Uni-Gesetz-Novelle schwächt Studierendenrechte

9. Oktober 2009, 15:27
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    foto-credits: vege

    Neue Paragraphen beschneiden die Studierendenrechte.

Die UG-Novelle sorgt für eine neue Machtverteilung und beschneidet dabei die Rechte der Studierenden

Wien - Es ist Semesterbeginn: Die Studierenden drücken brav die Hörsaalbänke. Beinahe unbemerkt tritt zeitgleich (mit 1. Oktober) die Novellierung des Universitätsgesetzes (UG) in Kraft. Still und leise wurde die Novelle noch vor dem Sommerloch im Parlament beschlossen - die Studierenden hatten Ferien und waren in den Bundesländern verstreut. Der beste Zeitpunkt also, um Demos zu verhindern.

Den Letztentwurf bekam die Öffentlichkeit vor Beschluss nicht mehr zu Gesicht, viel Aufhebens hat es nicht gegeben. Politisches Kalkül? "Dass getrickst wird, ja. Man kann mit Personen tricksen, die sich das gefallen lassen, und das sind die Uni-Angehörigen", erklärt Christian Fleck, Soziologe an der Uni Graz. "Professoren waren immer der Meinung, dass es egal ist, was im Gesetz steht, denn sie machen, was sie wollen, und die Studierenden sind nicht einmal dann zu mobilisieren, wenn es um ihre ureigensten Interessen geht."

Hilflos versucht Sophie Wollner, Vorsitzende des Verbands Sozialistischer Studenten (VSStÖ) Erklärungen zu finden, weshalb die Studenten nicht aufgeschrien haben: Studiengebühren seien "greifbarer" und "Zugangsbeschränkungen schwammig, denn man weiß nicht, wie sie funktionieren".

Während bei Studierenden die verpflichtenden Studieneingangsphasen für alle Fächer und die Zugangsbedingungen für den Master die Hauptkritikpunkte darstellen, protestiert man bei den Uni-Angehörigen über die Machtveränderung beim Rat und Senat. Die Kritik, dass der Senat - das einzig demokratisch gewählte Universitätsorgan - geschwächt werde, da die Ausschreibung des Rektorsposten nun der Rat übernimmt, weist Minister Hahn zurück: "Durch die UG- Novelle wurde das Aufgabenprofil des Senates gestärkt."

Einfluss auf die Politik

"Aufgabenprofil" ist jedoch nicht gleichbedeutend mit mehr Macht, sondern heißt, dass die Kompetenzbereiche klarer verteilt sind. Diese Ansicht deckt sich mit dem Vorschlag der Industriellenvereinigung (IV), die in der Uni-Politik Lobbying betreibt. Neben einer klaren Kompetenzverteilung bei der Rektorwahl forderte die IV zusätzlich offen eine Stärkung der Universitätsräte. In dieses Gremium entsendet die Regierung Mitglieder, die meist aus der Wirtschaft kommen. Auch ehemalige Politiker finden sich darunter.

Was Minister Hahn nicht sagen will, posaunen andere stolz heraus: Die IV nimmt sich kein Blatt vor den Mund und gibt ihren Einfluss auf das Ministerium offen zu: "Es war richtig, die Uni-Räte, die unter vielfachem Engagement der Industriellenvereinigung eingeführt wurden, zu stärken", sagt Gerhard Riemer von der IV.

Er ist der Meinung, dass Unis als "unternehmerische Einrichtungen", zu sehen sind, die "wettbewerbsfähig" sein sollen. Tatsächlich erhält der Uni-Rat in der Novelle immer mehr die Rolle eines wirtschaftlichen Aufsichtsrats. Er darf nun den Jahresbudgetvorschlag des Rektors verweigern, wenn ihm dieser nicht gefällt. In diesem Entwicklungsplan ist genau festgelegt, wie viel Geld wofür zur Verfügung steht.

Was das Geld betrifft, können die Unis von Anfang an nicht aus dem Vollen schöpfen. Wissenschaftsminister Hahn sicherte sich per Verordnung nachträglich ein Mitspracherecht, da er zu einem Zeitpunkt Minister wurde, als die Leistungsvereinbarungen bereits ausverhandelt waren.

In der UG-Novelle ist nun das einbehaltene Budget von vormals einem auf sogar zwei Prozent erhöht worden. Die Uni Wien sieht darin die Autonomie gefährdet. Das Geld sei nicht an wissenschaftsgeleitete Zwecke geknüpft, und es sei nicht festgelegt, dass es innerhalb der Leistungsvereinbarungsperiode überhaupt für die Unis verwendet werden müsse, erklärt sie in einer Stellungnahme.

Studierende verlieren Rechte

In der allgemeinen Debatte wird auch unter den Tisch gekehrt, dass die Studierenden an Mitsprache verlieren. Die Vergrößerung des Senates führt zwar zu einer Stärkung des Mittelbaus, gleichzeitig aber zu einer Schwächung der Studierendenvertreter, da ihre Anzahl an Sitzen gleich geblieben ist.

Auch bei den Regelungen zu den Studienplänen gehen die Machtverschiebungen zulasten der Studenten. Früher durfte das Rektorat nur eine Stellungnahme abgeben, jetzt kann es Curricula - also die Studienpläne - einrichten, auflassen und untersagen. Einzig die inhaltliche Gestaltung bleibt weiterhin beim Senat. Wollner sieht dadurch die Gefahr, dass "Orchideenfächer" abgeschafft werden, und ortet in der Art der Veränderungen eine Taktik, um "die Leute schrittweise mundtot zu machen". Skurril mutet auch Paragraf 79 an, der den Rechtsschutz bei Prüfungen beinhaltet. Darin ist das Recht auf eine Fotokopie der Prüfungen samt Antworten verankert. Durch die UG-Novelle wurde ein Satz eingefügt, der explizit das Kopieren von Multiple-Choice-(MC)-Fragen mit den Antwortitems verbietet. Im Rahmen der Bologna-Reform ist aber gerade dieser Prüfungsmodus auf dem Vormarsch.

Auf der Psychologie Wien läuft derzeit sogar ein Projekt zur Optimierung der MC-Prüfungen, da dadurch "spürbare Verbesserungen" bewirkt wurden. Hervorgehoben wird dabei die "Objektivität" und "Fairness" der Auswertung.

Vom ökonomischen Standpunkt her konnten die "mehr als 1000 Arbeitsstunden, die bislang in die händische Korrektur von Langfragen investiert werden mussten, deutlich reduziert werden", heißt es. Auch Hahn hebt die Vorteile von MC-Verfahren hervor (siehe Interview U 3). Wenn zukünftig die meisten Tests auf MC umgestellt werden, können Studenten kaum mehr Gebrauch von ihrem Recht machen, Prüfungen zu kopieren. (Sophie Niedenzu/Astrid-Madleine Schlesier, DER STANDARD, 08.10.2009)

Kommentar posten
17 Postings
Gerhard Grabner
00
11.10.2009, 23:55
Hahn

Hätte der Hahn unter diesen bedingungen studieren müssen, hätte er wahrscheinlich nicht einmal den BAkk geschafft, geschweige denn die Studieneingangsphase.

nunmehr laut
 
00
11.10.2009, 16:43
Also für die Zukunft

Wer jetzt nicht sieht welche Interessen in Österreich verfolgt werden, der ist hoffnungslos verloren.
....Wir sind verloren....

Erwin Wolfram
00
10.10.2009, 22:58

In Uruquay kann man Super Zeugnisse anrechnen lassen und günstig fertigstudieren. Österreich ist als Studienland nicht wichtig, ausser in der Statistik.

Somebody Someone
03
10.10.2009, 13:25

Der Hahn würd wahrscheinlich am liebsten das Literaturverzeichnis in Diss. verbieten lassen...

Kelborn
10
10.10.2009, 09:57

Wer hat euch verraten?

Genau! Der Werner und seine Truppe!

Radio Eriwan
01
10.10.2009, 19:11
Zwischen Hahn und Schmied passt kein Blatt Papier.

Und zwischen Schmied und die Industriellenvereinigung ebenfalls keines.

jcMaxwell
00
10.10.2009, 14:09

kleine ratestunde:
von welchem coleur ist der wissenschaftsminister?

Agent Provocateur!
01
11.10.2009, 14:09
Kleine Ratestunde:

Welche Parlamentsmehrheit(en) mussten dem UG zustimmen?

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
10
10.10.2009, 13:11

Faymann muss weg!

Gallo Way
02
10.10.2009, 02:56

Na wenn man da nicht eine eindeutige Entwicklung sehen kann :-D Leutz die nächste Generation wird blöder gemacht. Viel arbeiten, wenige denken, brav sein...

Andreas Schneider
019
9.10.2009, 20:01
seit ihrem bestehen

bestimmten die universitäten weitgehend autonom, was und wie an ihnen gelehrt wurde.

seit dem demokratieschub unter kreisky/firnberg gab es zusätzlich mitbestimmung des mittelbaus und der studierenden. die ist in vielen kleinen schwarzen schritten längst eliminiert worden.

aber das hier geht weit darüber hinaus: jahrhunderte autonomer wissenschaftlicher entwicklung sind am ende, ab nun haben industriebosse, parteibonzen und bürokraten das sagen.

ich nenne das: hochverrat.

Michael B
05
9.10.2009, 19:19
In Abwandlung eines alten Sprichwortes: Jeder Student hat die Universität, die er verdient.

Ohne Engagement wird halt jemand anderer bestimmen....

Alexandra Lakonikakis
011
9.10.2009, 21:10

War lange genug in der ÖH aktiv, um ziemlich genau zu wissen:

a) dass sich Studis zwar nicht viel, aber eher noch mehr engagieren als etwa ArbeitnehmerInnen oder UnternehmerInnen.

b) dass das demokratische Mittel "Protest" in Ö weder Tradition noch Solidarisierungspotential hat.

c) dass es daher v.a. an der Politik der einzelnen Parteien liegt, wer vertreten wird.

d) dass es nach der Preisgabe durch die SP nur noch die Grünen sind, denen die Rechte der Studierenden ein Anliegen sind (und die sind derzeit im Bund politisch irrelevant).

e) dass der internationale Trend (v.a. in D) zum McStudium geht: schnell, stressig, produktionsorientiert

f) dass momentan DENKEN das einzige ist, was hilft ...
aLa

byron sully
115
9.10.2009, 16:54
früher

hatte unis den sinn zu lehren und zu forschen. heute geht es darum, möglichst devote sklavInnen für die wirtschaft zu erziehen (und das unter immer stärkerer kontrolle des ministeriums, deswegen auch die aufwertung der räte). dieses UG ist eigentlich eine katastrophe.

Katrinchen
00
12.10.2009, 09:01
Das ist einfach doof.

Permanent wird die Uni für tot erklärt. Sie ist an vielen Stellen sehr lebendig. Und sie wäre noch lebendiger, wären Studierende mehr bereit, sich auf den Studienstoff ueber pruefungsstrategische Notwendigkeiten hinaus einzulassen. Viele aber sitzen lemmingsartig in den Lehrveranstaltungen und wollen sich alles servieren lassen. Ich spreche aus 20jähriger Erfahrung.

Lucasz
03
9.10.2009, 15:57

Na gö, weg mit die sinnlosen Langfragen, die regen ja nur zum denken an...

siliconvalley
00
12.10.2009, 03:48

wer lange denkt wird spaeter fertig statt als billiger, devoter Diener der Wirtschaft zur Verfuegung zu stehen ;-)

Scherz beiseite: selbstaendiges Denken und Handeln waren im oesterr. Bildungssystem noch nie gefragt, und wie es aussieht, soll sich das auch nicht aendern.

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