Fotograf: "Jüdisch-imperialistische Lügen"

9. Oktober 2009, 17:43
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Kärntner Landtagspräsident verteidigt umstrittene Nordkorea-Schau: "Kunstfreiheit"

Klagenfurt - Kärnten: ein Ausnahmezustand. Während gerade die umstrittenen Huldigungsfeierlichkeiten für den verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider laufen, sorgt eine vom Land Kärnten unterstützte Fotoausstellung über die Diktatur in Nordkorea für einen handfesten politischen Skandal. Der Fotograf Wolfgang Bogner preist im Begleittext mit antisemitischem Vokabular den totalitären Staat für seine "Heimattreue" , zumal es "keine Asylanten, kein Gesindel und keine Ausländer" gebe.

Nordkorea sei, anders als im Westen kolportiert, "nicht im Chaos" . Warum dieser Eindruck im Westen entstehe? Es sei eine "böse Lügen-Propaganda der jüdisch-imperialistischen Aggressoren aus den USA" . Bogner im Gespräch mit dem Standard: "Ein provokanter Text, gebe ich zu. Provokation ist eine ursächliche Aufgabe der Künstler. Ich zitiere ja nur die Koreaner. Ich will die Wahrheit verbreiten, dass Korea nicht im Chaos liegt, dass die Leute freundlich sind, nicht hungern müssen, dass sie fröhlich sind und alle eine Arbeit haben." Und es sei ihm noch etwas in Nordkorea aufgefallen, schreibt Bogner im Begleittext: "Deutschland und Österreich genießen Sympathien: beide Länder kämpften gegen die amerikanischen Imperialisten und hatten deren Bombardements zu erdulden (...) Interessant war ein hochverehrter Dynastie-Gründer, der auf einem riesigen Gemälde die rechte Hand wie zum deutschen Gruß erhebt. Meine beiden Begleiter wussten genau Bescheid über die Bedeutung dieser heutzutage umstrittenen Armbewegung."

Was Bogner in der Ausstellung in der Galerie des Landhauses mache, sei "Freiheit der Kunst" , sagte BZÖ-Landtagspräsident Josef Lobnig. Er lasse nur die Einladungen verschicken und stelle den öffentlichen Raum zur Verfügung. Eine Wertung der Ausstellung sei "nicht Sache der Politik" . BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler möchte zur Causa nichts sagen. BZÖ-Kultursprecher Stefan Petzner sprach im Standard-Gespräch hingegen von einer "klaren Grenzüberschreitung" . Für den Grazer Rechtsexperten, Uni-Vizerektor Martin Polaschek, ist Bogners Text, obzwar "seine Einstellung durchkommt" , rechtlich "leider" kaum angreifbar, da er die inkriminierenden Passagen unter Anführungszeichen gesetzt und zitiert habe.

Während Lobnig dem "heimatverbunden" Nordkorea Platz zur Präsentation gibt, wurde die Kärntner "Konsensgruppe" kürzlich vor die Tür gesetzt. Lobnig hatte eine Festveranstaltung, in der die slowenisch-kärntnerische Konsensgruppe den " europäischen Bürgerpreis" für "respektvollen gegenseitigen Umgang" von EU-Vizepräsidenten Miguel Angel Martínez überreicht bekommen hätte, im Landhaus untersagt. Der Ort sei nur für Veranstaltungen "im öffentlichen Interesse des Landes da" , argumentierte Lobnig. (Walter Müller/ DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.10.2009)

 

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