Leistungsbilanz mit weniger Überschuss

9. Oktober 2009, 10:38
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Der Leistungsbilanzüberschuss ist im ersten Halbjahr wegen der Wirtschaftskrise um 40 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurückgegangen

Wien - Der Leistungsbilanzüberschuss von Österreich ist heuer im ersten Halbjahr wegen der Wirtschaftskrise stark zurückgegangen. Laut Nationalbank sackte er um 40 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro ab, voriges Jahr waren bis Juni noch 5,5 Mrd. Euro Überschuss gemeldet worden. Güterein- und -ausfuhren sind heuer im Halbjahr um jeweils ein Viertel eingebrochen, Dienstleistungen haben fast ein Zehntel verloren. Der Kapitalverkehr mit dem Ausland ist weiter von einer Flaute geprägt.

Österreich exportierte heuer bis Juni waren für 47,2 Mrd. Euro, um 25 Prozent weniger, und importierte ein Handelsvolumen von 48,5 Mrd. Euro, um 22 Prozent weniger. Die Güterbilanz drehte damit nach einem Überschuss von 0,9 Mrd. Euro auf ein Minus von 1,3 Mrd. Euro, wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Freitag mitteilte.

Weiter robust war der Tourismus, der im Halbjahr ein Plus von 4,2 (5,1) Mrd. Euro erwirtschaftete. Ausländische Gäste gaben mit 7,6 Mrd. Euro aber um 7 Prozent weniger in den heimischen Herbergen aus. Zugleich weiteten österreichische Touristen ihr Budget für Auslandsreisen auf 3,4 Mrd. Euro aus.

De facto zum Stillstand gekommen ist der heimische Kapitalverkehr mit dem Ausland: Österreichs strategische Unternehmensbeteiligungen, Wertpapierinvestitionen sowie Veranlagungen aus Krediten und Einlagen brachen in Summe um mehr als 66 Mrd. Euro ein. "Bemerkenswert" ist aus Sicht der OeNB der Veranlagungsstopp der österreichischen Banken im ausländischen Einlagengeschäft: Nachdem im ersten Halbjahr 2008 noch 27,5 Mrd. Euro investiert worden waren, zogen die Banken in den ersten sechs Monaten 2009 netto sogar 3,3 Mrd. Euro von ausländischen Konten ab.

Reduzierte Kreditvergabe

Zugleich reduzierten die Banken die grenzüberschreitende Kreditvergabe von 12,4 Mrd. Euro auf 0,8 Mrd. Euro. Die Finanzverpflichtungen Österreichs im Ausland wurden im ersten Halbjahr 2009 per saldo um 5,9 Mrd. Euro zurückgeführt (nach einem Verpflichtungsaufbau von knapp 54 Mrd. Euro). Vollständig eingebrochen ist hier per saldo die Finanzierung der heimischen Banken durch ausländische Einlagen: Nachdem im Vorjahr bis Jun noch über 31 Mrd. Euro bei internationalen Geldgebern aufgenommen wurden, war heuer netto so gut wie keine Nachfrage nach ausländischen Finanzmitteln feststellbar (0,3 Mrd. Euro).

Österreichs Wertpapierinvestoren, die ihre Veranlagungen schon im 1. Halbjahr 2008 um 90 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro zurückgenommen hatten, stießen heuer per saldo sogar Papiere um 1,8 Mrd. Euro ab. Umgekehrt wurden auch ausländische Wertpapierinvestments in Österreich um drei Viertel auf 3,4 Mrd. Euro deutlich reduziert.

Österreichische Direktinvestoren tätigten heuer bis Juni per saldo fast keine Zukäufe, nachdem sie voriges Jahr noch über 11 Mrd. Euro investiert hatten. Der Zufluss aus internationalen Firmenbeteiligungen nach Österreich (samt Konzernkrediten) hat sich auf netto rund 3 Mrd. Euro halbiert. (APA)

 

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