Samstags wird demonstriert, nicht gebastelt

9. Oktober 2009, 18:36
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Wiens Kindergärnterinnen demonstrieren für mehr Personal, kleinere Gruppen und eine bessere Bezahlung

Wien - Eine Kollegin gibt im Online-Forum bereits Parolen zum Aufsagen aus: "Bildung steht auf dem Papier, Umsetzung - das wollen wir!" heißt es da. Oder: "25 Kinder und manchmal ein paar mehr, bin ich etwa ein Dompteur?"

Zum Einsatz kommen sollen sie am 17. Oktober - da rufen Kindergartenpädagoginnen zu einer Demonstration auf. Die Pädagoginnen kämpfen für ein bundeseinheitliches Dienstrecht, einen Bildungsrahmenplan, kleinere Gruppengrößen mit einem besseren Betreuungsschlüssel, eine bessere Ausbildung und Bezahlung der Pädagoginnen. "Es brennt allen Kolleginnen dermaßen", sagt Organisatorin Helga Hauptmann. Sie geht daher davon aus, dass mehrere hundert Pädagoginnen zur Demo (der Beginn ist beim Museumsquartier um 14.00 Uhr) kommen werden, die vor allem die Wiener Kolleginnen ansprechen soll. Laut Hauptmann - sie ist auch Leiterin des Betriebskindergartens der Creditanstalt - gibt es in Wien noch ein spezielles Problem: "Es rennen uns die Kindergartenpädagoginnen weg, weil in Niederösterreich die Rahmenbedingungen besser sind." So sei etwa das Einstiegsgehalt höher. Im Büro des zuständigen Stadtrates Christian Oxonitsch bestreitet man die Stadtflucht: "Das hat sich beruhigt." Durch den Kindergarten-Ausbau in Niederösterreich müssten viele jetzt nicht mehr nach Wien einpendeln. Und: "Im Moment gibt es in ganz Österreich zu wenig Pädagoginnen."

Für Raphaela Keller, stellvertretende Vorsitzende des Österreichischen Dachverbandes der Berufsgruppen der Kindergarten- und Hortpädagoginnen, ist es "ganz wichtig, dass man mit den Eltern gemeinsame Sache macht". Mit ihnen als "Auftraggebende" müsse kooperiert werden, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Denn die Eltern wären die stärkste Lobby der schlecht vernetzten und gewerkschaftlich schwach (da in viele Teilgewerkschaften aufgesplittet) organisierten Kindergärtnerinnen.

Aber auch die Eltern sind untereinander offenbar schlecht vernetzt. Von den aktuellen Demonstrationen wissen viele noch gar nichts. Die Pädagoginnen dürfen auch offiziell keine Werbung in eigener Sache machen - zumindest, solange sie am Arbeitsplatz sind. Also bemühen sich Vertreter der Plattform Educare jetzt, auf der Straße auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen - und möglichst viele Eltern zur Demo ins Museumsquartier zu bewegen. Um diese nicht gegen sich aufzubringen, ist der Protestzug extra auch auf einen Samstag gelegt worden.

Nach dem Probelauf im Oktober wagt man sich am 21. November an Größeres: Für diesen Tag wird österreichweit zum Protest aufgerufen. In vielen Landesstädten sind Aktionen geplant - schließlich fordert man ja auch viele Anliegen ein, die sich nur bundesländerübergreifend realisieren lassen. (Peter Mayr, Karin Moser, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.10.2009)

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    foto: standard/hendrich
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