Angehörige können Schmerzen lindern oder verstärken

11. Oktober 2009, 10:52
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Besorgte, stark fürsorglich und ausschließlich physisch unterstützende Partner verstärken Schmerzverhaltensweisen

Berlin - Das Verhalten des Partners kann über den Zustand von Schmerzpatienten mit entscheiden: Soziale Unterstützung hilft im Kampf gegen den Schmerz, übermäßige Besorgnis oder auch Bestrafung verschlimmern aber die Situation, so Studienergebnisse, die beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin vorgestellt wurden. Wichtig sei auch die Einbindung des Partners in die Therapie: "Die Rolle des Partners ist lange vernachlässigt worden", sagte Rainer Sabatowski vom UniversitätsSchmerzCentrum Dresden. "Dabei gibt es ganz einfache Methoden, sie zu untersuchen und zu nutzen."

Familie hat mehr Einfluss als Therapeuten

Der Einfluss von Angehörigen auf das Schmerzverhalten ist erwiesen: Familiäre Normen prägen den Umgang mit einer Krankheit. In der Familie entstehen Gewohnheiten, die Gesundheit fördern oder aber behindern können. "Angehörige haben mit dem Patienten deutlich mehr zu tun als Ärzte und Therapeuten, weshalb ihr Einfluss auf das Bestehen des Schmerzes in der Regel stärker ist und oft trotz kurzfristiger Erfolge einer stationären oder teilstationären Therapie zur Rückkehr zum Ausgangszustand beiträgt", sagte Sabatowski. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Behandlung von Patienten in interdisziplinären Zentren erfolgreicher ist, je mehr sie von ihren Familien unterstützt wurden.

Negativ: stark fürsorglich und besorgt

Im Beisein besonders fürsorglicher Angehöriger zeigten sich die Schmerzpatienten jedoch häufig klagsamer und hatten stärkere funktionale Einschränkungen als ohne ihre Partner. "Besorgte, stark fürsorglich und ausschließlich physisch unterstützende Partner verstärken Schmerzverhaltensweisen in ungünstiger Weise und können Patienten vom Aufbau günstiger Verhaltensweisen abhalten", so das Fazit von Kati Thieme, Referentin auf dem Schmerzkongress.

Positiv: Soziale und emotionale Zuwendung

Positiv für die Therapie sei Zuwendung des Partners vor allem dann, wenn sie in sozialer und emotionaler Weise erfolgt. "Mehrere Studien zeigen, dass Patienten weniger depressiv sind und in Folge auch weniger Schmerzen verspüren, wenn sie in ihrem Leiden ausreichende soziale Unterstützung erfahren", erklärt Ulrike Kaiser, Therapeutin am Schmerzzentrum des Uniklinikums Dresden.

Analyse des Partnerverhaltens

In der Therapie chronischer Schmerzen wird der Analyse des Partnerverhaltens bisher wenig Beachtung geschenkt. Ziel des Symposiums beim Deutschen Schmerzkongress war es daher, das Bewusstsein für diese Aspekte in der Chronifizierung und Aufrechterhaltung bei chronischen Schmerzen zu fördern. Es wurden Studien vorgestellt, die zeigen, dass die Einbindung des Partners in den Behandlungsprozess durch den Abbau von übermäßig zuwendendem bzw. bestrafendem Partnerverhalten in Kombination mit dem Aufbau von gesundem Verhalten und aktiv verarbeitenden Gedanken zur Reduktion von Schmerzwahrnehmung führt. Außerdem stellen die Forscher Instrumente vor, mit denen in der Praxis schnell und unkompliziert Daten zum Partnerverhalten gesammelt werden könnten.

Körperlich aktiv bleiben

Den Schmerzpatienten empfiehlt die Kaiser, körperlich und sozial stets aktiv zu bleiben. "Man sollte daher lernen, sich der eingeschränkten Leistungsfähigkeit anzupassen, jedoch nach Möglichkeit weiter arbeiten, sich um die Kinder kümmern, Kulturveranstaltungen besuchen oder eben die persönlichen Lebensziele weiter verfolgen." Die Hilfe von Partner und Angehörigen sollte sich im Alltag darauf konzentrieren, diese Aktivität zu unterstützen. Gleichzeitig sei es jedoch wichtig, Grenzen zu akzeptieren, die der Schmerz mit sich bringt. "Auch bei Überforderung droht die Chronifizierung." Sehr sinnvoll sei es, in der Therapie von bei chronischen Schmerzen auch die Angehörigen zu berücksichtigen. (red/pte)

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    Familiäre Normen prägen den Umgang mit einer Krankheit. Angehörige von Patienten haben größeren Einfluss auf das Bestehen des Schmerzes als Ärzte und Therapeuten

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