"Wendepunkt": Gencode geknackt

8. Oktober 2009, 13:06
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Zahl der Möglichkeiten, die sich durch Vorstoß kanadischer ForscherInnen nun auftue, "beträchtlich"

Vancouver - Kanadischen ForscherInnen ist es erstmals gelungen, den Gencode von Brustkrebs zu entschlüsseln. Dies sei ein "Wendepunkt" in der Brustkrebsfoschung und könne zur "Entwicklung von gezielten medizinischen Behandlungen" für die Krankheit führen, teilte die Brustkrebsforschungsstelle der kanadischen Provinz British-Colombia (BCCA) am Mittwoch (Ortszeit) in Vancouver mit.

Die Zahl der Möglichkeiten, die nun eröffnet werde, sei "beträchtlich". Die Entdeckung komme dem Fund eines "geheimen Buchs über Brustkrebs" gleich, der die häufigste Krebsform bei Frauen ist, erklärten die ForscherInnen um Studienleiter Samuel Aparicio, deren Untersuchung als Titelgeschichte im Fachblatt "Nature" veröffentlicht wurde. Für diese haben die WissenschafterInnen bei einer Frau über neun Jahre die Entwicklung des Brustkarzinoms beobachtet.

Fünf Mutationen als Auslöser

Sie entschlüsselten in drei verschiedenen Entwicklungsstadien dabei Milliarden mögliche Kombinationen von DNA auf dem Genom und fanden am Ende 32 Mutationen in den Metastasen. Von diesen seien nur fünf im ursprünglichen Tumor vorhanden gewesen, weshalb diese "als Auslöser der Krankheit" identifiziert worden seien, heißt es in der Studie. Dieses Ergebnis sei überraschend, weil bisher nichts darauf hingewiesen habe, dass die fünf Mutationen bei Krebs eine Rolle spielen könnten. Damit verfüge die Wissenschaft nun über "nie dagewesene Informationen, wie Brustkrebs sich entwickelt und ausbreitet", erklärten die ForscherInnen. Die Mutationen zeigten auch, dass die Zellen in einem Tumor nicht gleich seien und jede Art von Zelle anders auf eine Behandlung reagieren könne. 

Individuelle Behandlung

Der Durchbruch wurde nur doch neue und günstigere Technik bei der Entschlüsselung von Gen-Informationen möglich. Für die 2001 erfolgreiche Auflistung des menschlichen Genoms seien noch Jahre Arbeit und immense Geldmittel nötig gewesen, erklärte Ko-Studienautor Marco Marra. "Wir waren in der Lage, den Brustkrebs in Wochen zu entschlüsseln und das mit einem Bruchteil der Kosten." In nicht allzu langer Zeit werde dies nur noch "eine Frage von Tagen" sein, sagte Aparicio voraus. Dies werde es ÄrztInnen ermöglichen, maßgeschneiderte Behandlungen für einzelne Krebspatientinnen zu entwickeln. (APA)

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    Die Entschlüsselung des Brustkrebs-Genoms komme der Entdeckung eines "geheimen Buchs" gleich: maßgeschneiderte Behandlungen für Krebspatientinnen rückt damit weiter in Reichweite.

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