Legasthenie

Lechts odre rinks

11. Oktober 2009 20:54
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    Foto: berwis/pixelio

    Legastheniker tun sich schwer, Silben zu Worten zu machen.

Vorläufer einer Legasthenie können sich schon bei Kleinkindern bemerkbar machen - Für gezielte Förderung in Kindergärten und Schulen braucht es speziell geschulte Fachkräfte

"Ich bin 51 Jahre , weiblich, schwirigkeiten mit dem schreiben 1Klasse. Buchstaben sind nicht im Gedächnis gebliben": Das ist ein Eintrag im Forum des Berufsverbands akademischer Lese- und Rechtschreibung-Störungs-Therapeutinnen (BALT). Legasthenie, die Lese-Rechtschreib-Störung (LRS), ist ein Problem, das Menschen ein Leben lang begleitet. Die Entwicklungsstörung ist nicht heilbar, aber zu bewältigen, wie der letzte Satz der Forum-Nutzerin zeigt: "Ich habe es trotztem geschaft 3 Berufe zu erlernen."

Schon im Kindergarten könnte man präventiv arbeiten und viel Leid ersparen, so Karl Beinstein. Der Wiener Sozialpädagoge und seine Frau Margareta Beinstein, eine Kindergartenpädagogin, haben vor neun Jahren ein privates Förderinstitut gegründet, das Eltern auch Material zum Heimtraining anbietet. Auslöser war die Legasthenie einer ihrer Töchter.

"Legasthene Kinder sind, ähnlich hyperaktiven Kindern, sehr reizoffen, sehr ablenkbar", weiß Karl Beinstein. Neben der professionellen Hilfe bei Seh- und Hörverarbeitung brauchen sie Verständnis, Einfühlungsvermögen der Eltern und gezielte pädagogische Förderung. Beinstein: "Wenn einem Kind nicht geholfen wird, entstehen Sekundärprobleme. Die Kinder beginnen zu verweigern, verlieren die Lust am Lernen. Die Folgen sind Verhaltensauffälligkeiten, Schulangst, Burnout." Die Kinder landen, so Beinstein, "bei der Schulpsychologie, in der Familientherapie". Die Psychotherapie greife zu kurz, "weil die Wurzel des Problems ja die Legasthenie ist".

Frühe Förderung

Erste Anzeichen für eine mögliche spätere Lern-Rechtschreib-Störung lassen sich früh beobachten. Carola Neuhauser, akademisch geprüfte LRS-Therapeutin im oberösterreichischen St. Ulrich: "Probleme mit den Vorläuferfertigkeiten der Schriftsprache können sich schon im Kindergarten zeigen. Worauf man achten muss, ist die Ausprägung der phonologischen Bewusstheit, die Pädagoginnen durch evaluierte Verfahren überprüfen können." Dieser Fachterminus umschreibt die Fähigkeit, die Lautstruktur der Sprache zu erfassen, Worte in Laute zu zerlegen, aus einzelnen Lauten ein Wort zu bilden. Neuhauser: "Im Kindergarten fördert man diese Fähigkeit mit Reimen, Liedern, Silbenklatschen und Sprachspielen." Findet das ein Kind öd, will nicht mitmachen, können das Frühsymptome sein.

"Seriöserweise" könne eine Legasthenie aber erst im zweiten Schuljahr von klinischen Psychologen diagnostiziert werden, sagt die Erziehungswissenschafterin. "Das Schulgesetz gewährt den Kindern ja auch zwei bis drei Jahre zum Erlernen der Schriftsprache. Mit Mitte bis Ende der zweiten Klasse sollten alle Kinder dann auf dem gleichen Level sein." Eltern sollten aber, so Neuhauser, "wenn sie Schwächen bemerken, ihr Kind so früh wie möglich prüfen lassen". Gezielt fördern könne man bereits in der ersten Klasse.

Sich im Dschungel der Fördermöglichkeiten zurechtzufinden ist für Eltern nicht einfach. In Österreich fehlen Qualitätsstandards für Therapeuten-Ausbildung, Therapien und Trainings. Carola Neuhauser rät Eltern, sich genau über die Ausbildung der Therapeutin, des Therapeuten zu informieren: "Therapeutinnen sollen den Eltern genau erklären, welches Ziel sie für das Kind haben, mit welchen Methoden sie auf dieses Ziel hinarbeiten." Ob Heimtraining sinnvoll ist, müsse individuell abgeklärt werden. "Ab einem gewissen Schweregrad" reiche häusliches Üben nicht aus. "Da braucht es fachliche Unterstützung mit einem symptomorientierten und heilpädagogischen Ansatz", sagt LRS-Therapeutin Neuhauser.

Kampf um Zuständigkeit

Die fachliche Kompetenz der Lehrenden ist noch ausbaufähig. Angelika Pointner, Obfrau von BALT, wünscht sich "zielgerichtete Ausbildung an den pädagogischen Hochschulen". Ziel des Berufsverbandes ist die Qualitätssicherung in der LRS-Therapie, die Zertifizierung von Ausbildungen wie in Deutschland. Pointner: "Die bürokratischen Hürden sind hoch, kein Ministerium fühlt sich dafür zuständig." Wesentliche Kriterien für Verbandstherapeutinnen sind: pädagogische oder psychologische Grundausbildung, die Absolvierung wissenschaftlich orientierter Ausbildungen und ein symptomorientierter Behandlungsansatz, basierend auf wissenschaftlich fundierten Fördermethoden.

Die genauen Ursachen der Legasthenie kennt man noch nicht. Ein deutsches Forschungsteam unter der Leitung des Münchner Kinder- und Jugendpsychiaters Gerd Schulte-Körne hat nun ein Gen entdeckt, das an der Entstehung von Legasthenie beteiligt sein könnte. Das Gen SLC2A3 steuert die Regulation eines Glukosetransporters im Gehirn. Schulte-Körne: "Wenn die Funktion dieses Gens beeinträchtigt ist, so finden wir auch im Gehirn eine schwächere Reaktion der Nervenzellen bei der Sprachverarbeitung." Was könnte die Erkenntnis für die Praxis bedeuten? Neuhauser: "Vielleicht wird das Thema dann in den Schulen und Krankenkassen ernster genommen. Noch wird Legasthenie nicht als das schwer wiegende Störungsbild gesehen, das es in Wirklichkeit ist." (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 12.10.2009)

Mary60
17.10.2009 00:13

Ein großes Problem sind die Stresssituationen, die betroffene Kids in der Schule oft erleben. Auch wenn es keine "Heilung" gibt, kann man dank gezielter und länger dauernder Trainings die Symptome sehr gut fortschaffen. Und das braucht Zeit (Geld). Günstiger, aber dafür zeitraubender ist es, wenn sich die Eltern die Zeit zum Üben nehmen.

A. Sieberer
12.10.2009 20:34

Sie lasen eine Werbeeinschaltung der LRS-Therapeuten (es gab doch noch eine Zeit, in der der Titel Therapeut den anerkannten Gesundheitsberufen vorbehalten war!)

pacatianus
 
12.10.2009 18:58
Legasthenie ist nicht behandelbar..

Die Ursache der Legasthenie ist eine signifikant andere Signalverarbeitung beim Lesen als bei nicht Legasthenen. (Sally Shaywitz in "Proceedings of National Academy of Sciences") Es gibt keine Therapie die daran irgend etwas ändert. Der Großteil dieser Angebote ist reine Scharlatanerie und Zeitvergeudung. Allerdings gibt es Schulgesetze, die diesen Kindern längere Bearbeitungszeiten beim Lesen, bei Schularbeiten etc. zugestehen. Auch die Rechtschreibung darf nicht benotet werden. Die meisten Lehrer haben aber keine Ahnung - weder von der Gesetzeslage noch von Legastehenie. Wenn die Eltern nicht Druck machen, geschieht nichts dergleichen.

Clemens Schwarz
14.10.2009 19:16
aber die Lernstörung, die daraus resultiert. Rechtscheibung und Lesen ist erlernbar.

Bitte weiter unten lesen.

A. Sieberer
13.10.2009 07:48

Welchse Gesetzeslage? Der Legasthenieerlass?

Auch bei mehrmaligem Durchlesen finde ich da nichts von gesetzlich verbindlich mehr Zeit oder davon, dass Rechtschreibung nicht benotet werden darf, was ja reichlich unfair wäre (den nicht klar diagnostizierten Kindern oder rechtschreibschwachen Kindern gegenüber).
Da steht nur etwas, dass die bestehenden für alle Kinder geltenden Gesetze auch auf legasthene Kinder angewandt werden müssen, was z.B. heißt , dass bei einer Schularbeit die Rechtschreibung nur als ein Teil der Leistung beurteilt werden kann und nie der einzige Grundfür ein "nicht genügend " sein kann.

pacatianus
 
13.10.2009 12:22
Legasthenie

http://www.schulpsychologie.at/lernen-le... schwaeche/
natürlich muß diese Lese- Rechtschreibschwäche von Fachleuten und nicht von selbsternannten Therapeuten festgestellt werden. In Oberösterreich macht das das Institut für Sinnesneurologie am KH der barmh. Brüder in Linz. Wie die anderen Bundesländer das halten weiß ich nicht, läßt sich aber beim Landesschulrat bzw in Wien Stadtschulrat erfragen.

Clemens Schwarz
12.10.2009 13:43
Es gibt da eine sehr interessante Studie, die generell zu denken geben sollte.

Dabei geht es um die Lesekompetenz:
Man beobachtete Kinder in der Grundschule während der zeit des Leseerwerbs und verglich den Umfang der Lesezeit von kompetenten und nicht kompetenten Leser.
Das Ergebnis: die kompetenten Leser lasen 2,5 x mehr wie die nicht kompetenten.
Wenden sie die Lerngesetze an und sie haben ein anders Ergebnis. 30% von Leseschwäche ist auf die Legasthenie zurückzuführen 70% auf eine Lernstörung. verbessern sie die Fähigkeiten im Unterricht konsequent die Lerngesetze, die schon in den 70% bekannt waren. Also "back to the roots" und die Grundlagen lernen. Ist ist schon viel Wissen da, aber es ist auch notwendig es richtig anzuwenden. Schule ist ein Haus des Lernens und schließt auch die Lehrer mit ein.

pacatianus
 
15.10.2009 01:03

dacor, man kann einiges lernen, aber nicht alles und es hängt sicher mit der Methodik zusammen oder mit der Sprache (in China ist Legasthenie unbekannt)
Mein 2o jähriger Sohn kann nicht Rechtschreiben und er wirds auch nicht mehr lernen, aber er studiert technische Physik und ist dabei erfolgreich

chronowerxs9975
 
13.10.2009 12:53

Ich bin Legastheniker und hatte das Glück, dass meine Volksschullehrerin darauf aufmerksam wurde. Daraufhin machte ich ein Jahr lange eine wöchentliche Therapie. Da ich in Englisch schriftlich mit Sehr Gut maturiert habe, trotz gleicher Benotung, und mittlerweile studiere kann ich behaupten, dass eine Therapie sinnvoll ist.

Von anderen Klassenkameraden aus der BHS, die nicht das Glück einer frühen Therapie hatten, weis ich, dass Lehrer Legathenikern die ein ärtzliches Attest haben und beiweisen das sie regelmäßig Übungen machen milder in Punkto Rechtschreibung benoten müssen.

Ich brauchte zu diesem Zeitpunkt keine mildere Benotung mehr. Allerdings muss ich Texte noch immer 3 mal durchlesen um meine Fehler zu finden.

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