Investoren sollen Drohnenabsturz verhindern

8. Oktober 2009, 17:41
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Österreichs Mini-Helikopter rotiert auf dem Stand: Der Hightech-Schmiede Schiebel geht das Geld aus.

Der Kleine gilt als der Shootingstar auf großen internationalen Flugmessen: Drei Meter lang, hundert Kilo schwer, bestückt mit Sensoren und Elektronik, ist der unbemannte Hubschrauber für militärische und zivile Zwecke im Einsatz. Der Camcopter der Wiener Schiebel Industrie ist der Stolz der österreichischen Luftfahrtbranche, nun geht dem Betrieb aber das Geld aus.

„Ohne Partner geht in dem Geschäft nichts, Konzerne stehen bei uns auf der Dack'n, und wir schauen jetzt einmal, was passiert"

Schiebel zeigt sich von den Banken als Geldgeber enttäuscht, lässt sich eine Kapitalerhöhung von bis zu 19,5 Mio. Euro genehmigen und will sich für potente Investoren öffnen. „Ohne Partner geht in dem Geschäft nichts, Konzerne stehen bei uns auf der Dack'n, und wir schauen jetzt einmal, was passiert", sagt Konzernchef Hans Georg Schiebel im Gespräch mit dem Standard.

Er habe die Kapitalerhöhung angeregt, ergänzt Michael Gröller; der frühere Mayr-Melnhof-General ist mit seiner Familie an Schiebel beteiligt. Ohne frisches Geld humple der Betrieb dahin, verärgere manch Lieferanten, auch Kunden spürten den Druck. „Das Problem sind die Banken", fährt Gröller fort, „keinen Groschen geben sie uns, und sie gehen nicht das geringste Risiko ein."

Er sei bereit, Geld nachzuschießen. Andere Investoren seien froh, nicht selbst mitziehen zu müssen, ein neuer finanzstarker Partner sei daher zu begrüßen. Haupteigentümer ist eine Stiftung rund um Hans Georg Schiebel. Neben Gröller mit an Bord sind auch der Papierindustrieller Veit Sorger, Getränkeerzeuger Franz Rauch und Ex-SCS-Chef Maurizio Totta. Es seien große Projekte zu stemmen, meint Schiebel. „Wir brauchen mehr Geld."

Politik reagiert verschnupft

Turbulent geht es in Österreichs Luftfahrtbranche seit längerem zu. Vor wenigen Tagen wurde der Zulieferer FACC an den chinesischen Industriekonzern Xac verkauft. Die Politik reagiert verschnupft.

Schiebel ist Weltmarktführer für Minensuchgeräte. Die großen Umsatzträger sind aber die Drohnen. Mitbewerber gibt es in der Nische zwar kaum, der Investitionsaufwand ist jedoch enorm. So offensiv sich das Hightech-Unternehmen auf der internationalen Bühne bewegt, so verschlossen gibt man sich bei konkreten Geschäftszahlen.

Laut der vorliegenden Bilanz für 2007 sind 25 Prozent der Anteile der „Schiebel Elektronische Geräte" an kreditfinanzierende Banken verpfändet. Der Umsatz verdoppelte sich auf 40 Mio. Euro, im arabischen Raum wurden die Ziele dennoch nicht erreicht. Trotz zusätzlicher Kunden sei der Umsatz heuer aber wieder gesunken, sagt Gröller, wegen der Krise hätten sich Projekte verzögert. Er räumt ein, dass die Ziele teils zu hoch gesteckt waren. Das Eigenkapital belief sich auf minus zwölf Millionen Euro. Über die Mutter Schiebel Industries wurden 13,4 Millionen Euro als nachrangiges Fremdkapital eingebracht. Die Finanzverbindlichkeiten lagen bei mehr als 24 Millionen Euro.

Verluste

Was die Erträge betrifft, gelang Schiebel nach jahrelanger Durststrecke, die in Verlusten von knapp elf Millionen gipfelte, vor zwei Jahren der Sprung in die Gewinnzone. Im Vorjahr gab es laut Gröller eine schwarze Null. Hans Georg Schiebel spricht von einem klar positivem Ergebnis. Ein solches sei auch für heuer geplant. Das Unternehmen biete viele Perspektiven, habe aber die Kosten für die Markteinführung der Hubschrauber unterschätzt, resümieren Marktkenner

Schiebel beschäftigt 200 Mitarbeiter, 60 davon in der neuen Produktion in Wiener Neustadt. Neuer Kooperationspartner ist Boeing. Gröller: „Bei den Banken kann man sich davon aber nichts abbeißen." (Verena Kainrath, DER STANDARD Printausgabem 9. Oktober 2009)

 

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