Grüne befürchten Kahlschlag bei Nebenbahnen

9. Oktober 2009, 13:53
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Landesrat-Büro: Angebliche "Geheimakte" existiert nicht - Landesparteien starten Aktionen gegen Fahrplan-Ausdünnung

St. Pölten - In einer "Geheimakte" der niederösterreichischen Volkspartei werde die Stilllegung aller Nebenbahnen in Niederösterreich angeregt - dies behaupteten die Grünen am Freitag. Diese Akte solle im Büro von Verkehrslandesrat Johann Heuras (ÖVP) existieren, teilte die Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger mit, was das Büro des Landesrats umgehend dementierte. Hinsichtlich der Nebenbahnen in NÖ werde "konstruktiv mit den ÖBB verhandelt", hieß es dazu lapidar.

Enzinger zufolge stammt die Information "aus dem engsten Vertrautenkreis" des Landesrates. Die Stilllegung der Ybbstalbahn sei demnach "nur der Anfang vom Ende aller Nebenbahnen in Niederösterreich", u.a. auch der Mariazellerbahn, mutmaßte die Verkehrssprecherin der Grünen. "Busse sollen die Züge ersetzen."

"Panikmache"

VP-NÖ-Verkehrssprecher Karl Wilfing warf den Grünen vor, "Panikmache" zu betreiben und die Bevölkerung zu verunsichern. Auch er verwies auf "Verhandlungen mit den ÖBB, die laufend geführt werden". Solange verhandelt werde, gebe es keine Entscheidungen.

Heuras teilte am Freitag mit, dass das Land die Waldviertler Schmalspurbahnen als "wichtige touristische Einrichtungen" mit knapp 100.000 Euro fördere. Die Strecken Gmünd - Litschau und Gmünd - Groß Gerungs stehen im Eigentum der ÖBB, werden im Sommerhalbjahr touristisch betrieben und zählten zuletzt etwa 25.000 Fahrgäste pro Saison. Das Land trage mit einem Fünftel zur Erhaltung dieser "wichtigen Infrastruktur" bei, so der Landesrat. Die Waldviertler Schmalspurbahnen würden einen spürbaren Beitrag zur Belebung des regionalen Tourismus leisten.

Proteste gegen Fahrplanausdünnungen

Die Klubobmänner der ÖVP-Landtagsklubs Wien, Niederösterreich und Burgenland, Matthias Tschirf, Klaus Schneeberger und Rudolf Strommer, kritisierten am Freitag, dass die Ostregion "von der Fahrplanausdünnung bei den ÖBB (ab 13. Dezember, Anm.) massiv betroffen" sei, und forderten Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) dazu auf, energisch gegen diese Pläne einzuschreiten.

Auch die Wiener Grünen haben am Freitag mit einem Pfeifkonzert vor dem Infrastrukturministerium am Stubenring gegen die angekündigten Fahrplan-Kürzungen protestiert. "In Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit muss es darum gehen, leistungsfähige und bequeme Alternativen zum Auto zu schaffen. Kürzungen und Einschränkungen sind da sicher nicht der richtige Weg. Wir wollen die österreichische Verkehrpolitik wieder zurück auf die Schiene bringen", so die Klubobfrau der Grünen Wien, Maria Vassilakou. (APA/red)

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