14 Verletzte bei schwerem Zugunglück in Wien

10. Oktober 2009, 15:31
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Schnellbahngarnitur entgleiste nach Aufprall auf einen Güterzug, Fernverkehr auch am Wochenende betroffen - Ursache: Technischer Fehler

Wien - Waren es in den vergangenen Wochen die Verspätungen und technischen Mängel, die die Benutzer der Wiener Schnellbahn getroffen haben, wurde es am Freitagmittag wirklich ernst. Bei einem schweren Zugunglück wurden 14 Menschen verletzt, darunter auch einer der Lokführer, der mit dem Rettungshubschrauber ins Spital geflogen werden musste.

Technischer Fehler für Zusammenstoß verantwortlich

Der Grund des Zusammenstoß einer Schnellbahn mit einem Oberbauzug am Matzleinsdorfer Platz in Wien-Margareten am Freitag dürfte ein technischer Fehler gewesen sein. Eine Isolierstelle, die meldet, ob das Gleis frei ist, dürfte an der falschen Stelle positioniert gewesen sein. Dadurch wurde die Meldung "Gleis frei" an die Weiche gegeben, obwohl dies gar nicht der Fall war. Warum diese Isolierstelle an der falschen Position war, wird vonseiten der Österreichischen Bundesbahnen noch untersucht, teilte eine Sprecherin der ÖBB mit.

Der Fehler dürfte bei vorherigen Bauarbeiten entstanden sein. Wenn alle Fakten geklärt sind, werden die ÖBB ein endgültiges Ursachenergebnisse bekanntgeben.

Am Freitag gegen 12.15 Uhr, nahe der Haltestelle Wien-Matzleinsdorferplatz im Gemeindebezirk Margareten: Der S-Bahn-Zug Nummer 26471 ist auf dem Weg Richtung Wiener Neustadt. Plötzlich ist ein Bauwagon im Weg - der Zusammenstoß kann nicht verhindert werden.

Die tonnenschwere Schnellbahn quetscht den Führerstand des sogenannten Oberbauzuges zusammen, der 44-jährige Lokführer des Güterzuges dürfte ein Schädel-Hirntrauma erlitten haben und musste ins Lorenz-Böhler-Krankenhaus gebracht werden. Zum Unfallhergang konnte er daher noch nicht befragt werden.

Der erste Wagon des Personenzuges wurde durch die Wucht des Aufpralls aus dem Gleis gehoben, Passagiere wurden durch den Wagen geworfen. Schwere Verletzungen blieben zum Glück aus: 13 Fahrgäste wurden mittelschwer bis leicht verletzt und an Ort und Stelle behandelt beziehungsweise mit der Rettung in Krankenhäuser gebracht.

Warum es zu dem Unglück kam, ist noch völlig unklar. Freitagnachmittag gingen die Ermittlungen und Begutachtungen der Polizei an der Unfallstelle weiter. "Die Züge sind noch nicht entfernt. Voraussichtlich wird dieser Südbahn-Streckenabschnitt noch das ganze Wochenende gesperrt bleiben", sagte ÖBB-Sprecherin Alexandra Kastner.

Die Auswirkungen des Unfalls auf den Nahverkehr waren weniger dramatisch, da die so genannte S-Bahn-Stammstrecke relativ rasch wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte. Wer mit der Bahn allerdings weiter fahren will, für den wird es möglicherweise das ganze Wochenende kompliziert:

Richtung Kärnten fahren die Züge ab Wien-Süd/Ost-Bahnhof, wo sie auch ankommen. Am Samstag und Sonntag entfällt auf der Strecke Wien-Villach die Autobeförderung.

Richtung Graz fahren die Züge nur ab, beziehungsweise bis Wien-Meidling, man kommt mit der S-Bahn weiter zum Südbahnhof.

Richtung Osten gibt es Probleme, wenn es sich um Züge handelt, die vom Westbahnhof Richtung Budapest und Bratislava fahren. Die halten nicht in Wien-Meidling, man muss mit der U6 zum Westbahnhof fahren. Die Züge sollen dafür mit 15 Minuten Verspätung fahren, um das Umsteigen zu ermöglichen.

Für die Bundesbahnen ist es nicht der erste schwere Unfall in Wien in den vergangenen Jahren. Der schwerste ereignete sich im November 1991 nahe der Haltestelle Süßenbrunn an der Wiener Stadtgrenze. In den Crash sind drei Schnellbahngarnituren in einen Unfall verwickelt. Vier Menschen sterben, 30 erleiden teilweise schwere Verletzungen.

Die meisten beteiligten Opfer gab es im August 1981: Aufgrund menschlichen Versagens fährt ein Pendlerzug im Südbahnhof fast ungebremst auf einen Prellbock . Drei Menschen sterben, 140 werden verletzt. (APA, red, DER STANDARD Printausgabe, 10./11.10.2009)

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    Der erste Wagon der S-Bahn Richtung Wiener Neustadt wurde am Matzleinsdorfer Platz aus den Gleisen gehoben.

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