Elternvertreter "fehlt Dialog mit Betroffenen"

9. Oktober 2009, 14:11
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Konferenz der European Parents' Association in Wien - Im vorschulischen Bereich Eltern überhaupt nicht eingebunden

Wien - In der Bildungspolitik werden Eltern in wichtigen Fragen zu wenig, im Bereich der vorschulischen Bildung gar nicht eingebunden, beklagt die European Parents Association (EPA), in der fast 50 Mitgliedsorganisationen die Anliegen von rund 150 Millionen Eltern in Europa vertreten. In der Bildungspolitik "fehlt der Dialog mit den Betroffenen", so der Vorsitzende Johannes Theiner am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich einer internationalen EPA-Tagung zum Thema Kindergarten in Wien.

Die EPA mahne seit Jahren ein, dass Eltern ein Anhörungs- und Stellungnahmerecht im vorschulischen Bereich bekommen sollen - bisher ohne Erfolg. "Die Betroffenen könnten viel an Visionen einbringen", so Theiner, der auch Vorsitzender der Wiener Elternvereine an mittleren und höheren Schulen ist. Derzeit hätten sie indes keinerlei Rechte sich einzubringen, obwohl gerade im Kindergarten der Kontakt zwischen dem System und den Eltern besonders eng sei und man dort daher "auch viel Potenzial hätte, um an Bildungsferne heranzukommen".

Lehrergewerkschaft "hat auch Visionen"

Es müsse ein Staatsinteresse sein, betonte Theiner, den Eltern einen Dialog mit dem Bildungssystem zu ermöglichen. Diese könnten immerhin durch ihre Erfahrungen und Visionen "Verbesserungen zum Bestpreis bringen". Als ein großes Problem für die österreichischen Kindergärten sieht Theiner das Fehlen einer hoheitlichen Struktur; durch die Zersplitterung auf verschiedene Ressorts sei keine konstante Entwicklung gewährleistet. Vor allem fehle eine "wertschätzende Bestandsaufnahme" der derzeitigen Ausbildung der Kindergartenpädagogen in den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip). Dort sei man prinzipiell von der Qualität der Ausbildung überzeugt, allerdings werde die frühe Entscheidung für den Beruf mit 14 Jahren in Frage gestellt.

Doch auch bei der Entwicklung von Reformen werden die Eltern aus Theiners Sicht derzeit nicht berücksichtigt: Bei der geplanten neuen Lehrerausbildung zeigte er sich "erstaunt, wie weit die Vorbereitungen schon sind, ohne mit den Betroffenen zu reden". Schließlich sollten in schulpolitischen Fragen alle Schulpartner - also Eltern, Schüler und Lehrer - eingebunden werden. Theiner verwehrt sich auch gegen die Darstellung der Lehrergewerkschaft als Blockierer, sie "hat auch Visionen", betonte er. Derzeit würden bei der geplanten Bildungsreform klare Zielvereinbarungen unter Einbindung der Schulpartner fehlen. Er forderte, die Ergebnisse der bisherigen Arbeiten auf den Tisch zu legen und gemeinsam mit den Schulpartnern weiterzuentwickeln. (APA)

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