Rechtzeitige Warnung vor Vulkanausbrüchen fast unmöglich

9. Oktober 2009, 18:57
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Plinianischer Ausbruch bei hochexplosiven Vulkanen "mit ungeahnter Schnelligkeit"

München - Die Menschen im Umfeld von hochexplosiven Vulkanen rechtzeitig vor Ausbrüchen zu warnen, könnte unmöglich sein. Das flüssige Gestein steigt im Vorfeld der Eruption zu schnell aus dem Erdinneren nach oben, wie Forscher aus München und Orleans herausfanden. "Dieses Ergebnis ist sehr beunruhigend", sagte Geowissenschaftler Donald Dingwell von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Es lege nahe, dass ein explosiver, sogenannter plinianischer Ausbruch "mit ungeahnter Schnelligkeit stattfinden kann".

"Möglicherweise ist es in solchen Fällen unmöglich, rechtzeitig vor einem Ausbruch zu warnen, insbesondere dann, wenn die Unruheperiode vor dem Ausbruch sehr kurz ist", erklärte Dingwell. Diese Unruheperioden sind bei plinianischen Vulkanen, die oft über lange Zeiträume, teils Jahrtausende schlafen, häufig die einzigen Vorboten ihrer plötzlichen Explosion. Sichere Zeichen sind sie aber nicht: "Das Problem bei solchen Unruheperioden ist, dass sie in einen Ausbruch münden können, es aber nicht zwangsläufig tun", sagte Dingwell.

Ausbruch des Vulkans Chaiten

Zu ihren im Wissenschaftsmagazin "Nature online" veröffentlichten Ergebnissen kamen die Wissenschaftler durch die Untersuchung von Gestein aus einem plinianischen Ausbruch in Chile im Mai 2008. Der Chaiten war dort nach 9.000 Jahren Ruhe ausgebrochen, hatte eine 20 Kilometer hohe Aschewolke aufgetürmt und den zehn Kilometer entfernten Ort gleichen Namens mit einer zentimeterdicken Ascheschicht überzogen.

Versuchsreihen mit Bimsstein aus dem Ausbruch zeigten, dass das Material so schnell aus dem Erdinneren aufgestiegen sein musste, dass sich an seinen Rändern keine Kristalle bildeten. Daraus schlossen die Forscher auf eine Geschwindigkeit des Magmas von etwa einem Meter pro Sekunde beziehungsweise vier Stunden aus dem Inneren des Vulkans zur Oberfläche.

Plinianische Vulkane

Die plinianischen Vulkane, zu denen auch der Vesuv bei Neapel, der Pinatubo auf den Philippinen oder der Mount St. Helens in den USA gehören, sind nach dem römischen Schriftsteller Plinius dem Jüngeren benannt. Dieser beschrieb im Jahr 79 die Explosion des Vesuv, die unter anderem die Stadt Pompeji unter sich begrub und zahlreiche Menschen tötete. Lange Ruhephasen vor einem Ausbruch sind für diese Vulkanart typisch.

Bei der Explosion des Mount St. Helens im Jahr 1980 wurden 57 Menschen getötet, die Wucht der Explosion riss damals etwa 390 Meter von der Vulkanspitze weg. Der Pinatubo war 1991 nach 600 Jahren Ruhe ausgebrochen, hatte Hunderte Menschen getötet und große Gebiete mit einem Ascheregen überzogen. (APA/AP/red)

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    Der Chaiten in Chile, Archivbild vom 4. Mai 2008

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