Gelungener Auftakt der Berichtssaison

9. Oktober 2009, 14:10
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US-Börsen setzen ihre Hausse fort. Der S&P klettert 3,46 % auf 1.065 Punkte, der Dow steigt 2,92 % auf 9.787 und der breite Index der Nasdaq haussiert 3,23 % auf 2.123 Punkte. "Reflation" bleibt weiterhin das Gebot der Stunde, im Zuge dessen konnten Rohstofftitel, der Energiesektor sowie Financials klar outperformen. Der Zinsschritt der australischen Notenbank sorgte ebenfalls für zunehmenden Konjunktur-Optimismus.

Gold haussiert 5,5 % auf ein neues Allzeithoch von 1.056 USD / Unze. Drei Tage in Folge konnten neue Hochs markiert werden. Im Zuge dessen stiegen auch die Kupfer- und Ölnotierungen deutlich an. Die Meldung der britischen "Independent", wonach die Golfstaaten, China, Russland, Japan und Frankreich am Status des US-Dollars als Reservewährung kratzen, schickte die US-Währung auf Talfahrt. Der Dollarindex fiel auf 76 und dürfte nun bald die massive Unterstützung durchbrechen.

Alcoa machte den traditionellen Auftakt zur Berichtssaison und konnte (oberflächlich betrachtet) klar positiv überraschen. Nach drei aufeinanderfolgenden Verlustquartalen meldete man einen Nettogewinn von USD 77 Mio. bzw. 8 Cents/Aktie, der Konsens rechnete mit einem Verlust in Höhe von 7 Cents. CEO Kleinfeld machte in erster Linie die Erholung im Automobilsektor für das gute Zahlenwerk verantwortlich, was angesichts der auslaufenden Abwrackprämie in den USA und Europa jedoch ein Einmaleffekt bleiben dürfte.

Das IPO von Verisk Analytics verlief erfolgreich, mit USD 1,8 Mrd. war das der größte amerikanische Börsegang seit März 2008. Die Aktie kletterte am ersten Tag um 23 %. Zu den Verisk-Eignern zählten die angeschlagenen Versicherer AIG, Hartford Financial Services Group sowie die ACE Group. Warren Buffet ist übrigens der einzige Altaktionär der keine Anteilsscheine verkauft hat. Dass sich die wirtschaftliche Dynamik sukzessive verschiebt, erkennt man aber auch am Börsegang der Santander Brasil, der Rekorddimensionen erreicht hat. Insgesamt wurden Aktien im Wert von USD 8 Mrd. verkauft, dies bedeutet den größten Börsegang 2009 (vor der China State Construction Engineering Corp). Santander Brasil betreibt 2.000 Niederlassungen und ist somit die drittgrößte Privatbank in Brasilien.

Ciena kauft das Netzwerkgeschäft des insolventen kanadischen Telekomausrüsters Nortel Networks für USD 521 Mio. Der Ausverkauf des ehemaligen Telekom-Riesen geht somit weiter, nachdem die Enterprise-Solutions-Sparte zuvor an Avaya, und die Wireless-Sparte an Ericsson verkauft worden war. Nun plant man auch den Verkauf der GSM Sparte. Brocade Communications Systems profitierten von Übernahmespekulationen. Laut Wall Street Journal wolle sich der Datenspeicherausrüster nun selbst zum Verkauf anbieten. Hewlett Packard und Oracle werden als potenzielle Käufer genannt. GE dürfte den Fernsehsender NBC an Comcast verkaufen, GE-Chef Jeff Immelt spekuliert nun auch über einen Börsegang der Fernsehsparte, nachdem man sich preislich vorerst nicht einigen konnte.

Amazon profitierte vom Verkaufsstart des "Kindle" Lesegeräts in China und Europa. Dow Chemical verliert geringfügig, nachdem man bekanntgab, 2010 massiv in das Solarbusiness einsteigen zu wollen. Man wolle Dachschindeln verkaufen, die Sonnenlicht in Elektrizität umwandeln können. Liz Claiborne haussiert knapp 50 %, nachdem man eine exklusive Vertriebsvereinbarung mit der Kaufhauskette JC Penney abgeschlossen hat. Electronic Arts führt die Kurstafel an der Nasdaq an und klettert 11,8 %. Die Einführung von FIFA 10 markierte die erfolgreichste Einführung eines Sportspiels. Innerhalb einer Woche wurden 1,7 Mio. Titel verkauft.

In der nächsten Handelswoche geht die Berichtssaison in die heiße Phase über. Zahlen von Intel, Johnson& Johnson aber insb. der Finanzwerte JP Morgan, Morgan Stanley, Citigroup, Merrill Lynch und Bank of America werden mit Spannung erwartet. Auch die Einzelhandelsumsätze und der Uni Michigan-Index sollten für Impulse sorgen. Der aktuelle Bullenmarkt steht nach wie vor auf gesunden Beinen. Die Markbreite (76 % der Aktien über 50-Tage-Schnitt, 62 % über 20-Tage-Schnitt), die Volumensindikatoren, die nach wie vor neutralen Oszillatoren sowie das weiterhin bearishe Sentiment lassen jedenfalls weitere Kursavancen erwarten. Zudem spricht die Saisonalität ganz klar für eine weitere Fortsetzung des Bullenmarktes.

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