IKG hofft auf baldige Einigung

8. Oktober 2009, 13:36
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Bei Nutzungsvertrag für das Archiv nur noch "Tel eines einzigen Paragraphen" offen - Trotzdem Kritik am Wiesenthal-Institut

Wien - In der Auseinandersetzung mit dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) hofft die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) auf eine baldige Einigung. Umstritten ist die Nutzung des IKG-Archivs, doch nun ist nur noch ein Teil eines einzigen Paragraphen des Leihvertrags offen, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Der Vorstand des VWI unter Leitung des Politologen Anton Pelinka war im Juli mit dem Vorwurf der Blockade zurückgetreten.

"Die IKG geht davon aus, dass eine Einigung über diesen letzten offenen Vertragspunkt kurzfristig erfolgen wird", wurde nun betont. Man verweigere zu keiner Zeit den Zugang zum Archiv, bestehe aber auf bestimmte Benutzerregeln, die vor allem dem Schutz der Archive dienten. Was genau noch ungeklärt ist, wollte eine Sprecherin auf APA-Anfrage nicht ausführen. Man wolle die Verhandlungen atmosphärisch nicht belasten.

IKG: Muzicant will Forschung nicht kontrollieren

In der Aussendung wird dennoch deutliche Kritik am Wiesenthal-Institut geübt: "Im VWI gibt es Personen, die fälschlicherweise davon ausgegangen sind, dass die IKG dem VWI das gesamte IKG-Archiv in Bausch und Bogen übergeben würde. Dass dies eine falsche Annahme war, hat zu einer äußerst aggressiven und negativen Haltung einzelner im VWI geführt." Den Vorwurf, dass Präsident Ariel Muzicant die Forschung kontrollieren wolle, weist die IKG zurück.

Inakzeptabel ist aus Sicht der Kultusgemeinde, dass sie seit 20. Juli weder im VWI-Vorstand vertreten sei, noch Protokolle der Vorstandssitzungen erhalte. Die IKG betont, dass die Idee und Realisierung des - teilweise durch den Bund und die Stadt Wien finanzierten - Instituts von ihr selbst ausgegangen sei. Zudem habe man personelle und finanzielle Vorleistungen erbracht und Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt.

IKG will sich Ausstiegsmöglichkeiten sichern

Die Kultusgemeinde sorgt sich um den potenziellen Missbrauch heikler Archivmaterialien und will sich für diesen Fall Ausstiegsmöglichkeiten sichern. Es wird darauf verwiesen, dass etwa den Nationalsozialsten in den Jahren 1938 bis 1945 die Judenverfolgung dadurch leicht fiel, dass sie auf die Mitgliedsdaten der Kultusgemeinde zugreifen konnten. (APA)

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