Neues Österreich-Portal mit "archivarischem Charakter"

9. Oktober 2009, 14:32
9 Postings

"Austria-Forum": Kostenlose Internet-Enzyklopädie ist online

Wien/Graz - Eine neue kostenlose Internet-Enzyklopädie über Österreich steht seit Freitag im Netz: Das von einem Team der Technischen Universität (TU) Graz entwickelte "Austria-Forum" geht laut den Herausgebern über das Wikipedia-Angebot hinaus. Es soll dem Grazer Projektleiter Hermann Maurer zufolge eine bis dato noch nie dagewesene "Breite und Tiefe" an Informationen bieten, wie es am Freitag bei der Präsentation in Wien hieß.

Im Internet stehen unter http://austria-lexikon.at ab sofort das schon länger existierende Österreich-Lexikon "aeiou", eine Wissenssammlung sowie ein "von jedermann gestaltbarer" Community-Bereich zur Verfügung. Das Besondere an "Austria-Forum" liegt für den Mitherausgeber im Österreich-Bezug der Beiträge, zudem schließe man "Tagesaktualität aus, das überlassen wir anderen Medien". Es handle sich vielmehr um eine Sammlung von Lexika und ein Portal mit "archivarischem Charakter". Bisher umfasst die Enzyklopädie über 97.000 Beiträge in Form von Text (rund 36.000 Beiträge) und Anhängen wie Bilder, Filme und Audio-Samples.

"work in progress"

Dabei handelt es sich sowohl bei Inhalt als auch bei Funktion um "work in progress", so Maurer. Bis 2011, dem 200-Jahr-Jubiläum der TU Graz, soll die Website weiter wachsen. Das vorwiegend mit Mitteln der Universität umgesetzte Projekt - Bundesmittel flossen in den vergangenen Jahren laut dem Experten etwa 20.000 Euro pro Jahr und damit nur "minimales Steuergeld" - basiere auch auf der Arbeitskraft des Instituts für Informationssysteme und Computer Medien (IICM) und der ehrenamtlichen Mitarbeit des vierköpfigen Herausgeberteams und des derzeit rund 60 Personen umfassenden Editorials. Es wird auf weitere öffentliche Zuwendungen gehofft, das Land Steiermark hat bereits die finanzielle Unterstützung signalisiert. Der Betrieb von Austria-Forum sei jedenfalls bis 2017 gesichert.

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt für das Projekt war das 1996 ins Leben gerufene Universal-Lexikon "Annotierbare Elektronische Interaktive Österreichische Universallexikon" (aeiou), das ebenfalls von den Grazern entwickelt wurde. Es wurde in ergänzter und aktualisierter Form eingebaut. Der zweite Bereich, die Wissenssammlung, umfasst eine Reihe "Spezial-Lexika", darunter zu Biografien über berühmte Politiker, Dichter und Maler, zur Architektur und österreichischen Erfindern, zu Fauna und Flora, etc. Zu finden ist hier etwa auch das gesamte Werk des Wiener Malers Kurt Regschek, das von der Witwe zur Verfügung gestellt wurde, so Maurer. In einem dritten Bereich kann sich die "Community" und damit jeder Österreicher einbringen.

Mitherausgeber Peter Diem unterstrich den multimedialen Charakter des Angebots, die Mitherausgeberinnen Trautl Brandstaller und Helga Maria Wolf distanzierten sich von einer allzu nationalen Sichtweise auf das Projekt: Man könne vielmehr aus europäischer Sicht "die eigenen Kulturen und Konturen entdecken", so Wolf, die es in einer solchen Bandbreite bisher nicht gegeben hätte. "Je globaler die Welt wird, desto mehr sollten wir über unsere Kultur wissen", so Brandstaller. Austria-Forum solle auch ein "Beitrag zur Versachlichung des öffentlichen Diskurses in diesem Land" sein. (APA/red)

Share if you care.