Japan hat drei Dimensionen auf dem Schirm

8. Oktober 2009, 09:22
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3-D steht im Mittelpunkt der asiatischen Unterhaltungselektronik-Messe Ceatec - Europa braucht sich nicht verstecken

Japans berühmte Elektronikmesse Ceatec bietet in diesem Jahr buchstäblich einen Blick in die Kristallkugel. Am Eingang der Halle für Konsumelektronik hat die kleine Erfinderstube Holoart ein Glaskugel ausgestellt, die durch ein hineinprojiziertes Bild zum feschen Display mutiert.

Dreidimensionales Fernsehen

Der nächste Trend der Elektronikindustrie ist allerdings auch ganz ohne wahrsagerische Hilfsmittel offensichtlich: hochauflösende dreidimensionale Flachbildfernseher. Japans Hersteller Sony hat auf der Ceatec gleich seine Hauptbühne der neuen Technik verschrieben und zeigt auf einem halben Dutzend Flachbildfernseher Videospiele, Sport und Filme in drei Dimensionen. Doch auch die Rivalen Panasonic, Sharp und Mitsubishi Electric stellen die 3-D-TVs in den Mittelpunkt. Mit den neuen Geräten wollen sie vom derzeitigen 3-D-Kinoboom profitieren. Auch wenn Sony den anderen Herstellern auf der Messe die Schau stiehlt, der Vorreiter bleibt Panasonic.

Das erste massentaugliche Modell

Nachdem Panasonic 2008 den ersten hochauflösenden 3-D-Fernseher der Welt vorgestellt hat, folgt dieses Jahr das erste massentaugliche Modell. Der präsentierte 50-Zoll-Plasmafernseher kommt 2010 auf den Markt. Sony wird erst Monate später folgen. Die restliche Konkurrenz dürfte noch ein bisschen länger mit der anspruchsvollen Technik ringen. Auf den ersten Blick gleicht die Technik den bisherigen Experimenten: Ohne Brille geht nichts. Noch immer werden zwei leicht versetzte Bilder gesendet, von denen die Brille je eines an je ein Auge durchlässt. Das Gehirn setzt sich aus den Informationen dann ein räumliches Bild zusammen.

Vom Augenschmaus zum Augengraus

Doch die Pixel der kommenden TV-Generation reagieren inzwischen so schnell, dass die Hersteller die zwei Bilder in voller Auflösung abwechselnd auf den Schirm schicken können. Die Kunden tragen daher statt der bisher bekannten rot-grünen Brillen Hightechgeräte, die im Takt mit dem Bildwechsel abwechselnd das rechte und das linke Glas verdunkeln. Ein Infrarotsender auf dem Schirm dient dabei als Taktgeber. "Die Technik ist anspruchsvoll, weil die Bilder sehr genau voneinander getrennt werden müssen", erläutert ein Manager von Panasonic. Denn wenn es Überschneidungen gibt, wird das Fernsehen vom Augenschmaus zum Augengraus.

Brillenlos - Made in Europe

Die europäische Fahne im dreidimensionalen Reigen hält diesmal das Heinrich-Hertz-Institut der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft hoch. Die deutschen Forscher stellen ein marktreifes, brillenloses 3-D-Display zur Schau, dessen Bilder sich durch Fingerzeig in alle Richtungen drehen lassen. Nur taugt es nicht zum Fernsehen, sondern nur zum Werbe- oder Infodisplay.(Martin Kölling aus Tokio/DER STANDARD/Printausgabe vom 8.10.2009)

  • Verspielte Idee: Kristallkugel, die durch ein hineinprojiziertes Bild zum feschen Display wird. 
 
    foto: der standard/mako

    Verspielte Idee: Kristallkugel, die durch ein hineinprojiziertes Bild zum feschen Display wird.

     

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