Anschlag auf indische Botschaft in Kabul

8. Oktober 2009, 18:32
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Neu-Delhi verdächtigt Pakistan

Kabul/Neu-Delhi - Wieder hat ein blutiger Anschlag Afghanistans Hauptstadt Kabul erschüttert. Und wieder war die indische Botschaft das Ziel - das zweite Mal binnen nur 15 Monaten. Insgesamt war es der fünfte Selbstmordanschlag in weniger als zwei Monaten: Auf einer Straße im Stadtzentrum jagte ein Attentäter am Donnerstag um 8.27 Uhr eine Autobombe in die Luft - direkt an der Vertretung Neu-Delhis. Mindestens 17 Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt.

Die meisten Opfer waren afghanische Zivilisten, Inder kamen laut Delhi nicht ums Leben. Die Explosion war so gewaltig, dass sie einen großen Krater in die Straße riss. Scheiben zersplitterten, Türen wurden aus den Angeln gehoben. Die Taliban bekannten sich zu der Bluttat. Diese habe der Botschaft gegolten. Erneut zeigten die Extremisten damit, dass die von Sicherheitskräften wimmelnde Hauptstadt acht Jahre nach dem Sturz des Talibanregimes nicht sicher ist.

Pakistan unter Verdacht

Die indische Botschaft ist seit dem ersten Anschlag wie eine Festung gesichert. Beim Anschlag im Juli 2008 starben 50 bis 60 Menschen. Nicht nur Neu-Delhi, auch Kabul und Washington hatten damals vermutet, dass Pakistan und sein mächtiger Geheimdienst ISI darin verwickelt seien. Auch diesmal fiel in Indien der Verdacht auf den alten Erzfeind. Dieser könne eine Rolle im Hintergrund gespielt haben.

Völlig abwegig ist das nicht. Beide Länder ringen um Einfluss in Afghanistan. Das Land gilt als geostrategisch wichtiger "Hinterhof" Pakistans. Indien hat zwar keine Truppen in Afghanistan, engagiert sich aber stark im zivilen Wiederaufbau. Böse Zungen behaupten, die Inder hätten mehr Nahrungsmittel an hungernde Kinder in Afghanistan verteilt als an darbende Kinder im eigenen Land. Das Verhältnis zwischen Delhi und Kabul gilt als ausgezeichnet. Das sieht Pakistan mit Unmut. Angeblich sollen Teile des ISI die Taliban unterstützen, um über sie Einfluss in Afghanistan zu bewahren.

Unterdessen teilten die US-Truppen mit, dass sie bei Kämpfen in Logar aus Versehen einen kleinen Jungen getötet haben. Ein Natosprecher drückte sein tiefstes Bedauern aus. Dies ist eine Abkehr von der bisherigen Politik der ausländischen Truppen, zivile Opfer hartnäckig zu bestreiten. Der neue Oberbefehlshaber Stanley McChrystal hatte angeordnet, das Leben der Zivilisten über die Jagd auf die Taliban zu stellen.

Der Terror ist in Afghanistan auf dem Vormarsch. Selbst die mit viel Hoffnung verbundenen Präsidentenwahlen am 20. August gerieten zum Debakel. Vor allem Amtsinhaber Hamid Karsai wird vorgeworfen, schamlos betrogen zu haben. Er heimste im ersten Wahlgang unglaubwürdige 54 Prozent ein. (Christine Möllhoff/DERSTANDARD, Printausgabe 9.10.2009)

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    Trümmer am Anschlagsort: Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen gelang es einem Attentäter, eine Bombe zu zünden.

  • Rauchpilz über der Innenstadt von Kabul
    foto: epa

    Rauchpilz über der Innenstadt von Kabul

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