Metaller gehen in erste Lohnrunde

9. Oktober 2009, 14:57
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Nulllohnrunde droht nicht, aber deutlich niedrigere Abschlüsse als im Vorjahr werden erwartet

Wien - Heute steigt die erste Verhandlungsrunde zu den Ist- und Kollektiv-Löhnen für die 170.000 Beschäftigten in der Metall- und Bergbauindustrie. Seit 14 Uhr verhandeln Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter in der Wirtschaftskammer in Wien.

Das Metaller-Ergebnis gilt traditionell als Richtschnur für alle anderen Branchen. Offen ist, ob es gar schon heute Nacht ein Ergebnis geben könnte, im Vorjahr waren vier Sitzungsnächte erforderlich.

Geringe Erhöhung erwartet

Im Gegensatz zu 2008 mit einem Plus von 3,9 Prozent wird die Lohnerhöhung heuer gering ausfallen, in Verhandlungskreisen rechnet man mit einem 1er vor dem Komma. Im Vorjahr lag nämlich auch die Inflationsrate bei hohen 3,2 Prozent, heuer wird mit einer Teuerung von 1,5 Prozent gerechnet.

Hermann Haslauer, Chefverhandler der Arbeitgeber, hat vor zwei Wochen bei der Übergabe der Verhandlungspapiere gemeint: "Wir haben so ein schlechtes Umfeld wie noch nie. Wenn wir künftig auf den Märkten bestehen wollen, brauchen wir mehr Flexibilität."

Sein Gegenüber, Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer wiederum verwies auf die sich mehrenden Zeichen für eine Konjunkturerholung, außerdem sei ein Reallohnzuwachs unbedingt notwendig, um die Kaufkraft zu stärken. Die Chefs von Wifo und IHS plädierten kürzlich wegen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Situation einzelner Branchen und Firmen für differenzierte Lohnabschlüsse.

Einmalzahlung möglich

Wie auch im Vorjahr könnte die Lohnsteigerung vom Betriebsergebnis des jeweiligen Unternehmens abhängen. Weiters könnte es, ebenfalls wie im Vorjahr, eine Einmalzahlung geben. Wifo und IHS haben sich jedenfalls schon im Vorfeld des Verhandlungsmarathons für differenzierte Lohnabschlüsse ausgesprochen.

Für Unruhe hatte der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, gesorgt. Er hatte kürzlich gemeint, dass es für manche Branchen auch einen Reallohnverlust geben könnte. Eine Nulllohnrunde wird es jedenfalls nicht geben, hieß es von Arbeitgeber-Chefverhandler Haslauer.

Nie weniger als 2,1 Prozent in den letzten zehn Jahren

Eine Lohnerhöhung mit einem 1er vor dem Komma wäre jedenfalls ein Unikum. In den vergangenen zehn Jahren lag die geringste Erhöhung bei 2,1 Prozent bei einer Inflationsrate von 1,3 Prozent. Genau vor zehn Jahren gab es gar eine Erhöhung um 2,4 Prozent bei einer minimalen Teuerungsrate von 0,6 Prozent.

Eine Nulllohnrunde wäre jedenfalls ein gewaltiger Verlust für die Arbeitnehmer, warnt die Gewerkschaft. Sie rechnet vor: "Wer 2.200 Euro brutto verdient, würde durch eine einzige Nulllohnrunde in zehn Jahren fast 7.000 Euro verlieren." (APA)

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    Metaller-Chef Rainer Wimmer (links) und Arbeitgeber-Verhandler Hermann Haslauer vor Beginn der Metaller-Herbstlohnrunde am heutigen Freitag.

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