Wallace Souza war nach angeordnetem Haftbefehl untergetaucht - Soll mindestens fünf Morde an Drogenhändlern beauftragt haben
Rio de Janeiro - Der wegen Mordes gesuchte brasilianische
TV-Moderator Wallace Souza hat sich am Freitag der Polizei gestellt. Souza, der
für bessere Einschaltquoten Morde in Auftrag gegeben haben soll, habe sich bei
der Polizei im nordbrasilianischen Manaus im Bundesstaat Amazonas gemeldet,
sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Er war seit Montag auf der
Flucht, nachdem ein Haftbefehl wegen Mordes, Drogenhandels und Mitgliedschaft in
einer kriminellen Vereinigung angeordnet worden war.
Souza war zuvor trotz der schweren Vorwürfe gegen ihn auf freiem Fuß
geblieben, weil er durch seine Abgeordnetentätigkeit im Parlament in Amazonas
Immunität genoss. Vergangene Woche schloss die Volksvertretung Souza jedoch aus
ihren Reihen aus. Souzas Anwalt versuchte am Freitag, eine Einzelzelle für
seinen Mandanten durchzusetzen, wie es in Brasilien für Häftlinge mit höherem
Abschluss üblich ist. Nach Angaben der Polizei besuchte Souza jedoch nie eine
Universität.
Dem TV-Moderator wird vorgeworfen, mindestens fünf Morde an Drogenhändlern
angeordnet zu haben, um mit Filmaufnahmen von den Tatorten mehr Zuschauer für
seine Polizei-Fernsehshow beim Sender Canal Livre zu gewinnen. Die Filmteams
waren stets vor der Polizei an den Tatorten eingetroffen, was den Verdacht
organisierter Morde ins Rollen gebracht hatte. Der Moderator hatte seine
Fernsehkarriere 1989 begonnen und wurde innerhalb kurzer Zeit zum Star. Er
selbst hatte sich nach den Vorwürfen als Opfer einer Verschwörung
dargestellt. (APA)