Einzelmaßnahmen bei Schulreform "führen zu nichts"

8. Oktober 2009, 15:54
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Landertshammer für umfassendes Konzept "hinter verschlossenen Türen" - Arbeitsbedingungen der Lehrer "unzumutbar"

Wien - Keinen Sinn kann man in der Wirtschaftskammer (WKÖ) im Versuch von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) erkennen, ihre Bildungsreform in Form vieler - "zwar sinnvoller" - Einzelmaßnahmen umzusetzen. Diese "führen auf Dauer zu nichts", so WKÖ-Bildungsexperte Michael Landertshammer gegenüber der APA, die Lehrergewerkschaft werde dadurch zudem "zwangsläufig brüskiert". Stattdessen forderte er "ein umfassendes Konzept für eine Bildungsreform, das hinter verschlossenen Türen ausverhandelt wird - und zwar gemeinsam mit Gewerkschaft, Eltern- und Schülervertretern und den Sozialpartnern".

"Es ist fünf vor zwölf", warnte Landertshammer. Die Auswirkungen der Mängel im Schulsystem würden zwar erst in zehn bis 15 Jahren sichtbar, doch schon jetzt könnten nicht alle Lehrstellen besetzt werden, weil Bewerber nicht sinnerfassend lesen oder rechnen könnten oder ihnen soziale Kompetenzen fehlten.

Als einen Grundpfeiler einer Schulreform sieht Landertshammer Verwaltungsvereinfachungen: Alle Pädagogen sollen Bundeslehrer werden und ein einheitliches Dienstrecht erhalten, damit der Bund künftig Geldflüsse nachvollziehen und Standards setzen könne. Auf einer zweiten Ebene - "es ist unrealistisch, den Ländern keinen Einfluss zu geben" - soll in Bildungsdirektionen der regionale Bedarf (Art und Anzahl benötigter Schulen) gesteuert werden. Die "hochpolitische Frage" der Zuteilung und Versetzung von Lehrern und Bestellung von Direktoren soll künftig auf Ebene der Schule oder des Schulverbunds entschieden werden, bisher waren die Landesschulräte dafür zuständig. Direktoren sollen zudem künftig über ein Budget verfügen und nicht für jede größere Anschaffung Anträge stellen müssen.

Gute Lehrer belohnt

Die Kontrolle der Schulen soll über Mindest-Bildungsstandards erfolgen, durch die auch die Leistungen einzelner Klassen oder Lehrer nachvollziehbar werden. So könnten besonders gute Lehrer identifiziert und für ihre Leistung belohnt sowie schlechtere nachgeschult werden.

Der Diskussion über eine höhere Lehrerverpflichtung kann Landertshammer nichts abgewinnen. "Die Arbeitsbedingungen für Lehrer sind in weiten Bereichen unzumutbar. Es hat keinen Sinn, auf sie hinzuhauen". Das Ziel müsse sein, das Ansehen der Pädagogen zu heben und ihnen ihre eigentliche Arbeit - den Unterricht - zu ermöglichen: durch Schaffung von Arbeitsplätzen an den Schulen, mehr Unterstützung durch Sozialarbeiter etc. und vor allem Entlastung von administrativen Aufgaben. Außerdem müsse es - unter anderem durch eine akademische Ausbildung für alle Pädagogen ab dem Kindergarten - mehr Möglichkeiten zum Umstieg in andere Schultypen bzw. den Wechsel in die Privatwirtschaft geben. Gleichzeitig sollen Quereinsteiger durch bessere Anrechnung von Vordienstzeiten zum Wechsel in den Lehrberuf motiviert werden.

Dies sei eine Voraussetzung dafür, dass Lehrer das Potenzial von Kindern - und zwar bereits ab dem dritten Lebensjahr - heben könnten. "Derzeit werden die Kinder an das System angepasst", so Landertshammer, nach der Volksschule komme erschwerend die "grobe" und sozial stark selektive Trennung in AHS- und Hauptschüler.

Ein wichtiges Element der Schulreform ist für Landertshammer auch ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen - "auch wenn das verpflichtend wohl nicht durchsetzbar sein wird". Diese müssten von sieben Uhr morgens bis 18.00 Uhr ein "perfektes Angebot" aus Unterricht, Hilfe bei Hausaufgaben und Lernen sowie ein Musik- und Sportangebot bieten.

Die Umsetzung all dieser Maßnahmen ist aus Landertshammers Sicht "keine Frage des Geldes", schließlich könne laut einer Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) durch Verwaltungsstraffung sowie weniger Klassenwiederholungen und Drop-Outs durch individualisierten Unterricht jedes Jahr eine Milliarde Euro eingespart werden. (APA)

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