"Ihr Kopf ist ja größer als ihre Hüften": Ralph Lauren legt sich mit BloggerInnen an

8. Oktober 2009, 10:28
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Kaum eine Werbeanzeige kommt ohne Photoshop-Retusche aus

In der Welt der Models und des Glamour darf es keine Unzulänglichkeiten geben. Daher gibt es auch so gut wie keine Anzeigen und Werbekampagnen bei denen die Bilder der Models nicht mit Photoshop und Co. "geschönt" werden. Blütenweiße Zähne, makelloser Teint und eine Figur jenseits der 90-60-90-Maße. Der US-Designer Ralph Lauren hatte mit einer Werbekampagne heftige Kritik der BloggerInnen einstecken müssen und schlug nun mit Abmahnungen zurück.

"Ihr Kopf ist ja größer als ihre Hüfte"

Auf BoingBoing wurde die Werbeanzeige veröffentlicht. Darunter die Botschaft: "Dude, her head's bigger than her pelvis."(Mensch, ihr Kopf ist ja größer als ihre Hüfte). Das US-Modeimperium reagierte not amused über die Kritik in den Blogs und startete eine Abmahnwelle gegen Webseiten die auf den Blog verwiesen.

Urheberrechtsverletzungen

Die BoingBoing-Bloggerin, die mit ihrer Aussage in der Blogosphäre für Aufsehen und heftige Diskussionen sorgte, wurde von den Ralph Lauren-Anwälten angewiesen, das Bild samt Kommentar zu entfernen, da sie gegen das Urheberrecht verstoßen würde. In die Diskussion selbst wollte sich das Modehaus nicht einbringen. auch auf die Kritik wurde zunächst nicht weiter geantwortet oder reagiert.

Kritik ist kein Klagsgrund

Die Anwälte des Modelabels verschickten eine so genannte "DMCA takedown notice" an den ISP der Bloggerin mit der Aufforderung den Hahn zuzudrehen. Doch die kanadische Priority Colo entschied sich den Fall publik zu machen und dem Wunsch des Konzerns nicht nachzukommen. Zahlreiche Anwälte sehen Ralph Lauren im Unrecht. Das Urheberrecht erlaubt nicht, dass man KritikerInnen zum Schweigen bringt, so zitieren zahlreiche US-Medien den Fall.

Zensur, Kritik und das Netz

Der "Ralph Lauren-Photoshop-Fall" wurde binnen weniger Stunden zu einem der heftigst diskutierten Themen in der Blogosphäre. Immerhin geht es dabei nicht nur um den gesellschaftspolitischen Effekt von retuschierten Inseraten und dem Bild der Frau in der Werbung, sondern vielmehr auch um eine Frage von Zensur, Kritik und dem Recht auf freie Meinungsäußerung im Internet. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen dieser Fall haben wird: das "geschönte" Fotos von Models bald verschwinden werden, ist aber eher nicht so bald zu erwarten. (Gregor Kucera, derStandard.at vom 8.10.2009)

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    "Ihr Kopf ist ja größer als ihre Hüften" - dieser Kommentar löste beim US-Mode-Designer Ralph Lauren eine Abmahnwelle gegen Blogger aus.

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