Gemeinsam und doch allein auf der Piste

9. Oktober 2009, 18:54
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Gemeinden Damüls und Mellau streiten um Vermarktung des gemeinsamen Skigebiets

Damüls/Mellau - Er komme sich vor wie ein Medaillengewinner, sagte der Damülser Bürgermeister Wilfried Madlener bei der Präsentation des neuen Skigebiets Damüls- Mellau am Donnerstagabend im Bregenzer Festspielhaus: "Ich kann es noch gar nicht realisieren." Nach "20 Jahren harter Arbeit" könne am 19. Dezember das letzte Stück der Verbindung der beiden Bregenzerwälder Skigebiete, die Gipfelbahn, in Betrieb gehen.

Den "historischen Tag" (Madlener) feierten die Damülser ohne ihre Mellauer Partner, die 40 Prozent der 23-Millionen-Investition tragen. Für Elisabeth Wicke, die Bürgermeisterin der Talgemeinde Mellau, wie Madlener von der ÖVP, war kein Platz auf dem Stockerl. "Wir wurden schlicht nicht eingeladen", erzählt Wicke im Gespräch mit dem Standard. "Schade, so interessieren sich die Medien nur für Kommunikationsprobleme der beiden Gemeinden und nicht für das neue Skigebiet."

Bürgermeister Madlener hat mehrere Erklärungen für den Alleingang: "Wir haben zwar ein gemeinsames Skigebiet, sind aber wie zwei Unternehmen, die um denselben Gast buhlen." Außerdem habe Damüls 60 Prozent investiert, Mellau nur 40. "Deshalb muss es auch Damüls-Mellau heißen und nicht Mellau-Damüls." Und dann wäre da noch in der Mellauer Mentalität, aus Damülser Höhen betrachtet: "Wir haben die Mellauer zehn Jahre lang angetrieben. Die Damülser sind halt schneller." Wicke hört "gar nicht gerne, dass wir unten schlafen und die oben die Macher sind".

Mellau mache auch. Und zwar ganz konkrete Pläne zu umweltverträglichen Verkehrslösungen. Dann noch eine neue Zufahrt über eine neue Brücke, "die müssen wir aber im Einklang mit dem Hochwasserschutz planen" (Wicke).

Das gemeinsame Skigebiet, gegen das Umweltorganisationen jahrelang opponierten, bietet 105 Pistenkilometer und 29 Anlagen, die 36.000 Personen pro Stunde befördern können. Ein Nadelöhr im schnellen Skigeschäft könnte der Mellauer Zubringer darstellen, die Gondelbahn kann nur 1200 Gäste pro Stunde befördern. Ausgebaut wird die erst, "wenn sich das neue Skigebiet wirklich bewährt", sagt Herbert Frick, Mehrheitseigentümer der Bergbahnen Mellau. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 10./11.10.2009)

 

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