Emsige Russen

9. Oktober 2009, 19:03
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Bilanz der Auktionswoche im Dorotheum: Gerüchte und Fachsimpeleien, dazu gute acht Millionen Euro Nettoumsatz

Das sei geradezu absurd, ein Werk Peter Paul Rubens und seiner Werkstatt, da könne er ja nur lachen, ereiferte sich ein belgischer Zaungast während eines Bietgefechts um das als solches ausgewiesene Ölbild Urteil des Paris.

Die vom Dorotheum ausgelegten Köder: Ein Gutachten des deutschen Kunsthistorikers Justus Müller-Hofstede (Habilitation mit "Rubens in Italien 1600-1608" ), wonach es sich um eine Vorstudie zu dem Gemälde in der Londoner National Gallery handelt, dazu die mit 45.000-50.000 Euro sehr günstig angesetzte Taxe. Der Belgier hatte eine andere Theorie, das sei allenfalls eine Interpretation des Originals, ein Werk von Pieter Casteels vermutlich, dafür spreche die für Rubens viel zu detaillierte Darstellung der Tücherfalten. Durchaus übliche Fachsimpeleien, die während Auktionen mit Sitznachbarn ausgetauscht werden, allerdings ohne Folgen bleiben.

300.000 Euro (brutto 352.300) lautet in diesem Fall das endgültige Gebot eines Russen, sein Landsmann im Saal hat das Nachsehen. Insgesamt spielte das Dorotheum zum Auftakt der dritten Auktionswoche (6. bis 8. Oktober) an diesem Abend netto 3,42 Millionen Euro ein. Anderntags standen Gemälde des 19. Jahrhunderts auf dem Programm: Auch hier kauften Russen emsig ein, etwa das schon im Vorfeld durch Aufträge über die Taxe (30/40.000) auf 70.000 Euro angesteigerte Mädchenporträt von Ferdinand Georg Waldmüller - erst bei 85.000 Euro (104.000) kehrte Antonia der Heimat endgültig den Rücken. Für das Titellos der Auktion, Waldmüllers Kinder schmücken den Hut eines Konskribierten, bewilligte ein deutscher Käufer 420.000 Euro (490.300).

Leopold setzt sich durch

Bei Friedrich Gauermanns Landschaftsstück mit einem alten Baum bewies Rudolf Leopold langen Atem. Mit unermüdlichem Kopfnicken setzte er sich erst bei 54.000 Euro gegen die Sensalin durch. 65.100 Euro lautet der offizielle Kaufpreis. So man Gerüchten von Abschlagszahlungen an potenzielle andere Interessenten glauben würde, könnte der inoffizielle Preis höher liegen. In diesem Fall, so Rudolf Leopold, stimme das nicht.

Mit einem Nettoumsatz von 1,56 Millionen machte auch die Sektion Antiquitäten keine schlechte Figur: Skulpturen, Glas und Porzellan verzeichneten eine Verkaufsquote von 45 Prozent, bei Möbel und Silber lag diese bei 71 Prozent. Den höchsten Zuschlag notierte man für das Kandelaberpaar von Josef Danhauser, das für 95.000 Euro (116.200) in den französischen Handel abwanderte. Die finale Wochenbilanz liegt mit netto 8,09 Millionen Euro etwas höher als jene des Vergleichsreigens 2008 (7,85 Mio). (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 10./11.09.2009)

  • 29.580 Euro bewilligte der Wiener Handel für diesen Thonet-Stuhl (um 1840).
    foto: dorotheum

    29.580 Euro bewilligte der Wiener Handel für diesen Thonet-Stuhl (um 1840).

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