Banken ziehen Ost-Gelder ab

9. Oktober 2009, 18:45
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Einlagen wurden um 3,3 Milliarden Euro verringert

Wien - Der Liquiditätsengpass der heimischen Geldinstitute schlägt voll auf die Kapitalverkehrsbilanz durch. Veranlagten die Banken im ersten Halbjahr 2008 noch 27,5 Mrd. Euro zusätzlich im Ausland, zogen sie in den ersten sechs Monaten 2009 3,3 Mrd. Euro ab. Der Großteil davon entfällt laut Nationalbank auf Mittel, die zur Finanzierung der Tochterbanken in Osteuropa dienten. Die Daten gelten insofern als brisant, als sich die heimischen Institute gegenüber dem Währungsfonds verpflichtet haben, den Geldfluss nach Osteuropa aufrecht zu erhalten.

Auf 800 Mio. Euro eingebrochen ist auch die Kreditvergabe im Ausland. In der Vergleichsperiode wurden noch 12,4 Mrd. verliehen. Spiegelbildlich eingestellt wurde auch die internationale Geldaufnahme durch den heimischen Kreditapparat: Er ging von 31 Mrd. Euro im Vorjahr auf 300 Mio. Euro heuer zurück. Österreich insgesamt - also nicht nur die Banken - hat seine Finanzverpflichtungen im Ausland um 5,9 Mrd. Euro reduziert. Im ersten Halbjahr 2008 war es noch zu einem Schuldenanstieg gegenüber internationalen Gläubigern im Volumen von 54 Mrd. Euro gekommen, geht aus dem Außenwirtschaftsbericht der Notenbank hervor.

Auch die österreichischen Direktinvestitionen kamen zum Erliegen. Ausländische Konzerne halbierten ihr Engagement hierzulande auf drei Mrd. Euro.

Gar ins Negative drehte die Handelsbilanz: Die Einfuhren überstiegen die Ausfuhren um 1,3 Mrd. Euro, nachdem die Exporte im Vorjahr die Importe noch um 900 Mio. Euro übertroffen hatten. Die Exporte brachen um ein Viertel und damit etwas stärker ein als die Importe (minus 22 Prozent). Die Leistungsbilanz, die neben dem Güterverkehr auch die Dienstleistungen berücksichtigt, ist zwar weiterhin positiv. Der Überschuss schmolz aber um 40 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro. Die Währungsreserven verringerten sich um zwei Mrd. Euro, teilte die Notenbank am Freitag mit. (as, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.10.2009)

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