EVN mit stabilen Umsätzen

8. Oktober 2009, 13:12
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Generaldirektor Hofer verteidigt Gaspreissenkung und weist Boltz-Kritik an Einkaufspolitik und Margen zurück

EVN-Generaldirektor Burkhard Hofer wies am Donnerstag die Kritik des Energieregulators zurück, wonach die vom niederösterreichischen Versorger für Anfang Dezember geplante Gaspreissenkung zu gering sei. Beim Strompreis gebe es derzeit überhaupt keinen Senkungsspielraum, aber 2010 könnte Elektrizität aufgrund der heuer geschrumpften Preise im Großhandels- und Spot-Bereich billiger werden, gab Hofer am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizist zu verstehen. Allerdings kaufe die E-Wirtschaft ihre Strommengen jeweils zwei bis drei Jahre im voraus ein, die EVN dabei im Schnitt etwas kurzfristiger.

Die Kritik von E-Control-Geschäftsführer Walter Boltz an der Strom-Einkaufspolitik der Energieversorger wies Hofer zurück. Sich als Versorger bei der zugekauften Elektrizität aber generell über den Spotmarkt einzudecken, wie dies Boltz zuletzt anregte, "wäre gelinde gesagt mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes nicht vereinbar", betonte der EVN-Chef: "Das hieße Spekulation."

"Unverständliche Behauptungen"

Vor allem ärgert Hofer aber die Äußerung von Boltz, dass die Energiebranche fast die einzige sei, der es trotz Wirtschaftskrise noch immer sehr gut gehe. Im Gas- und Stromvertrieb habe die EVN im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 (per 30.9.) eine EBIT-Marge von 1,8 Prozent erzielt, das sei "verschwindend". Angesichts dessen seien die Boltz-Behauptungen über zu hohe Margen "unverständlich".

Beim Erdgas-Preis gebe die EVN - mit der mittlerweile dritten Verbilligung in diesem Jahr - die Vorteile aus einem günstigeren Einkauf jeweils an die Verbraucher weiter, betont Hofer. Wie berichtet wird Gas für Kunden der regionalen Versorger in NÖ und in Wien mit 1. Dezember billiger. Für durchschnittliche Erdgas-Kunden der EVN in Niederösterreich mit 20.000 kWh Jahresverbrauch verbilligt sich der Gesamtpreis um 4,4 Prozent oder 56 Euro, bei der Wienenergie für Haushalte in der Bundeshauptstadt mit 10.700 kWh um 2,8 Prozent oder gut 20 Euro im Jahr. Die reine Energiekomponente verbilligt die EVN per 1.12. um 6,8 Prozent, Wienenergie um 5,0 Prozent.

Geschäftsjahr "gleich gut oder besser" als Vorjahr

Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe sich die EVN operativ relativ stabil oder sogar etwas besser als im Jahr davor entwickelt, berichtete Hofer weiters. 2007/08 war das operative Ergebnis (EBIT) um 15,6 Prozent auf 167 Mio. Euro gesunken und das Konzernergebnis um 17,7 Prozent auf 187 Mio. Euro zurückgegangen. 2008/09 lag das EBIT nach drei Geschäftsquartalen mit 179 Mio. Euro um 8,3 Prozent tiefer und das Konzernergebnis mit 176 Mio. Euro um 7,6 Prozent unter Vorjahr; umgesetzt wurden in den neun Monaten 2,15 Mrd. Euro (+16,7 Prozent).

Von der Wirtschaftskrise sei die EVN nicht so stark getroffen worden, sagte Hofer und verwies auf die Haushalts- und Gewerbekunden als relativ stabile Verbraucher. Stark abhängig sei das Ergebnis der EVN letztlich auch von der Höhe des Beteiligungsergebnisses, erinnerte der Vorstandschef. In den ersten drei Quartalen war das Finanzergebnis mit 45,1 Mio. Euro - vor allem aufgrund geringerer Beiträge der Energiebeteiligungen - um 37,6 Prozent zurückgeblieben.

Die Auslandsaktivitäten mit etwa 35 bis 40 Prozent Umsatzanteil steuern etwa ein Viertel zum Ertrag der EVN bei, sagte Hofer. Bei den künftigen Investitionen müsse die EVN auf die finanzielle Stabilität des Unternehmens und auch das Rating Rücksicht nehmen.

Hoffen auf Vergleichlösung im Mazedonien-Konflikt

Für die offenen Streitpunkte mit der Regierung in Mazedonien hofft man bei der EVN auf eine Vergleichslösung. Außer dem auch schon vor Gericht ausgetragenen Zwist um 160 Mio. Euro Altschulden aus der Zeit vor dem EVN-Einstieg in dem Land geht es auch um die Stromtarif-Berechnung und die Frage, ob die EVN Investitionszusagen ausreichend erfüllt hat. Zudem würde sich die EVN gerne Energie frei beschaffen können, derzeit hat der Staat ein Import- und Exportmonopol. "Dieses Paket muss man lösen", so Hofer, der auch darauf hinwies, dass die Voraussetzungen dafür "mittlerweile besser geworden" seien. Einerseits sei der mazedonische Vizepremier beauftragt worden, die strittigen Punkte einer Klärung zuzuführen. Zudem bestehe mit der Aufhebung eines Ersturteils eines Gerichts durch die Oberinstanz in Skopje "erstmals die Chance zu einem echten Verfahren mit einer Beweisaufnahme", "das hat es bisher noch nicht gegeben".

Schließlich hofft der EVN-Chef beim Bemühen um einen Kompromiss auch auf Unterstützung durch die internationale Staatengemeinschaft. Es gebe mittlerweile kein EU-Gespräch in Mazedonien, das nicht mit den Worten "You have to resolve the EVN case" beginne. Ein Schiedsgericht in Washington ist bereits länger eingeschaltet.

Streit um Altschulden

EVN hatte im April 2006 den mazedonischen Stromversorger ESM um rund 200 Mio. Euro übernommen. Später entzündete sich ein Streit darüber, ob und in welcher Höhe die EVN Altschulden wegen unbezahlter Rechnungen aus der Ära vor der Privatisierung eintreiben und abführen muss.

Im CEE-Raum zählt die EVN rund 2,3 Millionen Kunden, davon 1,55 Mio. in Bulgarien (dies entspricht etwa einem Drittel des Endkundenmarktes) und 750.000 in Mazedonien.  (APA)

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