Leipziger Medienpreis an mutige Journalisten

8. Oktober 2009, 14:55
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"Gomorrha"-Autor Saviano und kroatischer Enthüllungsjournalist Miljus darunter

Die Journalisten Roberto Saviano (Italien), Dusan Miljus (Kroatien) und Ahmet Altan (Türkei) sind die Träger des diesjährigen Leipziger Medienpreises. "Wir möchten mit dem Preis ein Schlaglicht auf Journalisten setzen, die sich trotz Bedrohung für die Pressefreiheit einsetzen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Medienstiftung, Harald Langenfeld, am Donnerstag vor der abendlichen Preisverleihung. "Pressefreiheit ist kein selbstverständliches Gut, sondern etwas, wofür man sich täglich einsetzen muss." Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

Saviano (30) wurde mit Recherchen über die Verbrecherorganisation Camorra bekannt. Er lebt unter Polizeischutz und konnte aus Sicherheitsgründen nicht nach Leipzig kommen. "Ich fühle mich sehr geehrt, den Preis zu erhalten, weil er im Geist der Leipziger Revolution geboren wurde", sagte der für sein verfilmtes Buch "Gomorrha" bekannte Saviano in einer Videobotschaft. Er sei nun berühmt, werde aber gejagt wie ein Verbrecher. Mit seiner Arbeit wolle er zeigen, dass er sich nicht für besiegt erklären lasse.

Miljus (48), leitender Redakteur der kroatischen Tageszeitung "Jutarnji List", war im Juni 2008 von zwei Unbekannten mit Baseballschlägern verprügelt worden. Zuvor erhielt er telefonische Morddrohungen, in einem Konkurrenzblatt erschien seine Todesanzeige. "In einem Land, das Journalisten Polizeischutz gewähren muss, aber wo zugleich die Drahtzieher und Täter frei herumlaufen, gibt es keine gesunde Demokratie", sagte er am Donnerstag in Leipzig. "Ich verstehe diesen Preis auch als Nachricht an den Staat."

"Ich habe nie daran gedacht, Angst zu haben, als ich meine Arbeit getan habe. Aber als ich gesehen habe, wer alles den Preis bekommt, habe ich Angst bekommen", sagte Altan (59). Seine jungen Kollegen hätten den Preis viel mehr verdient als er. Altan ist Chefredakteur der militärkritischen türkischen Tageszeitung "Taraf". Dass türkische Medien keine Berichte über das Militär veröffentlichten, sei seit den 80er Jahren eine Hürde für die Demokratie, sagte er. (APA)

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