Unterschätzte Spermien

11. Oktober 2009 14:58

Forscher: Spermium überträgt bestimmte epigenetische Faktoren auf die befruchtete Eizelle

Gießen - Das in der Samenflüssigkeit enthaltene Spermium hat neben der Weitergabe von Erbmaterial weitaus mehr Funktionen, zeigen Forscher an der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie der Universität Gießen. Gemeinsam mit britischen Kollegen konnten sie nachweisen, dass Spermien auch bestimmte epigenetische Faktoren auf die befruchtete Eizelle übertragen. Diese beeinflussen die Expression von Genen, ohne dabei das Erbgut selbst zu verändern.

"Die Rolle des Spermiums in der Befruchtung wird durchaus kontrovers diskutiert", erklärt Studienleiter Klaus Steger. Lange Zeit habe man angenommen, dass es der Eizelle lediglich das väterliche Erbgut zur Verfügung stelle aber ansonsten aufgrund seiner im Vergleich zur Eizelle geringen Größe keine Funktion für die Entwicklung des Embryos besitze. "Die geringe Größe des Spermiums beruht auf einem Austausch DNA-bindender Proteine, sogenannter Histone, gegen Protamine. Dadurch benötigen sie für die Speicherung des Erbmaterials nur ein Zehntel des Raumes, den dieselbe Information in einer normalen Körperzelle oder auch einer Eizelle erfordert."

Mögliche Funktion

Die jüngsten Forschungen weisen darauf hin, dass das Spermium mit der Befruchtung der Eizelle seine Schuldigkeit noch nicht getan hat. Denn der Austausch von Histonen gegen Protamine, der während der Spermiumentwicklung erfolgt und für die Verpackung des väterlichen Erbguts verantwortlich ist, geschieht nicht vollständig, sondern nur zu 80 bis 90 Prozent. "Wir stellten uns die Frage, welche Funktion der verbleibende Rest besitzt", so Steger. Vieles deutet darauf hin, dass epigenetische Faktoren die an die Resthistone gebundenen Gene in deren Ausprägung in der Eizelle beeinflussen. "Das könnte der Grund dafür sein, dass sich ein Embryo, der nach einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung in eine Gebärmutter eingesetzt wird, häufig nicht weiterentwickelt und abstirbt", vermutet der Gießener Urologe.

Epigenetische Faktoren beeinflussen die Expression von Genen direkt über das Erbgut und indirekt über die Histone. Sie werden wie Erbschädigungen vererbt, sind jedoch umkehrbar. "Diese Reversibilität stellt einen großen Unterschied zur Genetik dar und macht das Untersuchungsfeld viel weiter." Dass man Mechanismen der Epigenetik bereits in naher Zukunft von außen beeinflussen könne, bezweifelt Steger jedoch. "Selbst vom Verständnis ihrer Auswirkung in der frühen Embryonalentwicklung sind wir noch mehr als ein Jahrzehnt entfernt. Der Wissenschaftszweig ist eben noch sehr jung." Durch ihre Erkenntnis hoffen die Forscher, langfristig zur Verbesserung der Diagnose von männlicher Unfruchtbarkeit und zur Prognose von assistierten Reproduktionstechniken beizutragen. (pte/red)

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19 Postings
TomGard
 
13.10.2009 12:24
Der Schlüsselsatz zum Verständnis

scheint mir (einem Amateur) zu sein:
Epigenetische Faktoren sind (zum Teil) reversibel. Sie vermitteln folglich eine Adaption der Genexpression an Umgebungsvariablen, was umgekehrt eine Assimilation von Umgebungsvariablen in das Erbgut darstellt. Es hebt nach der Befruchtung eine biochemische Wechselwirkung mit vektoriellem Charakter an: die Entwicklung, die darin ausgebildete Strukturen bekommen eine Richtung, und ziemlich gewiß eine Schichtung auf der Ebene der Genexpression.
Ein Absterben eines in-vitro-befruchteten Eis im Uterus ist möglicherweis ein worst case der unterbrochenen Ausprägung epigenetisch gesteuerter Genexpression.

Kremser
12.10.2009 10:50
spermien sind zu was nütze?

das ist aber nicht politisch korrekt!

MarioV
12.10.2009 16:22

Grandios
;-)

epep
12.10.2009 13:34
spermien vielleicht..

..moechtegern-scherzkekse waren das aber noch nie..

Leonardo Basil
12.10.2009 10:17
Der ganze Artikel...

...ließt sich wie ein CSI Monolog mit vielen Fremdwörtern bei dem am Ende dann aber irgendjemand fragt "Und was heißt das ganze?" Daraufhin wird (in CSI) dann der gesamte Inhalt in einem kurzen, banalen und für jeden verständlichen Satz zusammengefasst....
Leider wurde bei diesem Artikel diese wichtige Frage nicht gestellt, bzw. beantwortet. :)

Oder kurz: Ich versteh ka Wort.

Ganerc-Callibso
12.10.2009 13:11
was ich heraus gelesen habe

ein spermium transportiert vor allem (80-90%) das männliche Erbgut - die restlichen 10-20% beinhalten *bla bla* die steuern können wie sich das genetische Programm beim neuen Leben dann abspielt...

das ganze ist teil von *bla bla*, einem neuen Wirtschaftszweig, der eigentlich erst in 10 Jahren ca. in den sprichwörtlichen Kinderschuhen steckt, also eigentlich dzt. selber ein Spermium ist ;)

sid1080
 
12.10.2009 13:39
DNA...

... ist im Normallfall um klobige Histone gewickelt... Weil so eine Spermazelle jetzt recht klein ist (kein Platz) werden die klobigen Histone gegen was Kleiners getauscht (Protamine)... Die Histone werden aber nur zu 80-90% gegen Protamine ausgetauscht.. Jetzt die CSI-Antwort: Des könnt an Sinn haben... Keine Ahnung wiss ma noch nicht....

Also zumindest les ich den Artikel so ;)

Dagmar Rehak
 
12.10.2009 18:34

Genau so habe ich es auch verstanden.

mitrovic dejan
12.10.2009 05:04
Spermien sind gut für junge und elastische Haut.

cyber ferkel
12.10.2009 10:21

Schleimhaut in Mund und Rachen.

AmazingSpace
12.10.2009 14:25

Spermien ergänzen die Darmflora perfekt und bringen diese in Schwung.

caranx
12.10.2009 08:26
Welche Haut?

Stahl_____666
12.10.2009 09:59
.

Gesichts- und Schleimhaut!

Dagmar Rehak
 
11.10.2009 22:53
Und was für epigenetische Faktoren überträgt das Spermium jetzt?

Dass das väterliche Erbgut nicht ganz eingepackt wird, ist ja noch kein Hinweis drauf.
Und was ist "Vieles", was darauf hinweist dass epigenetische Faktoren die an die Resthistone gebundenen Gene in deren Ausprägung in der Eizelle beeinflussen?

Nanomyte
13.10.2009 18:14
Das ist...

bisher noch garnicht erforscht und wird von der EU übrigens im Bereich der Biochemie und Medizin mit einem Preis von 40.000€ dotiert für die erste Forschungsgruppe die dahingehend Hypothesen empirisch verifiziert.

Ist auch kein Wunder, bisher dachte man die DNS sei das einzige Erbgut. Nun allerdings weiß man seit den 90ern dass die Histone eigentlich auch Erbgut sind und das was man bisher auch in der Schule gelernt hat falsch oder zumindest unvollständig ist und wir nun einen neuen Forschungszweig haben, die in den nächsten 50 Jahren nochmal so viel Arbeit hat wie die Genetik vor 50 Jahren. Tja...

Warum glaubte man an genetische Wundermittel bisher? Weil sonst kein Geld für diese Forschung da gewesen wäre in der Vergangenheit.

AmazingSpace
12.10.2009 14:24

.... und wie fällt nun Ihre eigene Antwort auf Ihr Posting aus? Brav zusammenkopiert all die Fremdwörter!

Kathi1609
 
11.10.2009 23:16
für mich ist dieser Artikel ein ziemliches wirrwarr.

im großen und ganzen klar, worauf sie hinauswollen, aber im kleinen und halben so ein "schau wie viele fachwörter wir kennen" ..

Dagmar Rehak
 
12.10.2009 11:29

Ich lese heraus:
"Da ist irgendwas nicht ganz vollständig, und als Grund vermuten wir was ganz, ganz Tolles."
Sind wir sich ehrlich - mehr steht da nicht.

k.an
11.10.2009 21:10
Frage: Kennt sich da jemand genauer aus?

" (...) Vieles deutet darauf hin, dass epigenetische Faktoren die an die Resthistone gebundenen Gene in deren Ausprägung in der Eizelle beeinflussen. "Das könnte der Grund dafür sein, dass sich ein Embryo, der nach einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung in eine Gebärmutter eingesetzt wird, häufig nicht weiterentwickelt und abstirbt" (...)"

Wie ist hier der Zusammenhang? Verstehe nicht, warum es im Hinblick auf die "an die Resthistone gebundenen Gene" einen Unterschied machen sollte, ob diese im Mutterleib oder extern sind. Aus dem obigen Artikel geht das für mich (bin aber auch ein fachliches Nackerpatzerl) nicht hervor...

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