Kurzarbeit bei Prada

9. Oktober 2009, 13:10
1 Posting

Versace zieht sich aus Japan zurück - Mariella Burani weiterhin unter Druck

Rom - Die Krise belastet auch die klangvollsten Namen der italienischen Modeindustrie. Das Mailänder Modehaus Prada schickt 250 Personen in Kurzarbeit. Die Maßnahme betrifft ein toskanisches Schuh- und Taschen-Produktionswerk in dem 3.000 Personen beschäftigt sind. "Wegen des Nachfragerückgangs haben wir vorübergehend 250 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, doch Prada steckt nicht in der Krise", erklärte ein Firmensprecher nach Medienangaben vom Freitag.

Auch Maison Versace muss Maßnahmen gegen die Rezession ergreifen. Das Unternehmen kündigte seinen Rückzug aus Japan an, in dem Versace seit 28 Jahren präsent war. Die Maßnahme wurde wegen des starken Konsumrückgangs im asiatischen Land ergriffen. Im Juli hatte der Konzern schon drei der vier Versace-Boutiquen in Japan geschlossen.

Schwierig ist die Lage auch bei der italienischen Modegruppe IT Holding, die seit dem vergangenen Frühjahr unter Insolvenzverwaltung steht. 250 Mitarbeiter wurden auf Kurzarbeit gestellt. Weitere 250 Jobs sollen im Unternehmen gestrichen werden, zu dem die namhaften Brands Gianfranco Ferre und Malo gehören. Unter Druck ist auch der italienische Brillenproduzent Safilo geraten. Drei Produktionswerke in Friaul und Veneto wurden geschlossen, 750 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Firmen unter Druck

Um seine Zukunft kämpft auch das Modehaus Mariella Burani, Eigentümer der österreichischen Don-Gil-Kette. Das Management des mit insgesamt 478 Mio. Euro verschuldeten Unternehmens stellte dieser Tage den Gläubigerbanken den Rettungsplan für das Modehaus vor. Darin sind eine Kapitalaufstockung sowie Veräußerungen von Assets im Wert von 60 Mio. Euro vorgesehen. Die Banken wollen sich Zeit nehmen, um über den Einstieg in die Gesellschaft zu entscheiden. Das verschuldete Unternehmen ist arg unter Druck geraten, nachdem im ersten Halbjahr Verluste von 142 Mio. Euro angefallen sind. Die Unternehmerfamilie Burani hält einen 74,5-prozentigen Anteil an der Firma, die bis September an der Mailänder Börse notiert war.

Laut einer Gewerkschaftsstudie haben 28 italienische Mode- und Textilunternehmen dieses Jahr geschlossen, 749 stecken in einer tiefen Krise. 29.000 Personen sind in Kurzarbeit. Italiens Modebranche fordert von der Regierung Berlusconi staatliche Hilfsmaßnahmen gegen die Krise. "Die Lage ist sehr schwierig, doch bisher sind nur schwache Maßnahmen ergriffen worden", sagte Mario Boselli, Präsident des Verbands der italienischen Modeindustrie.

"Die Mode- und Textilbranche verdient mehr Aufmerksamkeit. Sie leidet an einer strukturellen Schwäche, weil sie mehrheitlich aus Klein- und Mittelbetrieben besteht. Der Ausweg aus der Krise werde noch dauern. Wir können mit keinen Wundern rechnen. Für eine Besserung der Lage müssen wir auf das nächste Jahr warten", sagte Boselli. Dabei mache Italien 25 Prozent der europäischen Modebranche aus. Der Sektor beschäftige eine halbe Million Personen und generiere einen Umsatz von 54 Mrd. Euro. (APA)

Share if you care.