Güterverkehr hofft auf starkes Schlussquartal

8. Oktober 2009, 19:15
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Nach Ungarn verstärkt die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria ihre Präsenz in der Slowakei

Wien - Drei Jahre nach dem gescheiterten Versuch, die staatliche slowakische Güterbahn um 13,1 Mrd. Kronen (351 Mio. Euro) zu kaufen, verstärkt die ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) mit dem privaten Anbieter Express Rail ihre Marktpräsenz im Nachbarland. Die Verträge würden "in wenigen Wochen" unterschrieben, kündigte RCA-Chef Friedrich Macher an.

Übernehmen will RCA nicht die ganze Gesellschaft, sondern nur ein Drittel, das laut Macher einen einstelligen Millionenbetrag koste. Derzeit hält RCA in der Slowakei 34 Prozent am Spediteur Express Slovakia, der seinerseits 30 Prozent an Express Rail hält. Macher rechnet angesichts der Schwierigkeiten der slowakischen Staatsbahn mit guten Geschäftschancen.

Schwierigkeiten hat die Wirtschaftskrise freilich auch der RCAbereitet. Sie muss kräftig sparen, um den massiven Geschäftsrückgang einzufangen. Der Umsatzrückgang beträgt laut Macher 500 Mio. Euro oder 18 Prozent, davon 20 Prozent würde das Betriebsergebnis 2009 ausmachen. Das Ebit wäre damit heuer mit rund hundert Millionen Euro im Minus.

Optimismus

Diese Vorschau zeugt von einer gesunden Portion Optimismus für das Schlussquartal, denn das RCA-Ebit war Ende August bereits mit knapp 105 Millionen Euro im roten Bereich - der Standard berichtete. Der Drohverlust für das Gesamtjahr war dem ÖBB-Holding-Aufsichtsrat am 22. September mit bis zu 135 Mio. Euro beziffert worden.

Zum Vergleich: 2008 hatte RCA - ohne außerordentliche Abschreibungen von knapp 60 Mio. Euro - noch 20,5 Mio. Euro verdient.

Das 150-Millionen-Euro-Sparprogramm wurde laut Macher "auf Punkt und Beistrich" umgesetzt. Davon 92 Mio. brächten Personalreduktion und andere Einschnitte, für weitere 110 Mio. Euro (bis 2015) seien die Voraussetzungen geschaffen. Der RCA-Beschäftigtenstand soll heuer um 400 bis 500 unter Vorjahrestand 7784 (ohne MAV Cargo) sinken. An der Sanierung des Verlustbringers Kontraktlogistik (Stückgut, Paletten) durch Transportverlagerung auf Lkws will Macher festhalten.

Die EU-Kommission hat Österreich ein zweites Mahnschreiben geschickt, in dem sie eine korrekte Umsetzung der Liberalisierung des Bahngüterverkehrs verlangt. In 20 Staaten sei das "erste Eisenbahnpaket" nicht ordnungsgemäß umgesetzt. Die EU vermisst Unabhängigkeit der Infrastruktur von Absatzbereichen, transparente Wegeentgelte, Steigerung der Netzkapazitäten und eine unabhängige Regulierungsstelle. (APA, ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.10.2009)

  • Auf in den Osten: Nach dem Kauf der ungarischen Güterbahn Máv Cargo
verstärkt der ÖBB-Güterverkehr - im Bild die Ostbahnbrücke in der
Wiener Lobau - seine Aktivitäten in der Slowakei.
    foto: standard/urban

    Auf in den Osten: Nach dem Kauf der ungarischen Güterbahn Máv Cargo verstärkt der ÖBB-Güterverkehr - im Bild die Ostbahnbrücke in der Wiener Lobau - seine Aktivitäten in der Slowakei.

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