So fährt sich das Elektroauto Reva NXR

9. Oktober 2009, 16:34
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Der indische Hersteller Reva lädt zur Probefahrt eines Vorserienfahrzeugs und nennt technische Daten, Produktionstermine und die Verkaufpreise

Nur das Armaturenbrett wird bis zur Serienproduktion, die Anfang 2010 für den Heimmarkt und wenige Monate später für Europa beginnen soll, noch geändert werden, klärt mich der Herr vom Reva-Werk im indischen Bangalore auf. Sonst entspricht das Fahrzeug, in dem wir sitzen, ganz jenem Modell, das der österreichische Importeur Comtex Green ab Juli des kommenden Jahres hierzulande verkaufen wird.

Die flächendeckende Elektromobilität verlässt den Bereich grauer Theorie und wird anhand des Reva NXR greifbar. Obwohl saubereautos.at in den letzten Monaten mehrere Möglichkeiten hatte, Elektroautos zu fahren, handelte es sich bisher ausnahmslos um Versuchsfahrzeuge und Prototypen - so nah dran an einem Serienmodell wie beim indischen Kleinwagen waren wir noch nie.

Was als wagemutiger Schritt erscheinen mag, ist bei näherem Hinsehen gar nicht so kühn: Obwohl der Name Reva sogar zahlreichen Autokennern wenig sagt, handelt es sich bei dieser Marke um einen ganz Großen auf dem Gebiet der Elektromobilität.

Über 3.000 Exemplare der Vorgängermodelle hat man verkauft und das ist in diesem Segment eine beeindruckende Zahl. Mit dem NXR will man nun zum entscheidenden Schlag ausholen und das Interesse, das um diese Antriebsart im Entstehen ist, bestmöglich nützen. Und das bedeutet eine moderne, gefällige Karosserie, aktuelle Technik (Lithium-Ionen-Akkus) und echte Alltagstauglichkeit (Reichweite 160 Kilometer).

Fesch ist er, der Reva NXR. Die betonten Radläufe und die Leichtmetallfelgen verleihen ihm sogar eine gewisse sportliche Note und entfernen ihn von einer nicht gewünschten Ähnlichkeit mit dem Segment der Mopedautos.

Klein ist er allerdings auch, obwohl das natürlich in der Natur der Sache liegt: Der 3,28 Meter lange NXR ist ganz eindeutig ein Auto für die Stadt, mit dem kurze Ausflüge in der Umgebung möglich sind.

Vier Erwachsene sollen bequem Platz finden, meine Erfahrungen in dieser Hinsicht beschränken sich auf den Platz hinter dem Lenkrad, der ausreichend dimensioniert war.

Der Drehknopf für den Fahrmodus wirkt noch etwas provisorisch (was sich bis zum Produktionsstart aber ändern soll). Ich schraube hilflos daran herum, bis mir der Reva-Mitarbeiter die richtige Einstellung zeigt.

Dann setzt sich der Elektro-Kleinwagen leise in Bewegung. Im Beschleunigungsverhalten entspricht der NXR mit seiner Leistung von 25 kW einem etwas stärkeren Benzinmodell, im Boost-Modus bietet der Elektromotor für kurze Strecken noch zusätzliche Kraft.

Abgesehen vom der deutlich geringeren Geräuschentwicklung fährt sich der E-Kleinwagen wie ein konventionell motorisierter Vertreter desselben Segments. Gewöhnungsbedürftig ist das Fehlen einer Servolenkung, was nur insofern mit dem Elektroantrieb zu tun hat, als sie mit ihrem Energiebedarf die Reichweite beeinträchtigen würde.

Ist der Reva NXR also eine praxistaugliche Alternative zum gewohnten Kleinwagen? Jein. Wer keine eigene Garage besitzt, wird sich mit dem Laden der Batterie schwer tun.

Das Netz an Stromtankstellen wird zwar ausgebaut, ist allerdings noch lange nicht mit der Infrastruktur an Benzin- und Dieselversorgungspunkten vergleichbar. Erschwerend hinzu kommt der Verkaufspreis (gilt für das komplette Fahrzeug inklusive Batterie), der bei 19.900,- Euro liegt.

Dieser Preis versteht sich jedoch beim Reva mit Blei-Akku-Technologie, die sowohl Leistung als auch Reichweite beschränkt. Wer den NXR mit einer Lithium-Ionen-Batterie bestellen will, muss 30.900,- Euro auslegen - eine stolze Summe für einen Kleinwagen. Laut Herstellerangaben entfällt allerdings die Hälfte davon auf den leistungsstarken Energiespeicher.

Die Anschaffungskosten könnten durch staatliche Förderungen auf ein massenkompatibles Maß gedrückt werden. Eine finanzielle Unterstützung ist auch dringend notwendig, um der Elektromobilität den Weg zu ebnen.

Anzudenken wären auch weitere Vergünstigungen für Elektroautobesitzer, wie eine kostenlose Benützung von Kurzparkzonen und Stadtautobahnen, die Einrichtung spezieller Parkplätze und eine Fahrerlaubnis für (wahrscheinlich auch hierzulande bald in Kraft tretende) Umweltzonen. Andererseits fällt der Preis neuer Technologien, sobald sie sich am Markt etabliert haben.

Zu den wahrscheinlich nicht allzu zahlreichen Privatkunden, die sich ein derart ausgeprägtes Umweltbewusstsein leisten können, müssten also Flottenbetreiber, Organisationen und Gemeinden hinzukommen, die sich als Pioniere auf diesem Gebiet erweisen und Vorbildwirkung übernehmen. Tourismusverbände, die sich der unverdorbenen Natur in ihrer Region rühmen, könnten den Gästen Elektrofahrzeuge zur Verfügung stellen, Leihwagenfirmen würden ihr Fahrzeugprogramm mit interessanten Modellen erweitern und gleichzeitig ihr Image aufpolieren.

Die Einführung der Elektromobilität benötigt das Zusammenwirken verschiedener Kräfte. Die Last kann ein Einzelner nicht tragen - auch wenn es sich dabei um einen ganz Großen auf diesem Gebiet handelt. (saubereAutos.at)

Die inhaltliche Verantwortung liegt beim Autor. Zur Verfügung gestellt von saubereAutos.at.

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