Tausche Information gegen Geld

8. Oktober 2009, 17:33
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Wie lässt sich Qualitätsjournalismus in Zukunft finanzieren zwischen Krise und Gratiskultur? "Die große Frage" für Verleger und Chefredakteure bei den Österreichischen Medientagen

14 Jahre Chefredakteur, und jedes Jahr weniger Budget: Weniger geht bald nicht mehr, sagt Uwe Vorkötter:"Dann können wir die Anforderungen an Journalismus nicht mehr erfüllen."

Vorkötter führte schon die Stuttgarter Zeitung, die Berliner Zeitung, die Frankfurter Rundschau. Gerade kehrte er als Chefredakteur zurück zur Berliner Zeitung und legt kleinere Ressorts wie Wissenschaft oder Medien von Berliner und Frankfurter zusammen, versucht so Synergien zu nutzen. Bei den Österreichischen Medientagen rätselt er aber: "Wie organisieren wir in drei, in fünf Jahren noch Qualitätsjournalismus?" Organisieren heißt vor allem: finanzieren.

Die Frage drängt doppelt:Die Wirtschaftskrise lässt Werbevolumina teils dramatisch schrumpfen, die Medien finanzieren. Und das Internet macht Konkurrenz mit Nachrichten und um Aufmerksamkeit.Information im Internet ist bisher meist kostenlos.

"Wie können wir Journalismus im Internet finanzieren?" , fragt Michael Fleischhacker, Chefredakteur der Presse. Wie Fleischhacker sieht Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid in der "Gratismentalität" des Internets (aber auch von Gratiszeitungen) "die große Frage" für die Medienzukunft. Die Frage nach Bezahlung für bestimmte Inhalte im Internet.

Diskussion um Geld für Onlineinhalte

Medienmulti Rupert Murdoch hat sie vor wenigen Wochen entschieden: Murdoch, laut seinem Biografen Michael Wolff Internetskeptiker, verlangt künftig Geld für Onlineinhalte. Nicht nur beim Wall Street Journal, das Murdoch kurz vor der Krise teuer gekauft hat und das seine Inhalte stets vergebührte. Mit Murdochs Ankündigung begannen deutsche Verleger von Springer bis Burda an Online-Bezahlmodellen zu feilen.

Ähnlich breitflächig feilten Verlagshäuser rund um die Welt an gemeinsamen Redaktionen für Print und Internet, integrierten Newsrooms. Der Trend kehrt sich schon wieder um, berichtet Föderl-Schmid vom World Editors Forum in Prag: "Desintegration" laute das Motto. Zusammenarbeit von Print und Online, aber nicht Zusammenlegen. "Nicht jeder Journalist muss alles können." Auf getrennte Redaktionen führt sie die erfolgreicheEntwicklung von Standard und derStandard.at zurück, die beiden Medien funktionierten komplementär. Gemeinsamen Redaktionen für mehrere Medien erteilte sie eine Abfuhr.

Styria und Moser Holding wollen ihre Regionalmedien zusammenlegen. "Es wäre schlecht, wenn die Fusion auf redaktionelle Synergien aufbaut", versichert Manager Herrmann Petz. "In Druck und Logistik gibt es viel Fantasie." (fid, DER STANDARD; Printausgabe, 9.10.2009)

  • International Abkehr von gemeinsamen Redaktionen für Print/Online, berichtet Standard-Chefredakteurin Föderl-Schmid (Mi.); Wolfgang Fellner ("Österreich" , li.), Christoph Kotanko ("Kurier" ).
    foto: standard/newald

    International Abkehr von gemeinsamen Redaktionen für Print/Online, berichtet Standard-Chefredakteurin Föderl-Schmid (Mi.); Wolfgang Fellner ("Österreich" , li.), Christoph Kotanko ("Kurier" ).

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