Über 7.000 Jugendliche auf Lehrstellen-Suche

9. Oktober 2009, 12:21
19 Postings

4.234 offene Stellen waren per Ende September gemeldet- Angebot verringerte sich in der Krise drastisch

Wien - "Die Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei - wir sehen das genauso wie Nobelpreisträger Joseph Stiglitz", sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) heute, Freitag, vor Journalisten und bezog sich dabei auf die Krise auf dem Arbeitsmarkt. Besonders davon betroffen sind Jugendliche auf Lehrstellensuche. Die Zahl der offenen Stellen verringerte sich per Ende September 2009 gegenüber dem Vorjahresstichtag um 14,5 Prozent auf 4.234. Gleichzeitig befinden sich derzeit 7.407 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Nur für etwas mehr als die Hälfte gibt es eine Stelle auf dem klassischen Arbeitsmarkt; rund 43 Prozent gehen leer aus - rein rechnerisch, de facto sind es mehr: Denn dabei noch nicht berücksichtigt sind die Berufswünsche beziehungsweise der Wohnort des Auszubildenden. Der Standort der offenen Stellen deckt sich nicht immer mit dem Lebensmittelpunkt der Jugendlichen.

Jetzt, in der Krise, hat sich die Situation verschärft: Die Gesamtzahl der Lehrlinge ist per Ende September um 1,9 Prozent auf 129.322 zurückgegangen. Doch vor allem bei Neuaufnahmen sind die Unternehmen zögerlich: Die Zahl der Lehranfänger brach in den vergangenen zwölf Monaten um 8,6 Prozent auf 37.305 ein.

Das Wirtschafts- und das Sozialministerium versuchen hier gegenzusteuern. Zum einen bieten sie allen Jugendlichen bis 18 Jahren, die keine Lehrstelle gefunden haben, eine Art Ausbildungsgarantie in staatlichen Lehrwerkstätten, wo über 100 Lehrberufe erlernt werden können. Für das Ausbildungsjahr 2009/10 sind dort laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) insgesamt 12.300 Plätze vorgesehen - mehr als die Hälfte davon (6.475) ist noch frei, für den einzelnen Suchenden allerdings wiederum oft am falschen Ort oder in der falschen Branche. Lehrlinge leben meist bei den Eltern, da sie sich noch keine eigene Miete leisten können.

"Reine Makulatur, eine Beruhigung"

Die staatlich eingerichteten Lehrwerkstätten sind umstritten: Sie lösten das Problem nicht und seien "reine Makulatur, eine Beruhigung", sagte etwa der ehemalige Lehrlingsbeauftragte der Regierung, Egon Blum, vor wenigen Tagen im ORF-Hörfunk. Es gebe zwar einige gute Lehrwerkstätten, vor allem in Wien. Aber auf das ganze Land gesehen reiche das nicht."Es funktioniert auch deshalb nicht, weil wir 250 Berufe haben." Und eine Lehrwerkstätte könne in Wien oder in der Steiermark 30 Berufe abdecken, im ländlichen Bereich aber höchstens fünf oder zehn.

Das Sozialministerium versucht aber auch, die regionale Mobilität mit finanzieller Unterstützung zu fördern. Die Aufnahme einer Lehrstelle außerhalb der eigenen Region wird beispielsweise mit einem teilweisen Kostenersatz für Fahrten und Unterkunft am Arbeitsort mit bis zu 264 Euro monatlich gefördert.

Die staatlichen Mittel, welche die Dramatik für die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt abfedern sollen, werden 2010 etwas aufgestockt. Für die Förderungen an Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, sind heuer rund 87,2 Mio. Euro vorgesehen. Insgesamt umfasst der Fördertopf (inklusive AMS-Mittel) 234 Mio. Euro - im kommenden Jahr sollen es 250 Mio. Euro sein.

Kommende Woche, am 13. Oktober, veranstaltet das Wirtschaftsministerium im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) den "Tag der Lehre", der als Info-Plattform für Lehrstelleninteressierte dient. (APA)

Share if you care.