Stefan Aust über "plumpe" Politik-Methoden"

8. Oktober 2009, 11:43
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Angriff auf Öffentlich-Rechtliche wie "Rückfall in den kalten Krieg" - Tageszeitungen vor "Selbstmord aus Angst vor Tod"

Über das Kräfteverhältnis von Politik und Medien sowie die Zukunft von Print sprach der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust am Donnerstagvormittag bei den Österreichischen Medientagen in Wien. "Wer sich im Machtfeld zwischen Politikern und Medien bewegt, den wundert es nicht, mit welch plumpen Methoden Politiker versuchen, Journalisten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren", so Aust.

Vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei das Hauptziel für "machtpolitische Spielchen". In den öffentlich-rechtlichen Sendern regiere die "journalistisch-politische Farbenlehre". Das werde hier in Österreich nicht unähnlich sein, meinte Aust. Kritik übte der frühere "Spiegel"-Chef an Versuchen der deutschen Konservativen, ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender abzulösen. Einen "Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk" und einen "Rückfall in den Kalten Krieg" sieht Aust in dieser Vorgangsweise.

"Keine Frage, es ist das Internet, dem die Zukunft gehört"

Gefahr sieht Aust aber auch von wirtschaftlicher Seite. Der "Absturz des Werbemarktes" habe den Medien gehörig zugesetzt. "Kürzungen im redaktionellen Bereich, Auslagerungen - warum soll es den Journalisten besser gehen, als den Automobilarbeitern, über die sie schreiben." Es sei klar, dass Verlage schwarze Zahlen schreiben müssen, sonst sei deren gesamte Operation gefährdet. Um die Zukunft der Printbranche abzusichern, seien kreative Ideen gefordert. "Keine Frage, es ist das Internet, dem die Zukunft gehört. Das bedeutet aber nicht, dass damit Printprojekte überflüssig werden."

Klar sei, dass die Karten derzeit neu verteilt werden. Bedenken ließ Aust über die Strategie der kostenlosen Inhalte-Aufbereitung anklingen. Viele Tageszeitungen seien dazu übergegangen, ihre Inhalte gratis via Internet anzubieten, oft noch bevor die Druckmaschinen zu laufen begonnen haben. "Ob das die richtige Strategie oder Selbstmord aus Angst vor dem Tod ist, wird sich herausstellen. Wenn Zeitungen, die ihre Inhalte kostenlos anbieten, Pleite gehen, wird es danach keine kostenlosen Informationen im Internet mehr geben", sagte Aust.

"Informations-Tsunami"

Kritik übte der Ex-"Spiegel"-Chefredakteur, der derzeit die deutsche WAZ-Gruppe bei Zeitschriftenprojekten berät, an den falschen und trivialen Inhalten, die übers Internet verbreitet werden. Aust sprach von einem "Informations-Tsunami". Hier liege aber auch eine Chance für den Journalismus - gerade in der gegenwärtigen Weltkrise. "Die Themen liegen auf der Straße. Es ist die Zeit der Recherche und der Enthüllungen." (APA)

 

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    Stefan Aust bei den Medientagen in Wien.

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