Die Regierung der Malediven geht tauchen

12. Oktober 2009, 12:00
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Aufruf zur Reduzierung von Treibhausgasen im Rahmen einer Sitzung am Meeresboden

Male - Die Regierung der südasiatischen Malediven will auf eine besondere Art und Weise auf das Schicksal des steigenden Meeresspiegels aufmerksam machen. Das Kabinett wird gemeinsam mit dem Präsidenten Mohamed Nasheed am 17. Oktober eine Sitzung am Meeresboden abhalten und dort ein Dokument unterzeichnen, in dem zur Reduzierung der Treibhausgase aufgerufen wird. Auch wenn die ganze Aktion einen gewissen humoristischen Hintergrund habe, sei das Problem für den aus flachen Korallenatollen bestehenden Staat bitterer Ernst, meinte ein Regierungssprecher.

Der Regierungstauchgang soll, so die offizielle Angabe, den International Day of Climate Change Action, der von der Organisation 350.org ins Leben gerufen wurde, markieren. 350.org ist eine internationale Kampagne deren Hauptaugenmerk auf der Zahl 350 liegt. 350 ppm ist das Höchstmaß von CO2, das die Atmosphäre tragen kann. Für Inselstaaten wie die flachen Malediven würde ein Anstieg des Meeresspiegels fatale Folgen haben, denn die Atolle würden im Meer versinken. Bei der ersten Unterwasser-Regierungssitzung werden die Minister mit wasserfesten Tafeln und Handzeichen miteinander kommunizieren. "Die Erklärung den Klimaschutz ernst zu nehmen wird sich an alle Staaten der Welt richten, egal ob reich oder arm, egal ob hochentwickelt oder nicht", so die maledivische Regierung.

Bis auf ein einziges Regierungsmitglied, das aus medizinischen Gründen nicht tauchen darf, werden alle anderen zur Sitzung anwesend sein. Das gesamte Kabinett wurde von Militärtauchern ausgebildet. Präsident Nasheed selbst ist geübter Taucher und wird vor der Erklärung eine Unterwasser-Pressekonferenz geben. 80 Prozent der Inseln der Malediven liegen weniger als einen Meter über dem Meeresspiegel. Damit gehört die Nation zu den am stärksten gefährdeten Ländern der Welt. Wenn der Meeresspiegel tatsächlich steigt, werden sich die Malediver eine neue Heimat suchen müssen, hatte Präsident Nasheed bereits im Vorfeld angekündigt.

Hintergrund

Wie fragil die Malediven tatsächlich sind, hat der Endbericht des großen Tsunami vom 26. Dezember 2004 deutlich gemacht. Nach mehr als 700 Kilometern Weg trafen die eineinhalb bis vier Meter hohen Flutwellen gegen neun Uhr in der Früh die Inseln. Mehr als 1.300 Menschen erlitten Verletzungen. Insgesamt forderte der Tsunami 108 Menschenleben. Fast ein Drittel der insgesamt 300.000 Einwohner waren von dieser Naturkatastrophe schwer getroffen. 14 Inseln wurden komplett zerstört.

Das Inselreich der Malediven besteht aus insgesamt 20 Atollen mit rund 1.100 Inseln. Nur etwa 220 davon sind bewohnt. Rund 99 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Seit den 1970er Jahren boomen die Inseln als Traumreiseziel der Europäer. Von 1978 an regierte Maumoon Abdul Gayoom das Inselreich für fast 30 Jahre. Im Oktober 2008 wurde Nasheed zum Präsidenten gewählt und hat damit das autoritäre Regime seines Vorgängers beendet. (pte)

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    Training für den großen Tauchgang ...

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