Stifter hatte als Dynamit-Erfinder "Wiedergutmachung" im Sinn
Oslo - Mit dem von Alfred Nobel (1833-1896), dem schwedischen
Erfinder des Dynamits, gestifteten Friedensnobelpreis sind seit 1901, dem Jahr der ersten
Verleihung, sowohl Persönlichkeiten als auch Institutionen ausgezeichnet worden,
die sich für Erhalt oder Schaffung von Frieden verdient gemacht haben. In seinem
Testament beauftragte Nobel das norwegische Parlament (Storting), jährlich bis
zu drei Menschen oder Organisationen für deren Verdienste um die Menschheit
auszuzeichnen. Die Preisträger sollen "den besten oder größten Einsatz für
Brüderlichkeit zwischen Staaten, für die Abschaffung oder Abrüstung von
stehenden Heeren sowie für die Organisation und Förderung von
Friedenskonferenzen" gezeigt haben. Seit 1960 wird auch der Einsatz für
Menschenrechte, seit 2004 zudem für Umwelt, mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
Den Rekord hält das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit drei
Auszeichnungen, das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge
(UNHCR) erhielt zweimal den Friedensnobelpreis.
Amtierende Staatsoberhäupter als Preisträger waren im Jahr 2000 Südkoreas
Präsident Kim Dae-jung, Südafrikas Präsident Frederik de Klerk (1993) und der
sowjetische Präsident Michail Gorbatschow (1990). Auch frühere Präsidenten
wurden ausgezeichnet wie Jimmy Carter (USA) 2002 und Martti Ahtisaari (Finnland)
2008.
Mit der Stiftung der Preise wollte der schwedische Forscher und
Großindustrielle Alfred Nobel einen Konflikt lösen, der sein ganzes Leben
bestimmte. Der Erfinder des Dynamits konnte nicht verwinden, dass seine
Entdeckung für den Krieg missbraucht wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er
sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden
sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet
haben".
Das Ritual beginnt jedes Jahr im Oktober mit der Zuerkennung und endet am 10.
Dezember - Nobels Todestag - mit der feierlichen Überreichung der
Auszeichnungen. In der Regel übergibt der norwegische König in Oslo den
Friedenspreis, der schwedische König in Stockholm die übrigen Auszeichnungen.
Die Preisträger für Physik und Chemie werden von der Königlichen Schwedischen
Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinischen Institut in
Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlichen Schwedischen Akademie
der Künste ausgewählt.
Den Friedenspreisträger - er erhält eine Medaille, eine Urkunde und ein
Preisgeld, in diesem Jahr zehn Millionen Schwedische Kronen (knapp eine Million
Euro) - bestimmt ein fünfköpfiger Sonderausschuss des norwegischen Reichstags.
Neben den "klassischen" Nobelpreisen gibt es seit 1969 eine von der Schwedischen
Reichsbank gestiftete Ehrung für Wirtschaft.
Elf Frauen sind bisher mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, als erste im
Jahr 1905 die Österreicherin Bertha Freifrau von Suttner (geb. Gräfin Kinsky)
(1843-1914), Sekretärin Nobels, Gründerin der Gesellschaft der Friedensfreunde
und Autorin des Romans "Die Waffen nieder!"; zuletzt 2004 die Umweltaktivistin
Wangari Maathai aus Kenia. Neben Suttner ist Alfred Hermann Fried (1911) der
zweite österreichische Träger. (APA)