Kärntner Landhaus

Aufregung über Nordkorea-Ausstellung

8. Oktober 2009, 16:16

Ausstellung in der Landhaus-Galerie soll "imperialistische Lügenpropaganda" über das Land aufdecken - Lob für "Heimattreue" dieses Volkes - SPÖ protestiert

Klagenfurt - Mit einer Fotoausstellung, die am 21. Oktober in der Galerie des Klagenfurter Landhauses eröffnet wird, will der oberösterreichische Fotograf Wolfgang Bogner die "imperialistische Lügenpropaganda" über Nordkorea aufdecken. So steht es zumindest auf der Einladung zur Eröffnung zu lesen, die vom Landhaus versendet wurde. Dafür wird die "Heimattreue" der Nordkoreaner lobend erwähnt. Landtagspräsident Josef Lobnig (BZÖ) verteidigte die Ausstellung, SPÖ-Chef Reinhart Rohr übte heftige Kritik.

Bogner, der vor einigen Jahren schon einmal in Klagenfurt ausgestellt hat, damals war Ungarn das Thema, hat, wie Landtagsamtsdirektor Robert Weiss auf APA-Anfrage erklärte, selbst den Vorschlag gemacht, in Klagenfurt eine Nordkorea-Fotoausstellung zu machen. Verantwortlich für die Landhaus-Galerie ist der Landtagspräsident.

Fotograf: Berichterstattung über Nordkorea "Propaganda"

Auf der Einladung zur Ausstellungseröffnung steht - über einem Bild der nordkoreanischen Flagge - der Text: "Nordkorea - Fernöstliche Faszination mit starkem Nationalbewusstsein und Heimattreue ... keine Ausländer ... keine Asylanten." Und weiter im Klappentext: "Wenn man den Nachrichten der vergangenen Jahre über dieses abgeschottete Land glauben (sic!) schenkt, müsste es total im Chaos liegen... müssten mangels Lebensmittel die Menschen Gras essen... müssten mangels Elektrizität die Familien abends nur im Dunklen sitzen...". Dem, so Bogner, sei aber nicht so, das sei nur Propaganda.

Auf der Auswahl von Bildern auf der Rückseite der Einladung sind fröhliche Menschen in adretter Kleidung zu sehen, weiters eine Panorama-Ansicht von "Nordkoreas moderner Hauptstadt Pyongyang" sowie eine der gigantischen Statuen des jahrzehntelang regierenden Diktators Kim Il Sung. Dieses Bild wurde mit dem Bildtext: "Der große Führer Kim Il Sung" versehen. Eine Anfrage der APA bei Bogner, wie denn die Texte auf der Einladung zu verstehen seien, beantwortete dieser mit den Worten: "Das sind alles Fakten. In Nordkorea gibt es bis auf eine winzige chinesische Minderheit keine Ausländer, somit auch keine Asylanten."

Bogner betonte, dass er "im ganzen Land niemanden hungern" habe sehen. Auch abseits der Hauptstadt biete Nordkorea ein völlig anderes Bild als es in den Medien dargestellt werde, "man sieht keinerlei Gesindel in den Straßen, keine Arbeitslosen, keine Bettler oder Betrunkene".

Rohr: Landtagspräsident öffnet Türen zur "Verherrlichung eines totalitären Regimes"

Lobnig meinte zu der Causa, er habe die Texte nicht verfasst, er stelle nur die Räumlichkeiten und die Infrastruktur zur Verfügung. Zum Inhalt der Schau erklärte er: "Bogner versucht zu dokumentieren, dass diese Lügenpropaganda nicht stimmt, dass das Land frei ist, dass die Menschen dort nicht in Armut leben und ihre Kultur leben dürfen."

Rohr erklärte: "Die Aussagen Bogners spiegeln die Geisteshaltung Lobnigs zu 100 Prozent wieder." Es sei einfach schlimm, wenn der Landtagspräsident der Verherrlichung totalitärer Regime die Tore des Landhauses öffne, und auf der anderen Seite etwa hohen Repräsentanten des Europaparlaments den Zutritt verweigere. Rohr spielte damit auf den Wirbel um die Verleihung des "Europäischen Bürgerpreises" an die Kärntner Konsensgruppe Anfang Juli an, als Lobnig dem Vizepräsident des EU-Parlaments, Miguel Angel Martinez, die Überreichung des Preises im Wappensaal des Landtages verweigerte. (APA)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 200
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Alexander Patjomkin
21
11.10.2009, 19:19
Nach westlichem Lesung kann man in einem Land

nur dann "menschewürdig" leben, wenn das Land das Segen des kapitokratischen Gesellschftssystem amerikanischer Schlag innehat.

Andronikos
01
12.10.2009, 11:57
Das stimmt nicht.


Man kann in Nordkorea durchaus menschenwürdig leben, solange man das Glück hat, zur Herrenkaste (max. 10% der Bevölkerung) zu gehören.

Die restlichen 90% vegetieren in Lebensumständen, die schlimmer sind als in vielen Sub-Sahara-Staaten.

Das ist der Unterschied zum "kapitokratischen Gesellschftssystem amerikanischen Schlages", wo es zwar große Klassenunterschiede gibt, aber die physische Existenz sogar der (zahlenmäßig kleinen) untersten Unterschicht gesichert ist.

nina yankow
00
11.10.2009, 18:34

bemerkenswert. das bzö ermöglicht eine
glorifizierung eines stalinistisch-maoistischen staates. wieso werden dann die soldaten der wehrmacht nicht kritisiert, dass sie für NS statt stalinismus kämpften?

wuzi buzi
02
11.10.2009, 17:55
demnächst in wien ...

BLUMEN FÜR KIM IL-SUNG
Zum Gesamtkunstwerk Nordkorea
02.12.2009 - 14.03.2010
MAK-Ausstellungshalle

Mit großformatigen Originalgemälden und zeitgenössischen Positionen aus den Bereichen Film und Design bietet die Ausstellung detaillierte Einblicke in die Kunstproduktion Nordkoreas. Gemeinsam mit der Nationalgalerie in Pjöngjang arbeitet das MAK an
der Realisierung einer umfassenden Werkschau, die erstmals Originalwerke dieser Institution in einem ausländischen Museum präsentieren wird.

Viper001
00
11.10.2009, 19:19
dachte zuerst


das wär ein Witz..

aber nein, Sie haben Recht...

der helle Wahnsinn..

dachte sowas gäb's nur in Kärnten

aber wird uns sicher unser Nordkoreafreund UHBP Fischer blumenreich erklären, was der Unterschied zwischen der Ausstellung in Kärnten und der MAK Sache ist...

kann es ein, dass der "Freundschaftsclub" da gerade eine grössere PR Aktion in Österreich am Laufen hat?

man verspricht sich offenbar richtigerweise Zuspruch aus den verschiedensten politischen Ecken..

sowohl von den Fringes, als auch dem "Mainstream"..

LGM
00
11.10.2009, 20:09

da muss man sich aber schon ziemlich bl*d stellen, um den Unterschied nicht zu erkennen. Kunst gibt es wohl in allen Ländern und warum soll die nicht ausgestellt werden.
Eine Ausstellung, die aber versucht, eine Diktatur als Opfer westlicher Propaganda zu verklären, ist etwas ganz Anderes.

Viper001
00
11.10.2009, 20:44
im Übrigen,


ich bin erstens nicht bl#d, und, nein, ich seh keinen grossen Unterschied, harre aber bereits der "Erklärungen" für die MAK Ausstellung.....die die Wiener "Kunstschickeria" dazu abgibt...

die PR Show von L'll Kim läuft eben so..

In Kärnten bedient man den rechtsrechten Pöbel, in Wien die "hochgeistigen" Kenner des "sozialistischen Realismus"..

so wie die "Krone" auch in jedem Bundesland eine andere Ausgabe hat...

am Ende kommt eine bizarre PR Show für das nordkoreanische Regime raus...

Viper001
00
11.10.2009, 20:36
sind Sie sich


wirklich ganz sicher, dass z.B. im Zuge der MAK Ausstellung nicht sehr ähnliche Ansagen kommen, wie die gerade in Kärnten, nur halt von der radikalen Linken..

Ehrenwort, ganz sicher??

Im Übrigen bin ich der Meinung, ein solches Regime gehört "embargoed" in JEDER Hinsicht..

auch keine "Kunstaustellungen"..

NULL, CINCH, ZERO....

Tex Thomalla
 
01
11.10.2009, 18:28

Die Ausstellung wird in Anwesenheit des Nordkoreanischen Botschafters mit einem Grußwort vom neuen Kulturstadtrat in Wien, HC Strache, feierlich eröffnet, in einer 20 stündigen Livesendung weltweit übertragen und von den Ehrenvorsitzenden Muammar al-Gaddafi und Mahmud Ahmadinedschad kommentiert. Anschließend folgt eine 8 stündige Talkrunde im KHM mit Landeshauptmann Dörfler und dem britischen Star Historiker John Irving. In der Albertina wird gleichzeitig die Ausstellung "Nordkoreas schönste malerische Dörfer" von Dr. Ursula Haider als Schirmherrin der Nordkoreanisch-Kärntnerischen Kulturwochen eröffnet.
Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.

Jürgen Mayer
02
11.10.2009, 13:56
Keine "Ausländer", selbstreferentiell anscheinend völlig ignorante Fotografen wohl oder übel ausgenommen, keine "Asylanten", kein "Gesindel" in Nordkorea... Kaum zu glauben was da oben alles steht.

Wie die Fremdenfeindlichkeit promiskuitiv ist
Von den kulturellen Sauberkeitsvorstellungen ganz zu schweigen - wüsste ich es nicht besser müsste ich ja schon an Satire denken, oder halt einen schlechten Scherz. Und unten fragt noch jemand ob von den "Obergscheiten" hier jemand bereits in Nordkorea war... Am Abend findet dann der Landesakt für jemanden statt, welcher Menschen mit Ungeziefer verglichen hat, dem Nationalsozialismus eine ordentliche Beschäftigungspolitik attestierte und eine SS Mit Tugenden assoziierte. Eine österreichische Zeitung schreibt davon noch in Zusammenhang mit "Gerechtigkeit"...
So wird man den letzten BZÖ-Wahlkampf mit den Strassenkehrern in Graz auch dahingehend interpretieren sollen, dass Graz zu Pjöngjang wird???

Vorstadt casanova
02
11.10.2009, 11:11
Ein Tritt in das Gesicht von 25 Mio Menschen

in einem Land das wirtschaftlich tot ist, in dem die Hauptstadt wie ausgestorben ist und der letzte Strom dafür verwendet wird die Götzenbilder des Führers zu beleuchten, während die Bevölkerung verhungert und erfriert. Ein Volk das der totalen Überwachung ausgeliefert ist und bei offener Kritik am Regime, sofern es dort noch Menschen gibt die Kritik üben können, in Arbeitslager gesteckt werden, so zu verhöhnen ist grenzwertig, realitätsfremd und gefährlich. Bogner, sofern er überhaupt dort war, wurde 24/7 observiert, und bei einem falschen Schritt hätte man ihm dem Pass nicht mehr zurückgegeben, kein Wunder das er nichts gesehn hat (bzw. bezweifle ich dass er etwas sehen wollte). Als Selbstzweck dann "auszustellen"...(*fremdschäm*)

Lalai Dama
02
11.10.2009, 09:55
Ausstellungen über geliebte Führer

sind in Kärnten eben nichts außergewöhnliches, wie man auch im Bergbaumuseum sieht

Magic Wand
 
01
11.10.2009, 00:57
gut, das überrascht ja nicht so sehr


Saddam ist tot, Gadaffi schleicht sich in die Staatengemeinschaft zurück und will vermutlich nicht bei Kontakten mit Kärnten erwischt werden, und dem Khamenei sind die BZÖler vermutlich zu fanatisch.

Was, außer Nordkorea bleibt da noch ?


das ist alles sehr kompliziert!
 
00
10.10.2009, 16:19

Ist das der Wolfgang Bogner in Villach, dessen Hompage man beim Googlen des Namens als erste findet? Seltsam. Die Hompage schaut aus wie von einem typischen Künstler, sehr aufs Ästhetische fokusiert, mit künstlerisch-sinnierenden Texten, ohne politische Statements. Also entweder ist das ironsich und eine besonders kritische Kunstaktion, oder er ist in seiner ästhetischen Welt soweit abgehoben, dass er das Theater der Nordkoreaner irgendwie als Realität ansieht, verbrämt mit etwas wunderlichem Weltbild (soll bei Künstlern, die zu lange in ihrem Paralleluniversum gelebt haben, ja hie und da vorkommen, dass sie grrrroße Führer und Nationen ob ihrer Bühnenshow anhimmeln)

t-bonesteak
00
11.10.2009, 00:14
auf dieser homepage steht aber z.b.

er hätte eine gastprofessur in kuba gehabt und dort die menschen mit seinen texten, welche die westliche konsumwelt auf's korn nehmen köstlich unterhalten...

also vielleicht taugt ihm ja so ein gesellschaftsmodell wie in kuba oder nordkorea besser?

das ist alles sehr kompliziert!
 
00
11.10.2009, 18:09

So genau habe ich das nicht gelesen, muss ich zugeben; hab' nur gesehen, dass er auch in Kuba war. Ja, anscheinend gefällt ihm der Kommunismus, OK, so genau hat er offenbar nicht nachgefragt, was da noch alles hinter den Kulissen dazugehört, aber dieser jüdisch-imperialistische Quargel, darauf habe ich keinen Hinweis gefunden.
Sehr seltsam, das. Vieleicht gibt's ja wirklich eine Überaschung bei der Eröffnung. ;-)

the photographer
02
10.10.2009, 09:00
Was hat Kärnten mit Nordkorea gemein?

Den Führerkult

as asdad
00
10.10.2009, 19:48

nur dass er in Nord-Korea von oben verordnet mit der Drohung durch Erziehungs-und Arbeitslager ist, in Kärnten hingegen aus freiwilligen Stücken erfolgt.

Der teutonische Wald verblödet halt.

rudolf schladming
 
00
10.10.2009, 15:12

aber kärnten ist etwas weiter. der führer schaut sich die erdäpfel schon von unten an. :D

Brezenmann
00
10.10.2009, 13:47
Zukunftsperspektive

Da eröffnen sich ungeahnte innenpolitische Möglichkeiten. Das neue Wahlprogramm der BZÖ könnte ja auch neue Maßnahmen zum Fernhalten von 'Ausländern und Asylanten' beinhalten. Etwas mehr Zwangsarbeit, Hungersnöte und mehr öffentliche Ordnung, dann wollen auch weniger Ausländer nach Österreich. Konsequent in der 'Ausländerfrage' also, das 'Bündnis Zukunft Österreich'...

herr nischta
00
10.10.2009, 08:43
"Da summa ist umma...

Im übrigen bin ich der Meinung, die 2-sprachigen Ortstafeln sollten auf kärntnerisch und nordkoreanisch verfasst werden.

http://klauskarlbauer.wordpress.com/2009/10/1... revisited/

Guderian
80
9.10.2009, 20:30
War irgendjemand er oberg'scheiten poster schon mal in Nordkorea???

Vermutlich nicht - ich übrigens ebensowenig - daher ist diese ausstellung absolut zu befürworten.
Ist doch interessant die dinge mal aus erster hand abseits des medienklischees präsentiert zu bekommen.
Dass dies so manchen hier nicht ins weltbild passt, ist leider bezeichnend.
Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf...

das ist alles sehr kompliziert!
 
00
11.10.2009, 18:22

Aus erster Hand? *Hüstel*

Ich war auch mal in den Disneystudios und hab' mir dort aus erster Hand die kulturellen und sozialen Hintergründe von L.A. zeigen lassen. Dass es dort in den 90ern Rassenunruhen gegeben haben soll, muss Propaganda sein, weil die Mäuse, Enten und Hunde leben dort alle friedlich miteinander...

t-bonesteak
00
11.10.2009, 00:04
ich war nie in nordkorea

und ich würde eine veranstaltung, die mir die gelegenheit gibt, mehr über dieses land zu erfahren, begrüßen.

bei dieser ausstellung stört mich aber a) das alles schön geredet wird und das in krassem widerspruch zu allem steht, ws ich bisher davon gehört habe und b) ein ton angeschlagen wird, der mir noch mehr mißfällt ("jüdisch-imperialistische verschwörung", "österreich und deutschland haben sich gegen den amerikanischen imperialismus verteidigt")

sollte sich das ganze nicht als geniale inszenierung entpuppen, mit dem ziel bei der eröffnung am 21. oktober das bzö saublöd aussehen zu lassen, dann wäre das das mit abstand wahnwitzigste, das in kärnten seit jahrzehnten aufgeführt wurde.

mistvieh666
 
00
10.10.2009, 23:54

sehen sie, und genau da taucht das naechste problem auf:
wenn ein staat es nicht zulasst, dass menschen aus unserem kulturkreis ihn besuchen und sich FREI eine meinung bilden (nicht mithilfe von 3 aufpassern) dann ist es nur natuerlich, das seine internationalen verteidiger unglaubwuerdig bis unwissend sind und man ihnen mit aggressivitaet begegnet.
zum vergleich: das bild ueber burma ist auch negativ, aber viel gesicherter, differenzierter.
eigentlich ist nordkorea der einzige boese strahlende dunkle stern, den es auf der welt noch gibt.
einfach vergleichen:
http://maps.google.de/maps
und bei "mehr" "fotos" ankreuzen
die paar fotos von nordkorea und die fuelle auf der restlichen welt.

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