjahre viele oder eigentlich die meisten Älteren nicht im Wohlstand.

Aber seither hat es einen ungeheuren Aufschwung gegeben, und gerade jene Generation, die jetzt in Pension geht, hat einen nie gekannten Standard an sozialer Sicherheit und öffentlich-politischer Zuwendung erlebt. Es gibt nach wie vor arme Pensionisten, aber die große Mehrheit lebt komfortabel.

Mehr noch, die Situation beginnt, ins Unangemessene zu kippen. Die letzten Jahre haben in manchen Bereichen des Pensionssystems dramatische Begünstigungen gebracht. Die Grundtatsache: Fast niemand geht mehr mit dem gesetzlichen Pensionsalter in den Ruhestand, sondern vier bis sechs Jahre früher.

Die Abschläge von der Pension, die es dafür theoretisch geben sollte, sind von einer willfährigen Politik wegradiert worden ("Hacklerpension"). In manchen Bereichen, vor allem im öffentlichen Dienst, wurden mithilfe willfähriger Ärzte durchaus rüstige Menschen in die vorzeitige "Invaliden"-Pension geschickt.

Kurzum, dieser Staat ist grosso modo sehr nett zu den Pensionisten und solchen, die es frühzeitig werden wollen. Damit er es weiter sein kann, muss man vorsichtig sein mit überproportionalen Pensionserhöhungen; und die ungeschmälerte Frühpension als Normalzustand wird auch nicht zu halten sein. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.10.2009)

 

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