"Auch das Image der Technik muss sich ändern"

9. Oktober 2009, 18:27
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Traditionelle Rollenbilder und das familiäre Umfeld halten viele Frauen von einem technischen Studium ab. Eine Imagekorrektur wäre auch für technische Berufe notwendig

In den technischen Wissenschaften liegt die Frauenquote an Österreichs Universitäten bei 15 Prozent, in der technischen Forschung in Unternehmen bei 14 Prozent. Frauen für die Technik zu begeistern ist das Ziel von Initiativen wie FIT - Frauen in die Technik, Tech Women oder Girls' Day.

Dass diese Aktivitäten auch wirken, zeigt der Werdegang von Astrid Sinwel. Für das Studium der technischen Mathematik habe sie sich unter anderem deshalb entschieden, weil bei der FIT-Berufsorientierung an der Johannes-Kepler-Universität in Linz die Simulation von rollenden Reifen als Anwendungsbeispiel der technischen Mathematik von einer Frau erklärt wurde. Heute ist sie Projektassistentin im Bereich der Mechatronik an der Schnittstelle von Forschung und Anwendung am Austrian Center of Competence in Mechatronics (ACCM).

Imagekorrektur

"Frauen haben oft ein falsches Bild von Technik. Mit Öl und Schmutz hat das schon lange nichts mehr zu tun", ergänzt Larissa Aigner, die nach der Matura an der Bundesbildungsanstalt für Kindergarten- und Hortpädagogik ebenfalls technische Mathematik studierte. Daneben müsse sich aber auch das Image der Technik ändern, meint Aigner. Technik bedeute für sie logisches und praktisches Denken. "So lange es cool ist, in der Schule in Mathematik schlecht zu sein, wird sich an der Attraktivität nichts ändern", so Aigner. Um das Interesse für Technik zu wecken, sei auch das familiäre Umfeld prägend. "Um zu zeigen, was man kann, braucht es einen Mentor, der einem technische Umsetzungen zutraut", so Aigner.

"Zu zeigen, was man kann, ist anstrengend, kann aber auch einen ordentlichen Kick geben", so die Erfahrung von Helene Sickinger. Für ihren beruflichen Werdegang war viel Durchsetzungskraft auch innerhalb der Familie erforderlich. Nach der Matura an der Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe kam sie eigentlich durch Zufall zum Programmieren von Lernsoftware. Heute ist sie Softwareentwicklerin und Projektleiterin in Linz. Ihr selbstbewusstes Auftreten und ein Mentor, der ihr diese Aufgaben auch zutraute, waren entscheidend, gibt sie zu.

Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bei technischen Studienrichtungen gebe es in Rumänien, weil es von der Politik so gewollt sei, erklärt die gebürtige Rumänin und Senior Researcher am Linz Center of Mechatroniks (LCM) Eugenia Cojocaru. Um als Frau in der Technik erfolgreich zu sein, müssten Frauen die Sprache der Männer verstehen. Denn nur so könnten Frauen auch von Männern verstanden werden, meint Cojocaru.

"Frauen tendieren unter anderem mit der Sprache dazu, sich kleiner zu machen", sagt Cojocaru und ermutigt zu selbstbewussterem Auftreten. "Denn jedes Schaffen braucht seine Zeit." Konkrete Ziele setzen und nicht leichtfertig und schnell aufgeben, lautet ihr Rat an Technikerinnen.

Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten sind in der Technik gut. Als eine der wenigen Frauen einer technischen Studienrichtung werde man auf Händen getragen, ergänzt Aigner. "Man darf sich aber nicht davon abschrecken lassen, dass man manchmal die einzige Frau ist", ermutigt Sinwel. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD/Printausgabe 10.10./10.10.2009)

  • Erfolgreich in der Technik (v. li.): Astrid Sinwel (ACM), Eugenia
Cojocaru (LCM), Larissa Aigner (LCM) und Helene Sickinger
(Softwareentwicklerin).
    foto: r. hendrich

    Erfolgreich in der Technik (v. li.): Astrid Sinwel (ACM), Eugenia Cojocaru (LCM), Larissa Aigner (LCM) und Helene Sickinger (Softwareentwicklerin).

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