"Gesetzlicher Rahmen für Boni wäre das Beste"

9. Oktober 2009, 18:15

SP-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder will sich mit unverbind­lichen Regeln für Managergagen und Boni nicht abfinden

STANDARD: Seit Monaten wird über Managerbezüge diskutiert. Jetzt schlagen die Unternehmen vage, unverbindliche Regeln vor. Reicht Ihnen das oder soll die Regierung gesetzliche Vorgaben machen?

Schieder: Die Diskussion geht prinzipiell in die richtige Richtung. Ein freiwilliger Kodex hilft uns aber nicht weiter. Joseph Stiglitz hat für seine Arbeit über asymmetrische Information an den Märkten den Nobelpreis bekommen. Gleiche Informationen erreiche ich am besten mit gesetzlichen Regeln. Daher bin ich dafür, dass möglichst alle Bestimmungen im Verkehr zwischen Unternehmen gesetzliche sind. Ich kann deshalb auch nicht ganz nachvollziehen, dass der Kapitalmarktbeauftragte des Finanzministeriums, Richard Schenz, von ausreichend Gesetzen spricht.

STANDARD: Machen wir es konkret. Was wollen Sie gesetzlich regeln? Auch die Boni-Bestimmungen?

Schieder: Gesetzliche Rahmen für Boni wären das Beste. Das ist keine Träumerei. In Deutschland ist das bereits Gesetz. Wir brauchen ein Modell, wo der Aufsichtsrat größere Verantwortung übernimmt. Und was mir vor allem fehlt: Neben einem Bonus-, brauchen wir auch ein Malussystem. Erfolg soll belohnt werden, aber ein schlechtes Ergebnis muss sich auch negativ auf die Vergütung niederschlagen.

STANDARD: Also soll man sich am deutschen Modell orientieren?

Schieder: Ich denke, man kann das in vielen Punkten kopieren. Die Deutschen haben auch bessere Transparenzregelungen: Die Managerbezüge werden auf individueller Ebene offengelegt. Und es braucht eine gesetzliche Abkühlphase, bevor ein Vorstand in den Aufsichtsrat der gleichen Firma wechseln kann.

STANDARD: Dauerthema sind auch die Aktienoptionen von Managern.

Schieder: Hier bräuchten wir zumindest eine Behaltefrist von zwei bis vier Jahren, bevor ein Manager die Aktien verkaufen darf. Aber eigentlich halte ich die Vergütung in Aktienpaketen für problematisch - Stichwort Insiderinformationen.

STANDARD: Das heißt Sie wollen Aktienoptionen ganz verbieten?

Schieder: Ich kann mir das vorstellen. Aber das ist wohl auf politischer Ebene nicht realisierbar.

STANDARD: Sie haben angesprochen, dass viele Themen auch auf EU-Ebene diskutiert werden. Soll man nationale Gesetze beschließen, wenn es dort keine Ergebnisse gibt?

Schieder: Ich wäre dafür. Ich bin auch dafür, alle Maßnahmen innerhalb unseres Steuersystems zu diskutieren. Die Gagen der Vorstände sollten nur mehr bis zu einer bestimmten Grenze als Betriebsausgaben absetzbar sein.

STANDARD: ÖGB und Arbeiterkammer plädieren für eine Grenze von 500.000 Euro.

Schieder: Das ist eine Größenordnung, die auch ich mir vorstellen kann.

STANDARD: Stellt sich die Frage nach der Umsetzung. Haben Sie mit der ÖVP über Ihre Forderungen schon gesprochen?

Schieder: Das Thema ist auf der Agenda. Es ist notwendig, dass es Beweglichkeit gibt. Ich denke mir: Wenn eine CDU-Kanzlerin in Deutschland gesetzliche Regelungen beschließt, werden sie auch einem ÖVP-Vizekanzler in Österreich genehm sein. Die angesprochenen Vorschläge sollten innerhalb der Bandbreite konservativen Denkens möglich sein. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.10.2009)

Zur Person

Andreas Schieder (40) ist für die SPÖ Staatssekretär im Finanzministerium. Der studierte Volkswirt war zuvor außenpolitischer Sprecher der SPÖ.

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A. E. Neumann
00
11.10.2009, 13:31
"...Die Diskussion geht prinzipiell in die richtige Richtung..."

An dieser Aussage merkt man, dass von der SPÖ auch weiterhin nur der Wähler-Neidkomplex bedient wird und nichts produktives zur Bekämpfung der Bankstersauereien kommt.

Auch die SPÖ ist offenbar zu feig, den Banken die Rute ins Fenster zu stellen: Wer Mist baut, wird verstaatlicht oder geht in Konkurs. Die Bank wird einfach den Eigentümern weggenommen oder staatlich abgewickelt.

Wieso? Es waren die Eigentümer, die die Manager eingesetzt und die die Boni beschlossen haben. Es waren und sind die Eigentümer, die von hohen Renditen profitieren. Also sollen die Eigentümer auch die Risken tragen. Und nicht der Staat.

Aber davon spricht keiner. Keiner spricht davon, wem die Banken gehören und wessen Eigentum gerade staatlich gesichert wird...

das ist fix
00
11.10.2009, 12:32

"Mehr Staat" ist sicher nicht die Lösung der gegenwärtigen Krise.

"...die Menschen haben gespürt, dass der nunmehr als Heilsweg verkündete große Staat als Antwort auf die Krise seinerseits ein Irrweg ist."

Zitat aus: http://www.welt.de/politik/a... zugen.html

Aguirre74
 
00
11.10.2009, 11:23

So sehr ich gegen diese Wahnsinnsgehälter bin, finde ich diesen Ansatz unrealistisch. Wenn ich keine Boni mehr bekommen darf, dann mach ich halt eine Consuting GmbH um den Differenzbetrag abzuschöpfen. Und wenn Absurdgehäler für eine Vorstandstätigkeit asozial sind, dann sind es Absurdausschüttungen an Anteilseigner ja genauso. Wieso soll Besitz mehr Wert schöpfen ls Arbeit? Man sollte also grundsätzlich viel weiter gehen und bei der Verteilungsgerechtigkeit - d.h. beim Vermögen - ansetzen. Oder wieso muss 90% des Vermögens bei 1% der Bevölkerung liegen? Da liegt also das Problem.

I man i tram
00
11.10.2009, 10:12
Der (Schrumpf-)Löwe fiept!

Jedoch der Vorsitzer dämmert weiterhin schweigend vor sich hin.
Der Löwe schrumpft weiter.

Vielleicht borgt sich Faymann die Schuhe mit dem "18%"-Schriftzug auf der Sohle vom Westerwelle aus beim nächsten Mal.

Fleißig sein heißt bei Faymann offenbar fleißig schweigen.

Hubert Ungeist
 
04
11.10.2009, 10:12
Sehr gut...

fangen wir mal mit einem Malussystem bei Politikern an.

Mal schauen was er dann hält davon der Herr Schieder

x-tron
00
11.10.2009, 09:45
Boni kürzen greift zu kurz!

Erfolgsabhängige Gehaltsbestandsteile sind nicht verwerflich. Dieses Anreizsystem zur Erreichung von Unternehmenszielen anzugreifen, ist im Ergebnis absurd.
Gesetzgebung und Aufsicht haben zugelassen, dass Bankeigentümer Risiko- und Hochrisikogeschäfte bei möglichst geringem Kapitaleinsatz fordern (Umsatzrendite 25 Prozent als Maß) und bekommen. Gleichzeitig übernimmt der Staat viele Risken für diese Gambler. Aus diesem Paradies werden Anleger nicht wegen BONI - Kürzungen ausziehen.

P.S.: Wer meint, dass Einkommen beschränkt werden sollen, möge doch eine Grenze ziehen, ab der der überwiegende Teil des Einkommens wegbesteuert wird.

x-tron
00
11.10.2009, 10:31
Korrektur

Der Klammerausdruck oben muss heißen (Eigenkapitalrendite 25 Prozent als Maß) nicht wie irrtümlich geschrieben Umsatzrendite.

cuibono
01
10.10.2009, 22:12
Theorie und Praxis sind zwei Paar Schuhe

Schieders Argumentation hat viel für sich. Warum schafft es aber die SPÖ trotz Regierungsbeteiligung nicht, ähnlich stringente Regelungen wie in Deutschland durchzusetzen? Wie so oft klaffen bei den heimischen Sozis theoretischer Anspruch und praktische Umsetzung ziemlich weit auseinander, die deutschen Kollegen waren da in der Umsetzung ihrer Forderungen wesentlich zielstrebiger.

Seifenbein
01
10.10.2009, 20:07
Gute Sache, aber warum hat dann die SPÖ....

mitten in einer davon ausgelösten Krise gegen den Antrag der Grünen um Deckelung der Managergehälter gestimmt??? So wie alle anderen Parteien auch?

Und wie sollten sich die Österreicher da nicht auch von der SPÖ verkauft und verraten vorkommen?
Wo bleibt da der politische Hausverstand und das Gewissen?

Peter_23
43
10.10.2009, 18:42
Warum nicht konkret statt vage Unternehmensvereinbarungen.

Weitere Einkommensteuergrenze: Ab 12.500,- Euro brutto pro Monat (175.000,- EUR brutto im Jahr) wird für jene Anteile darüber eben eine Einkommenssteuer von >90% fällig. Auf alle Einkommen, auch aus Zins/Pachteinnahmen, Gewinnentnahmen, Landwirtschaft, etc pp.

In Slowenien ist sowas ähnliches schon umgesetzt.

4311503
01
11.10.2009, 12:06

In Slowenien gilt diese Grenze nur für vom Staat unterstützte Unternehmen und nur für das Gehalt (nicht Zinsen,...).

Hubert Ungeist
 
00
11.10.2009, 10:14
Und warum sollte ich mich

ab 12600 noch anstrengen - wenn mir das Staat eh alles wegnimmt?

Dann werden wohl nur noch die Narzisten höhere Ämter/Positionen in Ö anstreben. Die wirklich guten, werden sich etnweder einen Lenz machen (WOrk Life Balance auf Neudeutsch) oder eben auswandern

Poldi Fesch
11
10.10.2009, 19:04
weil bei uns das

Eigentum ein verf. gesetzl. gewaehrleistetes Recht ist. Die Slowenen werden sich noch wundern, sollte diese Regelung so sein, wie beschrieben

systema radl
00
10.10.2009, 18:22
entweder ist die politik wirklich so ahnungslos

oder sie macht aus purem popolismus solche schlagzeilen. denn: wenn es keine boni mehr gibt, dann wird es eben in zukunft extrem hohe spesen oder andere vergünstigungen geben. man kann einer privaten firma nicht vorschreiben, was und wieviel sie jemanden bezahlen soll. es wird andere lösungswege für die manager geben, weiterhin genügend zu bekommen. spesenpauschale z.b. bon 50.000 euro. und niemand (schon garnicht die finanz) kann da etwas dagegen sagen. bin ich als manager halt einmal im monat um die welt geflogen und hab das ticket verloren. auch kein problem....

Poldi Fesch
00
11.10.2009, 10:24
es gibt Staatsglaeubige,

die glauben, man koenne

motorsport
11
10.10.2009, 17:24
variable Gehaelter fuer Politiker!

warum fangen die herren politiker eigentlich nicht bei ihren eigenen gehaeltern an diese an leistung zu koppeln. wenn ein land in eine wirtschaftskrise rennt, wenn ein land seine kinder nicht mehr ausbilden kann, wenn man in einem land nicht mehr sicher auf der strasse gehen kann dann sollten die politiker auch entsprechend ueber ihre entlohnung dafuer gerade stehen. bei oesterreichs situation ware ein kraeftiger malus fuer die fuehrungsspitze angebracht.

fischer heimo
02
10.10.2009, 14:59
Der Konsument ist ja nicht gezwungen, bei Firmen zu kaufen, dessen Boni's im nicht gefallen ...

... ups, in AT sind ja lle Managergehalts-Exzesse in staatlichn Betrieben gewesen ...
... ups, verspkuliert habe eigentlich nur die Buergermeister und Landesraete (zB in NOe)
... ups, Pleite gegengen ist eigentlich nur die staatsnahe Kommunalkredit (eh erst zum 2ten mal) ...

10 dag Meinungswurscht - dünn aufschneiden bitte!
 
01
10.10.2009, 13:11
Boni hin, Boni her ...

... da gab´s doch mal was, mit dem man diverse Finanz-Exzesse in den Griff kriegen konnte ... wie nannte man das noch gleich ... ah, jetzt fällt es mir wieder ein ...

... "eine intelligente Steuergesetzgebung!"

Und wer ist dafür verantwortlich?

... die PolitikerInnen! - Na also ...

californian fall
00
10.10.2009, 12:31

ist eh alles egal. pröll wird brüsk ablehnen und faymann umgehend apportieren.

Milton Friedman
14
10.10.2009, 12:23
Begrenzung

Also ich bin ganz klar für eine Begrenzung der Gehälter von Schauspielern. Die sind doch irre! Das sollte auch gekoppelt sein.

emanze c
21
10.10.2009, 13:38
Das ist was mir bei der Diskussion um Managergehälter scheinheilig vorkommt: Sportler und Schauspieler verdienen ein Vielfaches für einen Bruchteil des Arbeitseinsatzes von Top-ManagerInnen.


Wer sich zunächst schon mal ca 2 Jahrzehnte kaum Luft zum Atmen gönnt, dann in der Topmanagementzeit seine Familie eher in Minuten als Stunden messbar sieht, selbst am Wochenende, und ganz für die Firma lebt soll beschränkt werden, Superstars in Sport und Unterhaltung aber nicht?

Eine Beschränkung ist dort nötig, wo Missbrauch getrieben werden kann, wo falsche Anreize bestehen den Aktienkurs des Unternehmens kurzfristig hochzutreiben zum langfristigen Schaden diverser Interessengruppen abgesehen vom Management. Aber warum diese einseitige Beschränkung der Diskussion auf Managementgehälter ohne auch nur im Geringsten über andere geradzu obszön hohe Gehälter mit wesentlich geringerer Gesellschaftsrelevanz nachzudenken?

Orakel1
43
10.10.2009, 12:04
Diese Idee ist an Blödheit nicht mehr zu überbieten.

Sie ist auf dem Mist der Gleichschaltungsdenke gewachsen und bewrkt eine Negativauslese. Denn einen Effekt hätte es: die normalerweise untauglichen Versager mit Parateiabuch bekämen endlich einen Job, weil die wirklich Leistungsfähigen bei diesem Modell das Land verlassen.

hans12345
01
10.10.2009, 11:48
Daher bin ich dafür, dass möglichst alle Bestimmungen im Verkehr zwischen Unternehmen gesetzliche sind.

Toll das hätte auch ein positiven Beschäftigungseffekt, dann kommen auch die anderen drittklassigen SPOE-VWLer einen sicheren Job in der neuen Planungsbehörde.

rnix
01
10.10.2009, 11:24
Herr Schieder,

Gründens eine eigene Partei. Sie sind einer der wenigen, die Fragen sinngemäß und inhaltlich beantworten.

Dass es fast schon Sympathien bei mir auslöst, wenn ein Politiker überhaupt mal Fragen beantwortet... derweil sollte das der kleinste gemeinsame Nenner sein. Mir graust.

macindd
11
10.10.2009, 11:02
Vielleicht sollte man darüber nachdenken,

Managereinkommen (inklusive allem was sie auf welchem Weg auch immer bekommen) an den Zentralwert der restlichen Gehälter im Unternehmen zu binden. Dann müssten sie, um ihre eigenen Gehälter zu erhöhen, zuerst einmal die der anderen verbessern, und wären so gezwungen, von oben nach unten umzuverteilen. Ist jetzt nicht ganz zu Ende überlegt, aber prinzipiell wäre so eine Koppelung wünschenswert.

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