NASA nahm Mond unter Beschuss

9. Oktober 2009, 18:28
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Die US-Raumfahrtbehörde ließ eine Raketenstufe und eine Sonde auf den Mond stürzen

Washington - Mit einem Doppelschlag hat die NASA den Mond Freitag Mittag unter Beschuss genommen: Dabei ließ die US-Raumfahrtbehörde eine ausgebrannte Raketenstufe wie geplant in einen Krater am Südpol des Erdtrabanten stürzen. Ziel war es, eine möglichst große Staubwolke zu erzeugen. Diese sollte vom - wenige Minuten später auf den Mond stürzenden - Satelliten "LCROSS" (Lunar Crater Observation and Sensing Satellite) vor allem auf Wasser und Eis hin analysiert werden. Von der angekündigten bis zu zehn Kilometer hohen Staubwolke, die man auch von der Erde aus beobachten hätte können - zahllose Teleskope hatten das erwartete Schauspiel verfolgt -, war aber nichts zu erblicken. Auch die NASA konnte zunächst keine interessanten Bilder vom Einschlag liefern.

Das Absturz-Spektakel war live im Internet verfolgbar: LCROSS folgte der Raketenstufe zum Mondkrater "Cabeus" und sendete laufend Bilder, die via Internet-Livestream übertragen wurden. So konnte die Annäherung der Sonde an den Krater zwar beobachtet werden, von einem spektakulären Aufschlag oder gar einer riesigen Staubwolke war aber keine Spur zu sehen. 

Auf einer anschließenden Pressekonferenz erklärte die NASA, die Sonde und Teleskope auf der Erde hätten riesige Mengen an Daten gesendet. Die meisten Fotos stammten aber noch aus der Zeit kurz vor dem Einschlag. Die wenigen Bilder und Videos vom Einschlag zeigten nur einen etwas verschwommenes Flackern. Die NASA zeigte sich trotzdem zufrieden. "Das wird unsere Sicht des Mondes verändern", erklärte der für die Mission zuständige NASA-Chef-Wissenschafter Michael Wargo.

Wassersuche

Wasser ist eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau längerfristiger bemannter Stationen auf dem Mond. Dass drei verschiedene Sonden Wasser auf der Mondoberfläche (vermischt mit Mondstaub) nachgewiesen haben, wurde erst im September publiziert. Bisher war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass es möglicherweise in den dauerhaft dunklen Kratern an den Polen des Mondes Wasser in Form von Eis gebe, die übrigen Bereiche des Himmelskörpers aber vollständig wasserfrei seien. Diese Theorie wurde widerlegt. Zu klären bleibt unter anderem, woher die Wasserstoffatome kommen.

Details

Die zwei Tonnen schwere ausgebrannte Raketenstufe wurde im Juni zusammen mit der LCROSS-Sonde ins All und in eine Umlaufbahn um den Mond geschossen. LCROSS hat seitdem die Mondoberfläche mit einer hochauflösenden Kamera fotografiert.

Die Raketenstufe stürzte mit einer Geschwindigkeit von 9.000 Kilometern in der Stunde auf den Mond. Direkt hinter der Raketenstufe flog "LCROSS". Der Satellit analysierte die aufsteigende Staubwolke und schickte Bilder von dem Einschlag zur Erde, bevor er dann vier Minuten später selbst in den Krater stürzte.

Der Mond wird übrigens etwa viermal im Monat von Gesteinsbrocken dieser Größe getroffen. Dieses Mal ist das aber an einem Ort und in einem Winkel passiert, den die Wissenschafter für besonders interessant halten. (red/APA/AP)


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LCROSS
(Missionsseite)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Diese LCROSS-Aufnahme der Mondoberfläche entstand kurz nach dem Aufschlagen der Raketenstufe.

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    Illustration des kontrollierten Absturzes

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