Mitschneider und Trojaner gesucht

8. Oktober 2009, 19:52
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Lauschprotokoll über Ex-Meinl-Gutachter möglicherweise manipuliert

Wien - Die Staatsanwaltschaft Wien beschäftigt sich mit einem merkwürdigen Fall - einer Anzeige wegen Verdachts auf illegales Abhören. Opfer des Lauschangriffs war der mittlerweile vom Fall abgezogene Meinl-Gutacher Thomas Havranek.

Mitgeschnitten wurde ein Gespräch zwischen Havranek und einem Besucher, der sich als Investmentbanker auf der Suche nach einem Berater für Immobilienengagements in Österreich ausgegeben haben soll.

Laut einer parlamentarischen Anfrage des Grünen Peter Pilz plauderte Havranek über Beeinflussung von Staatsanwälten und Medien, Strafregister-Recherchen, Hacker-Angriffen auf einen Bank-Austria-Server und seine, Havraneks, Geschäftspartner, zu denen auch Ex-Innenminister Ernst Strasser zählte.

Nun stellen die einen in der Abhör-Causa einen Konnex zur Causa Meinl her (die Bank hat nach Bekanntwerden der Sache in einer Aussendung prompt reagiert und sieht darin einen "erneuten Beweis für fehlende Legitimität des bisherigenVerfahrens" ). Andere orten darin hingegen eine politische Breitseite gegen Ex-Minister Strasser. Ihr Argument: Havraneks angebliche Behauptung, es sei möglich, im Strafregister zu forschen, und seine Erwähnung des Ex-Innenministers.

Neuer Staatsanwalt

"Wir werden jetzt versuchen herauszufinden, wer die Aufnahme gemacht und weitergegeben hat" , so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch. Die Causa werde aber nicht bei Meinl-Staatsanwalt Markus Fussenegger (Wirtschaftsgruppe) landen, sondern in einer allgemeinen Abteilung.

Havranek war am Mittwoch nicht zu erreichen. Dem Vernehmen nach soll er der Justiz nach Anhören des Mitschnitts erklärt haben, dass das Material zum Teil manipuliert worden sei; zudem könne das Aufnahmedatum (21. Juli, 10.54 Uhr) so nicht stimmen. Letztlich dürfte das Material wohl bei einem Sachverständigen landen, der die Authentizität überprüfen wird.

In einer anderen Causa hat Havranek übrigens auch selbst Anzeige gegen unbekannte Täter erstattet: Auf seiner Homepage waren, wie berichtet, Neo-Nazi-Inhalte aufgetaucht. Mit seiner Anzeige will der Ex-Meinl-Gutachter nachweisen, dass das entsprechende Material gar nicht von seinem Computer stammen könne.

Apropos: Ein Computer von Meinl-Staatsanwalt Fussenegger ist gerade zur Inspektion beim Bundeskriminalamt, man vermutet eingeschleuste Trojaner. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.10.2009)

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