Angst vor Dollar-Krise wächst

9. Oktober 2009, 19:00
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Im "Stress" Dollarabsturz vereinzelt auf 1,80 zum Euro gesehen - Europa hält noch länger keine strengeren Zinszügel aus

Eine sehr holprige Straße der Erholung, der folgenreiche Ausstieg aus den Konjunkturpaketen als Knackpunkt und ein sogar möglicher Wechselkurs zwischen Euro und Dollar von 2:1 dominierten das Finanzertreffen in Alpbach.

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Alpbach - Negative Erwartungen passen nicht gut ins Jobdesign von Bankern, Ökonomen und Analysten, sie wurden beim 23. Alpbacher Branchentreff also auch so nicht ausgesprochen. "Fragile Erholung auf niedrigem Niveau" lautete also die Formulierung von Wifo-Chef Karl Aiginger zur Situation Österreichs (mit Mittelfristwachstum von 1,5 Prozent). Die Krise sei nicht vorbei, so der Generaltenor, ein leichter Anstieg der Produktion bei steigender Arbeitslosigkeit plus Staatsverschuldung ergebe keine stabilisierte Volkswirtschaft.

Als Knackpunkt kristallisierte sich die Frage nach dem Wann und Wie eines Ausstiegs aus den globalen Konjunkturstützen, auf denen die weltweite Erholung ja basiert, heraus. Euro-Notenbankchef Jean-Claude Trichet hatte bereits am Donnerstag vom "steigenden Druck nach ambitionierten fiskalischen Exit- und Konsolidierungsstrategien" gesprochen.

2010 aber, so der einhellige Tenor in Alpbach, sei zu früh, um mit dem Sparen zu beginnen. Dem schloss sich am Donnerstag in Alpbach auch Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, an: "Aber es müssen sofort Diskussionen über die großen strukturellen Reformthemen beginnen."

Dass nationalstaatliche Interessen unter dem Deckmantel des Krisenmanagements deutlich betrieben werden und welche Gefahren von der Währungsfront drohen, diskutierten die Zins- und Währungsexperten am Freitag, einen Tag nachdem Thailand, Malaysien, Hongkong und Taiwan, aber angeblich auch die russische Notenbank massiv US-Dollar gekauft hatten, um die eigene Währung exportfähig zu halten und der Lokomotive China die Stirn bieten zu können.

Trotzdem rutschte der US-Dollar - zu Lasten des Euro (auf rund 1,47) weiter ab. Seit Australien zu Beginn der Woche die Zinsen hinauf genommen hatte eine klare Tendenz im US-Dollar. Vorerst gut für die US-Erholung - aber eine weitere Keule für das exportabhängige Europa, das zu Recht fürchten muss, die Rechnungen für die Krisenherde im US-Finanzsystem zu zahlen. Gold zog auf 1046 Dollar je Unze weiter an. Dort sehen manche auch schon die nächste Blase - Prognosen, wonach die Unze nach kommenden Zinserhöhungen plus einsetzender Inflation auf 5000 Dollar je Unze steigen könnte, sind schon im Umlauf.

Keine Einigkeit

Die Alpbacher Analystenrunde ist in puncto Zinsprognose nicht einig: Manche sehen die Europäer (EZB) schon im zweiten Halbjahr 2010 an der Schraube, die UniCredit erwartet höhere Zinsen in Europa erst 2011, in den USA eine Tendenz nach oben 2010.

Dollar-Pessimismus dominierte folglich auch in Alpbach. Ein Verhältnis 2:1 Euro zu Dollar wurde nicht ausgeschlossen. Im Mittelwert wird der Wechselkurs allerdings bei 1,4547, also seitwärts, bis Mitte 2010 angenommen. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.10.2009)

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    Die blauen Briefe aus Brüssel sind unterwegs, Dollarverfall treibt den Euro, und der Kontinent kommt nur langsam aus der Rezession. Jetzt geht es um "Exitstrategien".

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    grafik: der standard
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