Riesiges Luftgewehr für Transporte in den Weltraum?

11. Oktober 2009, 14:58
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US-Physiker will Idee umsetzen und Frachtgut ins Weltall schießen

Boston - Der US-amerikanische Physiker John Hunter hat ein Modell eines gigantischen Luftgewehrs vorgestellt, das Frachtgut ins Weltall abschießen soll und zu drastischen Kosteneinsparungen auf diesem Gebiet führen könnte. Das Modell sieht einen 1,1 Kilometer langen Gewehrlauf vor und soll Nutzlasten mit einem Gewicht von bis zu 450 Kilogramm mit sechs Kilometern pro Sekunde ins All befördern.

Das Design für die neuartige Beförderungsart hat der tollkühne Physiker vergangene Woche am Space Investment Summit in Boston vorgestellt. Zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftern soll die Idee im Rahmen des neu gegründeten Unternehmens "Quicklaunch" (San Diego, Kalifornien) in die Tat umgesetzt werden.

Frühere Erfindung

Das Gerät basiert auf einer früheren Erfindung Hunters aus den 90er Jahren. Das Gewehr hatte damals einen Lauf von mehr als 47 Metern Länge und verwendete komprimiertes Wasserstoffgas, um die einige Kilogramm schweren Projektile mit einer Geschwindigkeit von bis zu drei Kilometern pro Sekunde abzufeuern. Die Idee hinter Hunters riesigem Gewehr weckt Erinnerungen an den französischen Schriftsteller Jules Verne, der im 19. Jahrhundert in seinem Roman "Von der Erde zum Mond" darüber schrieb, Menschen mithilfe von Kanonen ins Weltall zu schießen.

Einsatzmöglichkeiten

Die Beschleunigungskräfte, die das Mega-Luftgewehr auslösen würde, wären für Menschen und herkömmliche Satelliten allerdings tödlich. Das Gewehr könnte jedoch zum stabilen Transport von Raketentreibstoff verwendet werden und zum Beispiel die Internationale Raumstation (ISS) zu günstigeren Kosten mit Treibstoff versorgen, so Hunter. Auch künftige bemannte Mars-Missionen könnten beliefert werden. Um das Gewehr zu bauen, sind laut dem Wissenschafter 500 Mio. Dollar (knapp 340 Millionen Euro) notwendig. Die Kosten, um es abzufeuern, wären jedoch bis zu zehnmal günstiger als derzeitige Antriebskonzepte.

Für Franklin Chang-Diaz, Ex-Astronaut und Physiker der Ad Astra Rocket Company, würde das "Jules-Verne-Konzept" auf dem Mond sinnvoller sein, da dort keine Atmosphäre vorhanden ist. Hunter ist dies zwar bewusst, durch die spitze Form des Projektils wäre der Widerstand beim Durchqueren der Erdatmosphäre allerdings gering, sagt er. Das Geschoss könnte die Erdatmosphäre demnach in 100 Sekunden passieren und würde mithilfe einer robusten Außenschicht nicht verglühen.  (pte/red)

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