Palermo quasi heilig, Maradona noch nicht selig

11. Oktober 2009, 11:34
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Für Argentinien gibt es nach dem Sieg gegen Peru ein echtes Finale - Chile sichert sich das WM-Ticket

Buenos Aires - "Hält unser Herz das aus?" , fragte das Sportblatt Ole nach dem Drama im Sturm und Regen von Buenos Aires. Argentinien bewahrte sich am Samstag mit einem erst in letzter Sekunde fixierten 2:1 (0:0)-Heimsieg über das Tabellenschlusslicht Peru gute Chancen auf das Ticket für die WM in Südafrika. Am Mittwoch kann die Mannschaft von Diego Maradona jenseits des Rio de la Plata in Montevideo mit einem Punkt im direkten Duell gegen Uruguay den vierten Platz in der Südamerika-Qualifikation halten und also fixieren, sich damit wie schon Brasilien, Paraguay und zuletzt Chile aller Sorgen entledigen.

Der Fünfte muss dagegen eine Barrage gegen den Vierten der Nord- und Mittelamerika-Quali, derzeit Honduras, bestehen. Bei einer Pleite in Uruguay und einem gleichzeitigen Sieg von Ecuador bei den sorglosen Chilenen wären die Argentinier, die zweifachen Weltmeister, dagegen erstmals seit 1970 nur WM-Zuseher. Für die Nation völlig undenkbar.

Das Undenkbare schien am Samstag in den letzten Spielminuten ziemlich realistisch. Da egalisierte der Peruaner Hernán Rengifo die Führung der Argentinier, die Debütant Gonzalo Higuain kurz nach der Pause besorgt hatte. In der hektischen Nachspielzeit erlöste jedoch Martín Palermo mit seinem Tor aus abseitsverdächtiger Position das ganze Land und vor allem Coach Maradona. Der rutschte bäuchlings über den Rasen, herzte den Retter minutenlang. Kurz darauf folgte die Heiligsprechung des 35-jährigen Stürmers von den Boca Juniors. "Ja, ich habe geglaubt, dass wir ausgeschieden sind" , gestand Maradona. "Aber ich habe auf Palermo vergessen, den heiligen Palermo. Er hat uns ein weiteres Leben geschenkt."

Ausgerechnet Palermo! Ende des verwichenen Jahrtausends hatte der Mann aus La Plata als eines der größten fußballerischen Versprechen seines Landes gegolten. 1998 war er Südamerikas Spieler des Jahres. Bei der Copa America 1999 in Paraguay netzte Palermo im ersten Gruppenspiel gegen Ecuador zweimal, um in der zweiten Partie gegen Kolumbien zum Gespött eines ganzen Kontinents zu werden. Palermo vergab beim 0:3 innert 90 Minuten drei Elfmeter, was ihm nebenbei einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde bescherte. Argentinien scheiterte schließlich im Viertelfinale gegen Brasilien, Palermos Teamkarriere war vorerst beendet.

Heimkehr und Genesung

Es folgten verpatzte Engagements in Spanien und Verletzungen. Darunter ein Schien- und Wadenbeinbruch, den er sich in Villarreal beim Torjubel zugezogen hatte. Im Sommer 2004 kehrte Palermo nach Argentinien zurück, um hinfort wieder ein brandgefährlicher Stürmer zu sein. Nach zehnjähriger Abwesenheit ermögliche Maradona ihm auch das Comeback im Team, Palermo dankte am 30. September mit zwei Treffern in einem Test gegen Ghana. "Während meiner Karriere sind mir einige Dinge passiert, doch es scheint immer besser zu werden" , sagte der Stürmer der Boca Juniors nach dem Tor gegen Peru.

Feiern in Chile

Die chilenische Fußballnationalmannschaft ist zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei. Mit einem 4:2 (2:1)-Sieg über Kolumbien sicherte sich die Mannschaft von Trainer Marcelo Bielsa am Samstag das Ticket für die WM 2010 in Südafrika. Die Treffer für die Chilenen erzielten Waldo Ponce (35.), Humberto Suazo (36.), Jorge Valdivia (72.) und Fabian Orellana (79.).

Vor heimischer Kulisse in Medellin waren die Kolumbianer in der 13. Minute zunächst durch ein Eigentor des chilenischen Mittelfeldspielers Arturo Vidal, der sein Geld in der deutschen Bundesliga bei Bayer Leverkusen verdient, in Führung gegangen. David Ferreira hatte in der 63. Minute zeitweise ausgeglichen. Mit 30 Punkten steht Chile nach dem Sieg uneinholbar auf dem dritten Tabellenplatz, hinter den ebenfalls bereits qualifizierten Mannschaften aus Brasilien und Paraguay.

Uruguay rückt nach einem 2:1 (0:0)-Auswärtssieg gegen Ecuador auf den fünften Tabellenplatz vor, der zur Relegation berechtigt. Mit einem Schlussrunden-Sieg in Chile würde Ecuador Uruguay oder Argentinien noch überholen können. Eine Direktqualifikation erscheint schon wegen der Tordifferenz unwahrscheinlich.

Venezuela verlor vor heimischem Publikum mit 1:2 (0:0) gegen das bereits qualifizierte Paraguay und muss jede Hoffnung auf eine direkte WM-Qualifikation begraben. (sid, lü, DER STANDAR Printausgabe 12.10.2009)
APA/red)

Programm der 18. und letzte Runde:

Peru - Bolivien (Mittwoch, Lima, 22.00 Uhr MESZ)

Paraguay - Kolumbien (Mittwoch, Asuncion, 24.00 Uhr MESZ)

Brasilien - Venezuela (Mittwoch, Campo Grande, 23.00 Uhr MESZ/live Sky)

Chile - Ecuador (Donnerstag, Santiago, 01.00 Uhr MESZ)

Uruguay - Argentinien (Donnerstag, Montevideo, 01.00 Uhr MESZ/live Sky)

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