Die Helden sind müde

8. Oktober 2009, 16:56
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Althippie Neil Young hatte bezüglich Zeitgenossenschaft in den 1980er-Jahren mehr zu sagen als in diesen gutgemeinten Dokus

Rockmusik stand früher einmal für den "Ausdruck einer Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse" und erlangte dadurch "zeitgeschichtliche Bedeutung". Was 3sat im Pressetext der bescheiden bemessenen fünfteiligen Musikfilmreihe "Keep on Rocking" so schön formuliert, ergibt in der konkreten Programmierung nur wenig Sinn.

Mit Julian Schnabels Dokumentation "Lou Reed's Berlin" steht zwar eine echte Fernsehpremiere am Start (Sa., 10.10, 22.10 Uhr). Die ursprünglich 1973 als Album veröffentlichte und 2006 erstmals live aufgeführte düstere Junkie-Geschichte steht wohl mehr für Zusammen- als Aufbruch. Und auch der mit gleich zwei Filmen, "Crosby, Stills, Nash & Young - Déjà Vu" (2007) sowie "Year of the Horse" (1997) vertretene Althippie Neil Young hatte bezüglich Zeitgenossenschaft wohl auch mindestens damals in den 1980er-Jahren mehr zu sagen als in diesen gutgemeinten Dokus über das Leben auf Tour und gegen den Irakkrieg. Zwischen "Teach your children well" und "Freedom of speech" klafft ein großes No-na (Fr. 9.10., ab 22.25 Uhr).

Auch der von Martin Scorsese stammende Konzertfilm "Shine a Light" über zwei Auftritte der Rolling Stones 2006 im New Yorker Beacon Theatre verbreitet angesichts einer zwar gutgelaunten, aber teilweise ziemlich eingelegten Altherrenpartie im besten Fall Hochglanznostalgie (Sa., 10. 10., 20.15 Uhr).

Einzig "Monks - The Transatlantic Feedback" von 2006 verspricht tatsächlich Zeitkolorit. Erzählt wird die Geschichte von fünf in Deutschland lebenden Ex-US-Soldaten, die Mitte der 60er-Jahre mit Tonsuren und Mönchskutten größer als die Beatles werden wollten - und unbedankt den Punk erfanden. (Christian Schachinger, DER STANDARD; Printausgabe, 9.10.2009)

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    Althippie Neil Young steht am Freitag gleich zwei Mal im Zentrum einer musikalischen Doku-Reihe auf 3sat.

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