UIAG-Übernahme geplatzt

9. Oktober 2009, 18:26
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Kurt Stiassny und Michael Tojner traten vom Kauf zurück. Investoren fürchten, die Causa Libro könnte Schadenersatzforderungen nach sich ziehen

Die Übernahme der UIAG durch Kurt Stiassny und Michael Tojner ist geplatzt. Ihre Investoren fürchten, dass die Causa Libro für die Beteiligungsgesellschaft Schadenersatzforderungen nach sich ziehen könnte. Das Risiko sei zu hoch.

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Wien - Es hätte der größte österreichische Anbieter für Beteiligungskapital werden sollen und Kurt Stiassnys Rückkehr zur börsennotierten Unternehmens Invest AG. Der frühere Chef der Wiener Finanzierungsgesellschaft teilte vor kurzem mit, 62,5 Prozent an der UIAG von ihrem bisherigen Mehrheitseigentümer, Stefan Pierer und der Industrieholding Cross, kaufen zu wollen. Doch jetzt ist der Deal geplatzt.

Die Due Diligence ergab mögliche gerichtliche Risiken - Stiassny holen die Nachwehen der Pleite von Libro ein. Seinen Investoren ist die Gefahr, dass der frühere Aufsichtsratschef der Handelskette im Falle eines Gerichtsprozesses noch verurteilt wird, zu groß. Das könnte nämlich auch Schadenersatzforderungen an die Unternehmens Invest nach sich ziehen. Sie hielt vor zehn Jahren beim Börsengang Lib- ros 22,5 Prozent der Konzernanteile, später gemeinsam mit der Deutschen Beteiligungs AG 25 Prozent.

Stiassny wurde neben dem Vorstand und weiteren Aufsichtsratsmitgliedern wegen des Verdachts der betrügerischen Krida, Untreue und Bilanzfälschung angezeigt. Sie sollen die brisante finanzielle Lage des Unternehmens absichtlich verfälscht dargestellt haben, auch um eine Sonderdividende in Höhe von gut 32 Millionen Euro zu kassieren, lautete der Vorwurf. Es gilt die Unschuldsvermutung. Auf einen Prozess warten Anleger noch heute.

Stiassny bot jetzt mit seinem Geschäftspartner Michael Tojner und seiner Private-Equity-Gesellschaft Buy-Out Central Europe 30 Millionen Euro für die UIAG. Öffentlich machen musste er den geplanten Kauf vor der Due Diligence, da die UIAG an der Börse notiert. Die Due Diligence selbst dient dazu, Zahlen zu durchleuchten und juristische Stolpersteine herauszufiltern.

"Theoretisches Restrisiko" 

Es gebe bei der UIAG ein theoretisches Restrisiko aus der Vergangenheit, sagt Stiassny im Gespräch mit dem Standard und verweist auf die Libro-Pleite, die Cross Holding habe das bei ihrem Einstieg in die Gesellschaft nicht gestört. Sie verfügt über ein Gutachten, das mögliche juristische Nachwehen ausschließt, ist zu hören. Den Investoren rund um Stiassny war das allerdings zu unsicher. Sie forderten eine Gewährleistung vom Verkäufer, mit der Risiken abgewälzt würden. Pierer lehnte ab - und akzeptierte die Absage des Deals. Die UIAG-Aktie brach am Freitag ein.

Die Buy-Out Central Europa ist nun für die kommenden zwölf Monate gesperrt, doch noch ein Angebot für die UIAG zu legen. "Es war eine schwierige Entscheidung", so Stiassny. Kooperieren wolle er bei künftigen Beteiligungen mit Pierer dennoch. Und er sehe sich nach anderen Partnern in der Branche um. Was sein Interesse an einem Kauf der Industriegruppe Constantia Packaging betrifft, sei es beim Interesse geblieben. Man sei als Bieter bisher nicht eingeladen worden.

Stefan Pierer, Chef und Eigentümer des Motorradherstellers KTM, sieht sich nun wohl nach anderen Käufern für die UIAG, die an Betrieben wie Austria Email und Varioform beteiligt ist, um. Sie sei allein zu klein, meinte Pierer zuletzt, für sein Fahrzeuggeschäft brauche er zudem finanzielle Reserven.

KTM steht durch die Krise am Automarkt massiv unter Druck. In den ersten neun Monaten schoss der Verlust auf 67 Mio. Euro. Der Umsatz soll heuer um 20 Prozent sinken. KTM hat einen Finanzbedarf von 90 Mio. Euro. Das Land Oberösterreich griff mit einer Haftung von 33,6 Mio. unter die Arme. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.10.2009)

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    Kurt Stiassny (li.) holt die Vergangenheit ein. Andre Rettberg führte Libro in die Pleite, Stiassny war Aufsichtsratspräsident. Zehn Jahre später hat das Folgen für die UIAG.

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